0:1 – Das Team von Hans Meyer hat den Abstiegsplatz nicht verlassen können. Marin ist gesperrt.

Mönchengladbach. Das riesige Banner in der Nordkurve ("Eine ganze Stadt ist stolz auf Euch. Danke für den Derbysieg") war der optische Beweis für die Vorfreude auf die Begegnung zwischen den Klubs aus der alten Oberliga West, Borussia Mönchengladbach und dem VfL Bochum.

Die Zuschauer waren alle in Stimmung an diesem kalten Frühlingsanfangs-Abend im Borussia-Park. Das bemerkenswerte Zwischenhoch der Gladbacher mit zwei famosen Siegen und acht Toren in den vergangenen 180 Minuten hatte echt Laune gemacht. Und dann starteten die "Fohlen" mit sechs Profis unter 23 Jahren auch voller Schwung in das Sechs-Punkte-Spiel gegen den VfL Bochum. Was sollte schon schiefgehen?

Borussen-Keeper Bailly flog dem Ball nur hilflos hinterher

Doch es kam anders: Ein einziger richtiger Schuss aufs Gladbacher Tor entschied die intensiv geführte Partie zu Gunsten der Koller-Elf. Der sträflich allein gelassene Dennis Grote drosch den Ball aus 20 Metern in die Maschen. Borussen-Keeper Bailly flog dem Ball nur hilflos hinterher.

Die Gladbacher bestimmten das Spiel, aber die Bochumer trafen zum 1:0 - so ungerecht kann Fußball manchmal sein. Der Abstiegskampf - das ist zuweilen reine Nervensache. Gladbachs Stürmer Rob Friend, ständig zwischen Welt- und Kreisklasse pendelnd, ließ einen kühlen Kopf vermissen, als er Sekunden vor dem Abpfiff aus kurzer Entfernung zu lasch agierte. Aus, vorbei.

Borussia Mönchengladbach hat dieses so eminent wichtige Spiel im Kampf um den Klassenerhalt verloren und den Sprung auf einen Nichtabstiegsplatz zunächst einmal verpasst. Die Niederlagen von Karlsruhe, Cottbus und Bielefeld am Tag danach haben die Enttäuschung immerhin ein wenig lindern können. Ein schwacher Trost nur, denn das ganze Ausmaß der Heimschlappe wird erst jetzt deutlich, hätte sich doch der VfL im Idealfall fünf Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt.

Es war nicht der Tag der jungen Künstler. Auch bei den "Kreativen" im Borussen-Team, Marko Marin (Foto) und Alexander Baumjohann, hakte es im Spiel gegen den VfL Bochum. Die beiden konnten sich nur sporadisch der hautnahen Bewachung ihrer Gegenspieler entziehen. Einsatz und Einstellung stimmten aber: Ihre Ideen und ihr Durchsetzungsvermögen wird die Borussia in den verbleibenden neun Spielen noch gut gebrauchen können. Auf Marko Marin werden die Gladbacher allerdings beim Gastspiel im Karlsruher Wildparkstadion (Sonntag, 5.April, 17 Uhr) verzichten müssen. Er sah in der 51. Minute nach einem Frust-Foul seine fünfte gelbe Karte.

Zehn Profis des heimischen Bundesligisten sind in der Länderspielwoche auf Achse. "Einmal um die ganze Welt", titelte das "Fohlen Echo" in seiner jüngsten Ausgabe. Unterwegs in alle Himmelsrichtungen sind: Marko Marin, Logan Bailly, Filip Daems, Roberto Colautti, Gal Alberman, Karim Matmour, Steve Gohouri, Michael Bradley, Tony Jantschke sowie Alexander Baumjohann. Die weiteste Reise hat Matmour vor sich: Er vertritt in Ruanda, tief im Innern Afrikas, die Farben seines Heimatlands Algerien. Gute Reise.

Nach einer verheißungsvollen Anfangsphase und einem lang gezogenen Finish fehlten den Borussen am Ende die Durchschlagskraft und auch das Glück, um gegen destruktive Bochumer wenigstens einen Punkt zu retten. "Es geht nicht immer alles auf Knopfdruck", sagte Trainer Hans Meyer nach der dritten Niederlage in der Rückrunde. "Mit dem Spiel bin ich nicht unzufrieden, wohl aber mit dem Ergebnis."

So nahm der 66-jährige Fußballlehrer das unfreundliche Resultat relativ gelassen hin, weil er an diese Mannschaft glaubt, die in der Winterpause erheblich verstärkt wurde. Klar - die Investitionen von 5,5 Millionen Euro sollen am Ende auch Rendite abwerfen. So war es summa summarum eher ein Rückschlag denn ein Rückschritt.

Meyer: "Wir werden diese Niederlage wegstecken und haben nach wie vor gute Chancen, aus eigener Kraft das Klassenziel zu erreichen." Diesen Eindruck kann der Chronist bestätigen, agieren doch die Borussen schon seit Beginn der Rückrunde nicht mehr wie ein Abstiegskandidat. Wenn man einmal von der unzureichenden Darbietung in Bremen absieht, die aber noch einen Punkt einbrachte. "Wir müssen einfach weiter die Ruhe bewahren und an unsere Stärke glauben", bestätigt Sportdirektor Max Eberl Meyers Analyse. Nächste Chance: Samstag in acht Tagen - beim Schlusslicht Karlsruher SC.

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