Heute vor 40 Jahren erklimmt der VfL erstmals Rang eins in der Bundesliga – und wird später Meister. Herbert Laumen erinnert sich.

Mönchengladbach. Ein Freitagabend, heute vor 40 Jahren - im Bökelberg-Stadion fiebern knapp 30.000 Zuschauer der Begegnung gegen Alemannia Aachen entgegen. Nach der Niederlage des FC Bayern München tags zuvor gegen Hertha BSC Berlin braucht die Elf von Hennes Weisweiler einen Sieg, um erstmals seit dem Bundesliga-Aufstieg 1965 die Spitze zu erklimmen.

"Und das ist uns eindrucksvoll gelungen", erinnert sich Herbert Laumen, einer der gefährlichsten Torjäger jener Epoche, "ich weiß noch genau, wie wir die Aachener nach einem 1:1-Pausenstand in Grund und Boden gespielt haben."

Am vorletzten Spieltag war die erste Deutsche Meisterschaft perfekt

Ein paar Mal noch mussten die Gladbacher im Verlaufe der Saison die Tabellenführung abgeben, ehe sie am 28. Spieltag - nach dem 3:0 im Rückspiel bei Alemannia Aachen - erneut Rang eins eroberten und diesen nach einem packenden Zweikampf mit dem FC Bayern bis zum Schluss verteidigten.

Die erste Deutsche Meisterschaft war bereits am vorletzten Spieltag unter Dach und Fach. Nach dem Meisterstück gegen den Hamburger SV (4:3) läuteten die Glocken der Eickener Kirchen eine lange Nacht ein.

71 Tore erzielten die Borussen in ihrer ersten Meistersaison, ein Jahr später bei der Titelverteidigung waren es sogar 77. Die "Torfabrik" vom Bökelberg stand in ihrer ersten vollen Blüte.

82 Mal traf die Gladbacher Borussia bislang in der Bundesliga auf den HSV - gegen keinen anderen Klub spielten die "Fohlen" öfter. Dabei sprangen 34 Siege für den HSV heraus, 27 Mal war die Borussia erfolgreich (21 Remis).

Negativserie gestoppt: Nach fünf Niederlagen in Folge punktete die Borussia zuletzt gegen den rheinischen Rivalen aus Köln erstmals wieder (0:0).

Der HSV ist mit 13 Punkten aus fünf Spieler die beste Heimmannschaft der Liga, die Borussia ist die zweitschlechteste Auswärtsmannschaft, holte nur am 1. Spieltag beim 3:3 in Bochum einen Punkt.

Als Trainer konnte Michael Frontzeck noch nie gegen den HSV gewinnen, jedoch fügte er als Spieler den Hanseaten (mit Labbadia als Stürmer) eine schmerzliche Niederlage zu: 8:2 fertigten die "Fohlen" den HSV 1987 ab.

Marcell Jansen trifft erstmals im HSV-Trikot auf seinen Ausbildungsverein: Zwischen 2004 und 2007 absolvierte der Nationalspieler 73 Bundesliga-Partien (fünf Tore) für die Borussia.

Von Toren und Siegen träumen auch die Borussen der Neuzeit und ihre unvermindert große Anhängerschar. Seit dem Bau des neuen Stadions 2004 passieren - abgesehen von der Zweitliga-Spielzeit 2007/ 2008 - im Schnitt rund .Besucher pro Saison die Eingangstore des Borussia-Parks. Doch die Hoffnung auf eine durchschlagende Besserung der Gesamtsituation scheint auch in dieser Saison nicht einzutreten.

Nach einem verheißungsvollen Auftakt (vier Spiele, sieben Punkte, sieben Tore) ist Borussia Mönchengladbach im weiteren Verlauf der Saison (sechs Spiele, ein Punkt, drei Tore) wieder ziemlich weit unten angekommen. Und das torlose Unentschieden gegen Köln hat letztlich auch nur eines bewirkt: Die Borussen, zuvor 17. in der Tabelle, befinden sich vor dem Gastspiel beim Titelanwärter Hamburger SV am Rande der Abstiegsplätze.

Zwar erweisen sich Führungs-Crew, Trainer, Mannschaft und das gesamte Umfeld des Vereins als starkes Bollwerk im Kampf gegen äußere Widerstände. Aber wie lange noch? Was in dieser schwierigen Lage besonders auffällt, ist die seit Wochen vorherrschende Flaute im Angriff der Borussia.

Ob Raul Bobadilla, Roberto Colautti, Rob Friend, Oliver Neuville oder Moses Lamidi - es fehlt an Überzeugung und mithin an Durchschlagskraft. "Bobadilla hat gute Ansätze, man muss Geduld mit ihm haben", sagt der 66-jährige frühere Goalgetter Herbert Laumen, der heute Mitglied des zehnköpfigen Borussen-Ehrenrates ist. "Der Knoten wird schon noch aufgehen."

Hoffentlich bald, damit das Bollwerk im Borussia-Park hält.

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