Auf dem Sprung ins Mittelfeld lässt das Frontzeck-Team immer wieder Punkte liegen.

Mönchengladbach. Der Trainer von Bundesliga-Aufsteiger Mainz 05, Thomas Tuchel, wirkte nach dem Spiel leicht angefressen: "Sollen wir uns etwa für diesen 1:0-Sieg auch noch entschuldigen? Ein Torwart gehört mit zur Mannschaft. Und Heinz Müller hat klasse gehalten. Ich bin stolz auf meine Spieler." Wahrscheinlich hätte Kollege Michael Frontzeck von Borussia Mönchengladbach im umgekehrten Fall ähnlich reagiert. Denn Punkte sind immer noch das Maß aller Dinge, so gut die ganzen Lobeshymnen auch tun.

Zum Beispiel die aus dem Fernsehstudio von Sky, wo zwei frühere Spieler der Borussia und Experten des TV Senders, Oliver Bierhoff und Stefan Effenberg, den ausdrucksvollen Auftritt der Niederrhein-Elf unisono priesen. Das Potenzial sei da, sagte zum Beispiel Bierhoff, Teamchef der Deutschen Nationalmannschaft: "In Gladbach wird gut gearbeitet, daran ändert auch die unnötige Niederlage in Mainz nichts, und der Trainer ist sehr authentisch. Frontzeck hat auch bei seinen früheren Stationen und kritischen Situationen nie seine Linie verloren."

Stefan Effenberg, der 1995 mit Borussia Mönchengladbach Pokalsieger wurde, konstatierte: "Endlich herrscht bei meinem früheren Klub wieder Ruhe, und die Zeit der wilden Einkäufe ist vorbei. Michael Frontzeck hat den Rückhalt im Präsidium. Das ist wichtig. Jetzt muss es Schritt für Schritt weitergehen, muss die Mannschaft in der kommenden Spielzeit auf zwei, drei Positionen verstärkt werden."

Zunächst einmal gilt es aber, die Niederlage vom Bruchweg wegzustecken. Der Stachel der Enttäuschung saß doch sehr tief. Vor allem die Art und Weise, wie das entscheidende Tor zustande gekommen war, wurmte die Betroffenen. Allen voran Marco Reus, der gut spielte, bravourös kämpfte, immer wieder die Offensive belebte, und auch hinten aushalf. Aushalf?

In der entscheidenden Szene trat er, fast auf der eigenen Linie stehend, beim Klärungsversuch über den Ball - und war hernach untröstlich: "Ich kann es immer noch nicht fassen."

Raul Bobadilla stand vorne immer wieder allein auf weiter Flur

Niemand hätte über diesen Fauxpas groß gehadert, hätte Raul Bobadilla wenigstens eine von drei großen Chancen verwertet. Doch zur Ehrenrettung des Argentiniers sei gesagt, dass er in allen Szenen gar nicht so furchtbar falsch reagiert hatte. Es war einfach schlichtweg Pech oder es lag am vorzüglichen Mainzer Keeper Müller.

Die Partie am Bruchweg war - da führt kein Weg vorbei - für Borussia Mönchengladbach abermals eine verpasste Chance, den Sprung ins gesicherte Mittelfeld zu schaffen. Die Borussen müssten, knöpft man sich die Hinrunde vor und die Spiele im neuen Jahr (1:2 gegen Bochum, 0:1 in Mainz), längst da stehen, wo etwa Eintracht Frankfurt platziert ist oder 1899 Hoffenheim.

Stattdessen hat sich das Team von Michael Frontzeck als Tabellendreizehnter im unteren Mittelfeld "verirrt". Mit Siegen gegen den 1. FC Nürnberg und SC Freiburg in diesem Monat wäre die Tabelle allerdings wieder "begradigt". Doch das wird schwer genug. Bei aller allgemeinen Lobhudelei ob der Leistung der Gladbacher beim Aufsteiger blieb die eine oder andere Schwäche in der Mannschaft nicht verborgen. So ist Kapitän Filip Daems von seiner Bestform noch weit entfernt und Thorben Marx (noch kein Tor, keine Torvorlage) seit Wochen "neben der Spur".

Auch im Angriff gibt es immer wieder Leerläufe. Dass der junge Patrick Herrmann zuletzt verstärkt Einsatzzeiten bekam und auch für frischen Wind sorgte, darf wohl als Signal gewertet werden, dass sich niemand im VfL-Kader auf seinen Lorbeeren ausruhen kann.

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