Während der OP erfolgt die Strahlenbehandlung. Neues Gerät sei ein Segen, sagen Ärzte.

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Ulrike Nitz, Chefärztin am Brustzentrum, demonstriert das neue medizinische Gerät.

Ulrike Nitz, Chefärztin am Brustzentrum, demonstriert das neue medizinische Gerät.

Jörg Knappe

Ulrike Nitz, Chefärztin am Brustzentrum, demonstriert das neue medizinische Gerät.

Mönchengladbach. Seit Juli steht es im Brustzentrum Niederrhein am Bethesda. Seit zwei Monaten wird es im Operationssaal eingesetzt: "Das Gerät zur intraoperativen Bestrahlung ist ein Segen, aber nur dann, wenn es richtig eingesetzt wird", sagt Prof. Dr. Ulrike Nitz, Chefärztin am Brustzentrum.

Am Anfang steht für die betroffenen Frauen die erschütternde Diagnose. Ihr folgt die meist langwierige und nervenbelastende Behandlung: Brustkrebs trifft jede achte bis zehnte Frau in ihrem Leben und bedeutet in der Regel einen operativer Eingriff, Chemotherapie und eine längere Zeit der Strahlentherapie.

Bisher einmalig in der Region setzt das Brustzentrum auf eine innovative Behandlungsmethode, die für Patientinnen eine Erleichterung bei der Behandlung des Tumors bedeutet.

Ihre Vorteile seien eine kürzere Strahlentherapie und ihr gezielter Einsatz: "Etwa 30 Prozent der Patientinnen kann damit eine langandauernde Strahlentherapie erspart werden", erklärt Nitz.

Das mobile Gerät kommt während der Operation zum Einsatz. Nach Entfernen des Tumors wird der Applikator in die entstandene Operationshöhle gesetzt. Er ist ein kegelförmiger Kunststoffaufsatz, der je nach Größe des Operationsbereichs individuell ausgewählt werden könne. An einer Steuerungseinheit kann der Therapeut die Strahlentherapie individuell programmieren und starten.

Die Behandlung bezahlt die Krankenkasse

Im Durchschnitt dauert die "sehr schonende Bestrahlung" 25 Minuten, sagt Dr. Hans Hoffmanns, Leiter der Strahlentherapie der Kliniken Maria Hilf und Kooperationspartner des Zentrums.

Die Narkose werde dadurch verlängert, die Strahlung wirke in unmittelbarer Umgebung des Tumorbetts und nicht in der gesamten Brust, so Hoffmanns. Dadurch kann ein Teil der oft belastenden Strahlentherapie entfallen und zwar das so genannte boost - die direkte Bestrahlung der unmittelbaren Umgebung des aufgetretenen Tumors.

Die etwa 28 postoperativen Bestrahlungen der Brust stehen bis jetzt nach wie vor an. Auch stellt die Methode nur für bestimmte Patientinnen eine Alternative zum Standardverfahren dar: "Es müssen besondere Voraussetzungen erfüllt sein", sagt Dr. Bashar Youssef, leitender Oberarzt der Senologie (Lehre von der Brust). Sie sollten älter als 60, ihr Brustkrebs nicht erblich sowie der Tumor klein und örtlich begrenzt sein.

Möglich sei die neue Brustkrebsbehandlung nur aufgrund der Größe des Brustzentrums Niederrhein, sagt Chefärztin Nitz: "Für die richtige Auswahl der Patienten ist ein hoher logistischer Aufwand notwendig".

Pathologen, Radiologen, Strahlentherapeuten und andere Fachärzte erarbeiten interdisziplinär vor der OP die Diagnose des Tumors und entscheiden über den Einsatz der richtigen Therapie.

20 Frauen wurden am Brustzentrum bisher intraoperativ bestrahlt. "Bis jetzt haben wir gute Erfahrungen gemacht, konnten keine zusätzlichen Beschwerden feststellen", sagt Youssef.

400.000 Euro kostete das neue Gerät. Die jährlichen Wartungskosten liegen bei 50.000 Euro. Bezahlt wird die Behandlung mit der intraoperativen Bestrahlung durch die Krankenkassen.

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