Gladbach findet auswärts nicht in die Spur. Zwei schnelle Tore genügen Wolfsburg zum glücklichen Sieg.

Sein hundertstes Bundesligaspiel hatte sich Granit Xhaka wahrlich anders vorgestellt.
Sein hundertstes Bundesligaspiel hatte sich Granit Xhaka wahrlich anders vorgestellt.

Sein hundertstes Bundesligaspiel hatte sich Granit Xhaka wahrlich anders vorgestellt.

Peter Steffen

Sein hundertstes Bundesligaspiel hatte sich Granit Xhaka wahrlich anders vorgestellt.

Wolfsburg. Granit Xhaka war bedient. Er riss sich nach dem Abpfiff die Kapitänsbinde vom Arm und pfefferte sie auf den Rasen. Der Schweizer kauerte enttäuscht am Boden. Gerade war Xhakas 100. Bundesligaspiel für Borussia Mönchengladbach zu Ende gegangen. Ein trauriges Jubiläumsspiel für ihn und seine Mannschaft, die ihre Auswärtsflaute auch in Wolfsburg nicht beenden konnte und am Mittellandkanal mit 1:2 baden ging.

Auch wenig später in den Katakomben der niedersächsischen Fußball-Arena hat sich Xhaka, begehrter Star des Gladbach-Ensembles, noch nicht beruhigt. „Ich habe noch nie so unglücklich verloren. Wir haben zeitweise einen Super-Fußball gespielt, waren die bessere Mannschaft, hatten in der Offensive tolle Ideen, und dann fährst du mit leeren Händen nach Hause. Das tut doppelt weh.“

Xhaka, einmal in Fahrt, machte seinem Ärger richtig Luft. „Wir schaffen es im Moment einfach nicht, auswärts zu gewinnen. So wird es schwer mit der Qualifikation für Europa. Du bist schnell auf Platz sieben. Ich hoffe, dass es noch nicht zu spät ist.“

Die Ergebniskrise der Gladbacher auf des Gegners Platz ist in der Tat befremdlich und gefährdet die Ziele des letztjährigen Dritten. Seit Ende November, seit dem spektakulären 4:1-Triumph bei Hertha BSC, wartet das Team von André Schubert auf einen Dreier. „Die Bundesliga ist nun einmal eine enge Nummer“, sagte Gladbachs Trainer, „deshalb ist es um so ärgerlicher, dass unser gutes Spiel nicht belohnt wurde. Wolfsburg war die effektivere Mannschaft.“

Die Gladbacher, die zuletzt vor 13 Jahren unter Trainer Holger Fach in der Autostadt gewonnen hatten, schienen ihren Gegner zunächst überrumpeln zu wollen. Mit einer Dreierkette, breitem Mittelfeld und variablen Offensivattacken gingen die Fohlen auf die Wölfe los. Doch die Angriffswucht verpuffte zunächst, der Schuss ging vielmehr schnell nach hinten los.

Gleich bei einem der ersten zaghaften Angriffe der Wölfe wirkte Gladbachs Abwehr hilflos. Eine elegante Drehung von Julian Draxler im Strafraum genügte, um sie auszuhebeln. 1:0 für die Gastgeber (15.). Zwei Minuten später setzte sich Maxi Arnold im Mittelfeld locker gegen die Gladbacher Johnson und Dahoud durch, und als der Ex-Borusse Max Kruse schließlich spielend leicht Elvedi austanzte und zum 2:0 abschloss, war die Hoffnung auf einen neuen Aufwind auswärts verpufft.

„Wir haben das zu Beginn wohl zu offensiv interpretiert“, bekannte Schubert. „Dann haben wir zügig auf eine Vierer-Formation im Deckungsbereich umgestellt, um für mehr Stabilität und Ruhe zu sorgen.“

Was fortan durchaus gelang. Denn in der Folge setzten die Wolfsburger nur noch selten im eigenen Stadion Akzente. „Ich muss zugeben, dass der Sieg für uns glücklich war“, befand deren Trainer Dieter Hecking, „Gladbach war ein bärenstarker Gegner.“ Doch die Elf vom Niederrhein brachte es nicht fertig, in den verbleibenden gut 75 Minuten den Spieß umzudrehen und den Auswärtsfluch zu besiegen.

Dabei ließ sie sich trotz des Rückstands nicht einschüchtern, setzte durch ein fantastisches Tor von Raffael (12. Saisontreffer) aus spitzem Winkel schnell eine Duftmarke und zeigte in der Folge schöne Angriffe in höchstem Tempo. Und Chancen gab es genügend, um die Wende zu schaffen. Ob Raffael oder Fabian Johnson, Lars Stindl, Patrick Herrmann oder Branimir Hrgota – sie alle hatten ihre Möglichkeiten. Meistens war Wölfe-Keeper Casteels die letzte Station und verbaute den Borussen den Weg zu einem Torerfolg.

Schubert verteidigt grundsätzlich seine Spiel-Philosophie. „Wir sind eine offensiv ausgerichtete Mannschaft, in der viel Qualität steckt. Da liegen unsere Stärken“, betont er immer wieder. Was im Großen und Ganzen auch zutrifft. Bestes Beispiel war der jüngste 4:0-Erfolg gegen Stuttgart, bei dem alles gestimmt hat. Aber das geschah im Borussia-Park. Zuhause ist ihre Bilanz nahezu makellos. Auswärts suchen die Borussen nach wie vor das richtige Gleichgewicht.

Noten Wolfsburg:


Casteels (2,5), Vierinha (5), Träsch (3,5), Knoche (4), Dante (3,5), Rodriguez (3), Guilavogui (3,5), Gustavo (4), Arnold (2,5), Schürrle (4), Draxler (3), Kruse (2,5)

Noten Gladbach: 

Sommer (3), Elvedi (5), Nordtveit (2,5), Christensen (3), Hinteregger (3,5), Xhaka (2), Dahoud (4,5), Johnson (3,5), Hazard (3), Stindl (4), Raffael (2)

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer