Gladbach gewinnt gegen Greuther Fürth mit 1:0. Das Spiel begeistert die Fans aber nicht.

Borussia I
Oscar Wendt zog sich im Heimspiel gegen Fürth den Unmut der Fans zu.

Oscar Wendt zog sich im Heimspiel gegen Fürth den Unmut der Fans zu.

Wiechmann

Oscar Wendt zog sich im Heimspiel gegen Fürth den Unmut der Fans zu.

Mönchengladbach. Erfolg kann – auf eine gewisse Art und Weise – auch einen faden Beigeschmack mit sich führen. Das bekommen sie derzeit bei der Gladbacher Borussia zu spüren. 16 Jahre lang spielte der Altmeister vom Niederrhein in der Bundesliga kaum eine Rolle. Abstiegskampf, ja sportliche Tristesse prägten den Alltag. Bis die Borussen nach überstandener Relegation vergangene Saison wie Phoenix aus der Asche stiegen und mit Ausnahmekönnern wie Marco Reus oder Dante auf Rang vier und zurück in den Europapokal stürmten.

Derzeit ist im Borussia-Park Ergebnisfußball angesagt

Reus, Dante und Neustädter sind längst weg. Rund 30 Millionen Euro wurden für vermeintlichen Ersatz ausgegeben, der Klub klopft auch wieder an die Tür zum internationalen Geschäft. Allerdings ohne dabei dem zahlenden Publikum das Hurra-Erlebnis aus der vergangenen Spielzeit zu bieten. Vielmehr ist in dieser „Aufbausaison“ (O-Ton Cheftrainer Lucien Favre) mangels spielstarken Personals nüchterner Ergebnisfußball und kein Tiki-Taka angesagt.

Der Zweck heiligt die Mittel. Was nach einem gruselig-biederen 1:0-Heimsieg gegen Schlusslicht Greuther Fürth sechs Spieltage vor Schluss immerhin 41 Punkte bedeutet. Eine Bilanz, die vor drei Jahren in Gladbach per se für Jubelstürme gesorgt hätte – nun durch ihr nacktes Zustandekommen allerdings die erwartungsfrohen Zuschauer nicht mehr zufrieden stimmt. Zumindest einen nicht zu überhörenden Teil unter den 50 206 Besuchern gegen Fürth. Der Pfiff nach wenigen Minuten bereits derart laut die Fohlen-Elf aus, wie es das in dieser Form schon lange nicht mehr gegeben hatte.

Vor allem Linksverteidiger Oscar Wendt bekam den Unmut hunderter nach mitreißender Unterhaltung lechzender VfL-“Kunden“ zu spüren. Der Schwede wurde schließlich bei jedem Ballkontakt von den eigenen Fans ausgepfiffen. Zuvor hatte Wendt aus Frust über die Pfiffe und seiner eigenen Vorstellung eine offenbar abwertende Geste in Richtung Osttribüne gemacht. „Mich haben da einige provoziert, normalerweise lasse ich mich von so etwas nicht aus der Ruhe bringen“, sagte Wendt später. Das hätte ihm nicht passieren dürfen. Er habe sich dafür bei den Fans während der Halbzeit sowie nach Spielende auch entschuldigt.

Am Ende redeten im Borussia-Park dennoch alle statt über den Heimsieg fast nur über pfeifende Fans – die Gladbachs Eigengewächs Marc-André ter Stegen, gegen Fürth bester Borusse, richtig sauer aufgestoßen waren: „Wenn man nach zehn Minuten die ersten Pfiffe mitbekommt, unser eigener Spieler immer wieder ausgepfiffen wird – dafür habe ich kein Verständnis, dass macht mich traurig. Ich bin enttäuscht darüber, was da passiert ist.“ Er habe dies wie „eine Bestrafung“ empfunden. Ter Stegen weiter: „Wir stehen so weit oben, das hätte vor zwei Jahren niemand gedacht. Jetzt pfeifen sie hier, wenn man gegen Greuther Fürther mal nicht eben so die drei Punkte mitnimmt und sie abschlachtet.“ Gewinner, die ausgebuht werden. Für Gladbach eine ganz neue Erfahrung.

Auszeit

Nach dem gestrigen Auslaufen im Borussia-Park, zu dem bei strahlendem Sonnenschein hunderte Fans in den Borussia-Park gepilgert waren, gab Cheftrainer Lucien Favre der Fohlen-Elf zwei Tage frei. Am Mittwoch startet dann im Borussia-Park (10 und 15 Uhr) die Vorbereitung auf das kommende Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart (Sonntag, 15.30 Uhr).

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