Das Interesse der Gladbacher an erneuerbaren Energien nimmt nach dem nuklearen Unfall in Japan zu.

Kernenergie
So könnte die Zukunft aussehen, wenn weiterhin immer mehr Ökostrom gefragt wird.

So könnte die Zukunft aussehen, wenn weiterhin immer mehr Ökostrom gefragt wird.

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So könnte die Zukunft aussehen, wenn weiterhin immer mehr Ökostrom gefragt wird.

Mönchengladbach. Die Schreckensbilder des Atomkraftwerks Fukushima in Japan sind den meisten präsent, und die dortige Kernschmelze hat eine neue Diskussion um Kernenergie und Laufzeiten der Atomkraftwerke ausgelöst. Sieben Atommeiler in Deutschland sind vorübergehend ausgeschaltet. Auch Mönchengladbacher machen sich Sorgen und schauen sich nach Alternativen um.

Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom

„Wir haben seit den Geschehnissen in Japan zehnmal so viele Anfragen von Kunden, die sich für Ökostrom und erneuerbare Energien interessieren“, sagt Energieberaterin Ursula Winweck von der Verbraucherzentrale Mönchengladbach. Die Probleme mit dem japanischen Kernkraftwerk scheinen viele Bürger aus ihrer gewohnheitsmäßigen Akzeptanz der Kernenergie gerissen zu haben.

„Wichtig ist vor allem, und das raten wir unseren Kunden, dass bei einem Wechsel zu Ökostrom dieser auch definitiv aus hundert Prozent erneuerbarer Energien stammt“, macht Winweck deutlich. Denn im Dschungel der Stromanbieter verliere der Verbraucher schon mal schnell den Überblick, und so mancher so genannte Ökostrom setzt sich zum Teil trotzdem aus Kernenergie zusammen.

NVV bietet Privatkunden Strom aus erneuerbaren Energien an

„Unsere Privatkunden bekommen bei uns hundert Prozent Ökostrom aus Wasserkraft“, verspricht NVV-Sprecher Helmut Marmann. Dort hat man seit Januar 2011 mit dem New-Strom komplett auf Ökostrom gewechselt, geliefert wird von Wasserkraftwerken aus Skandinavien.

„Bei den gewerblichen und industriellen Kunden sieht es anders aus. Da haben wir größtenteils noch einen Energiemix aus rund 50 Prozent erneuerbarer Energie und 12 Prozent Kernenergie“, erklärt Marmann. Eine erhöhte Nachfrage nach Ökostrom gab es von diesem Kundenstamm seit Fukushima nicht.

Die Stadt will Dachflächen städtischer Gebäude an die Bürgersolargenossenschaft vermieten. Die Genossenschaft, an der NVV AG und Volksbank eG beteiligt sind, erhofft sich von Photovoltaikanlagen auf zehn Gebäuden 679 Kilowatt Strom pro Jahr.

Der New-Strom für Privatkunden der NVV kostet zur Zeit bei einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden rund 857 Euro pro Jahr.

Die Verbraucherzentrale gibt Stromspartipps. Das Heft gibt es kostenlos an der Bahnhofstraße 21.

Dass die Strompreise in Mönchengladbach durch die Abschaltung sieben deutscher Atomkraftwerke steigen, wird vorerst nicht erwartet. „Die letzte Erhöhung mussten wir im Januar aufgrund des Ausbaus erneuerbarer Energien vornehmen. Sollten die Börsenpreise für Strom explodieren, kommen auch wir nicht um eine weitere Erhöhung umhin. Aber Festpreiskunden sind ohnehin von Strompreiserhöhungen nicht betroffen“, sagt Marmann.

Jeder Verbraucher kann seinen Teil zur Umstellung beitragen

Einen kurzfristigen kompletten Ausstieg aus der Kernenergie könne man sich bei der NVV momentan nicht vorstellen, ließ Wolfgang Hüppe, NEW Energie-Geschäftsführer, zuletzt wissen. Dafür tragen Kernkraftwerke noch zu stark die Hauptlast. Aber auf lange Sicht sei eine Umstellung auf regenerative Energien geplant.

Zu einem Umdenken und Umstellen kann jeder Verbraucher selbst beitragen. „Inzwischen ist Ökostrom auch nicht mehr viel teurer als anderer Strom“, urteilt Energieberaterin Winweck. Stromsparen sei ein weiterer Weg. Die Verbraucherzentrale berät ihre Kunden zu Stromschluckern in den eigenen vier Wänden. „Viele Verbraucher kommen mit ihrer hohen Stromrechnung zu uns und möchten konkret wissen, wo sie sparen können.“

Auch die Stadt spart Energiekosten bei ihren Gebäuden. „Unser Ziel ist es, die Gebäude nach und nach auf den energetisch modernsten Stand zu setzen“, sagt Hanns-Joachim Schmitz, Leiter des städtischen Gebäudemanagements. Das Gymnasium an der Gartenstraße soll Vorreiter in Sachen Energiesparen werden, mit Umbauten an Dach, Fenstern und Heizung für 3,9 Millionen Euro.

So soll der Energiebedarf der Schule von derzeit 411 auf künftig 76,1 Kilowatt pro Stunde pro Quadratmeter sinken. Hintergrund für diese Schritte sind aber vor allem wirtschaftliche Aspekte wegen des maroden Haushalts.

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