Der Auftritt beim 1:3 des VfL gegen den FC St. Pauli war kraft, mut- und willenlos.

FC St. Pauli - Borussia M�nchengladbach
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Malte Christians

Hamburg. Immer wieder lief die Szene in dem Fernseher, der in den Katakomben des Hamburger Millerntor-Stadions hängt. Und dabei bestätigte sich das, was Borussias Angreifer Mike Hanke beim Betrachten der Bilder schließlich aussprach.

„Also ich habe da keine aktive Bewegung von Igor gesehen“, sagte der 27-Jährige zu der Aktion, die Kollege de Camargo die Rote Karte einbrachte und Gladbach im Anschluss schwarz sehen ließ. „Rien ne va plus – nichts geht mehr“, hieß es nach der Dezimierung für die neun auf dem Feld verbliebenen Feldspieler in den weißen Trikots. „Bis dahin hatten wir das eigentlich ganz gut gemacht, aber mit dem Platzverweis war unser Konzept hinfällig“, sagte Torhüter Christofer Heimeroth und fügte eine Schelte für de Camargo hinzu. „Igor hat das Foul zu akzeptieren und muss nicht zum Gegenspieler rennen.“

Der Abstieg dürfte nun kaum mehr abzuwenden sein Der hieß Matthias Lehmann und prahlte nach dem Schlusspfiff unverblümt mit seiner Aktion. „Ich habe de Camargo gefragt, was er denn wolle. Schließlich würde er doch seinen Freistoß bekommen. Er aber meinte, mich berühren zu müssen. Dieses Geschenk habe ich dankbar angenommen. Das ist er selbst schuld“, sagte der Mittelfeldspieler des FC St. Pauli. „Das ist die Schlüsselszene gewesen. Sie hat den Gegner aufgeputscht“, sagte Mike Hanke. Während Igor de Camargo den Kopf benutzte, ohne das Gehirn einzuschalten, agierten seine Kollegen fortan gänzlich kopflos.

Die Borussia zeigte 70 Minuten lang keinerlei Gegenwehr mehr, die Körpersprache der Spieler war erschreckend. Hängende Köpfe, die Schultern zusammengesackt, keine Trotzreaktion, kein Aufbäumen. Die Mannschaft ergab sich kraft-, mut- und willenlos ihrem Schicksal. Ein Schicksal, das angesichts dieses Offenbarungseides unabwendbar sein dürfte. Der Klassenerhalt scheint nur noch Wunschdenken zu sein. Von Woche zu Woche muss eine andere Startelf aufs Feld.

Mal bedingt durch Verletzungen, mal durch Sperren wegen Platzverweisen, deren Zahl bereits auf sieben angewachsen ist. So können weder Automatismen noch Sicherheit und Ruhe in die Aktionen der teilweise limitierten Spieler kommen. Am Samstag wurde außerdem endgültig deutlich, dass nicht die Innen-, sondern die Außenverteidiger das größte Abwehrproblem darstellen. Selbst gegen Aufsteiger FC St. Pauli war Tobias Levels überfordert, Filip Daems schlichtweg zu langsam.

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