Heute Nachmittag sagen mindestens 160 Bürger, warum sie zu dem Projekt Nein sagen.

Mönchengladbach. Bei der am Donnerstag um 15 Uhr beginnenden, stundenlangen Anhörung müssen die zahlreichen Kritiker der geplanten Biogasanlage in Wanlo auf mitgebrachte Brötchen und Getränke zurückgreifen. „Eine Versorgung der Bürger ist nicht vorgesehen“, sagt Stadtsprecher Wolfgang Speen. Auch der Verkauf einer Wurst und/oder eines Kaffees seien nicht erlaubt.

Zu der Mammutveranstaltung werden mindestens 160 Personen erwartet. Sie haben ein „Einladungsschreiben“ von der Stadtverwaltung erhalten. Das müssen sie am Eingang der Adolf-KempkenHalle in Wickrath vorlegen, wenn sie von kontrollierenden Stadtmitarbeitern hereingelassen werden wollen. Die Veranstaltung, die der FDP-Politiker Ralph Baus leitet, ist nichtöffentlich – auch Medienleute bleiben draußen.

Anlauf Nummer eins mit Mängeln

Insgesamt haben sich knapp 1250 Bewohner – vorwiegend aus Wanlo und Beckrath – gegen das Millionen-Vorhaben der NVV AG ausgesprochen. Der Großgärer soll ab Ende 2011 erneuerbare Energie produzieren.

Die heutige Runde ist Anlauf Nummer zwei im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens. Die erste sei nicht ordnungsgemäß gewesen, meint OB Norbert Bude (SPD). Juristisch sei sie anfechtbar, weil u.a. die erforderliche Nichtöffentlichkeit nicht garantiert werden konnte. So oder so: Teuer ist das Ganze schon. Nicht Bude oder Planungschef Andreas Wurff sind Veranstalter, sondern das Stadtrats-Gremium für Planen/Bauen. Baus ist 2. Vorsitzender des Fachausschusses. Speen rechnet mit einem Ende der Bürgerbeteiligung gegen 20 Uhr.

Initiative spricht mit Politikern

Alfred Brücher, einer der Sprecher der Bürgerinitiative Wanlo (BI), kritisierte gestern erneut, dass die Basis-Runde nicht in Wanlo stattfindet. „Da gehört die doch hin“, sagt er, der sich heute in der Kempken-Halle von einem Anwalt vertreten lässt. „Ohne juristischen Beistand ist unser Widerstand nicht mehr zu machen“, sagt er.

Am 23. Februar will der Stadtrat über das Projekt Biogasanlage entscheiden. Die Sitzung verspricht viel Spannung. Die BI sagt Nein, weil sie meint, dass ihr Stadtteil schon stark belastet sei (u.a. Autobahn, Braunkohleabbau).

Mittlerweile trommelt die Kreisbauernschaft unter ihren Mitgliedern für die Anlage – zahlreiche Landwirte wollen für sie tonnenweise Mais liefern. Landwirte sind auch Anteilseigner der längst gegründeten Biogas-Betreiber GmbH.

Die BI will ihre ablehnende Haltung bei Treffen mit der FDP und Die Linke am 24. Januar begründen. Am 31. Januar ist eine solche Präsentation bei der SPD geplant, bei den Bündnis-Grünen waren Brücher & Co. bereits. Auf die Bitte der BI, auch bei der CDU erscheinen zu dürfen, haben die Christdemokraten nicht reagiert.

Die Grünen machen ihr Ja bzw. Nein zur Biogasanlage vom Votum einer Mitgliederversammlung am 27. Januar abhängig. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, dass das Nein längst steht.

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