Endlich wird der Bahnhof renoviert. Doch die Bahn übernimmt keine Kosten. Das Rheydter City-Management ist eingesprungen.

Thorsten Förster zählt zu den Malern, die den Rheydter Bahnhof anstreichen. Die Renovierung ist dringend notwendig.
Thorsten Förster zählt zu den Malern, die den Rheydter Bahnhof anstreichen. Die Renovierung ist dringend notwendig.

Thorsten Förster zählt zu den Malern, die den Rheydter Bahnhof anstreichen. Die Renovierung ist dringend notwendig.

Horst Siemes

Thorsten Förster zählt zu den Malern, die den Rheydter Bahnhof anstreichen. Die Renovierung ist dringend notwendig.

Rheydt. Rheydt atmet auf. Der Bahnhof wird renoviert - zwar nicht so richtig, aber wenigstens so, dass er nicht mehr als Schandfleck empfunden wird. Am Dienstag bauten Mitarbeiter von Malermeister Karl-Heinz Hilgers das Gerüst an der Giebelseite auf, andere schwangen schon den Pinsel, und alle sind erleichtert.

Vorausgegangen sind harte Verhandlungen mit der Deutschen Bahn, der Eigentümerin des Gebäudes. So wie Christoph Hartleb, Vorstandsmitglied des Rheydter City-Managements, sich dafür bei der Bahn bedankt, sollte man meinen, sie trage die Kosten.

Doch weit gefehlt. Sie erlaubt lediglich, dass die Renovierung überhaupt geschehen dürfen. "Dafür mussten bei uns im Haus etliche Widerstände gebrochen werden", sagt Frank Klöcker, der Vermarkter des Gebäudes bei der Bahn.

Bahn gab keine Erlaubnis für Verschönerungen im Innenraum

Die Deutsche Städtereklame, die bei der Bahn das Monopol auf die Reklamefläche hat, hatte Konkurrenz durch die Hintertür befürchtet. Christian Stattrop, Inhaber eines Reisebüros, der als Agent der Bahn im Bahnhof die Fahrkarten verkauft, erzählt, dass er die Bahn wiederholt um Erlaubnis gebeten habe, auch im Innenraum Verschönerungsmaßnahmen auf seine Kosten durchzuführen. "Das wurde immer abgelehnt."

"Beispielhaft" nennt Günter Krings, Mitglied des Bundestages für die CDU aus Mönchengladbach, das bürgerschaftliche Engagement. "Typisch für die Rheydter Bürger." Er hatte die Verhandlungen mit der Bahn eingefädelt. Die Kosten trägt das Rheydter City-Management.

Ermöglicht wurden die Renovierungen durch das das günstige Angebot von Malermeister Karl-Heinz Hilgers. Der wird dafür sorgen, dass rund 200 Liter Farbe auf die Fassade aufgebracht werden, der Sockel verfugt und angestrichen wird sowie die hässlichen Spanplatten an der Fassade verputzt und farblich angepasst werden.

160 Arbeitsstunden werden seine Mitarbeiter damit beschäftigt sein. "Mein Geschenk an meine Rheydter Kunden", sagt er. "Nicht an die Bahn." Die Farbe ist eine Spende der Firma Brillux. "Ich habe die davon überzeugt, dass viele ihrer Kunden in Rheydt leben", so Hilgers.

Schaukästen werden neu bestückt - aber Werbung ist tabu

Auch die Scheiben des ehemaligen Töff-Töffs und des früheren Kinos werden erneuert. Insbesondere der Kinobetreiber hatte immer wieder darauf geachtet, dass das Gebäude ansehnlich blieb. Beiden wurde seitens der Bahn gekündigt.

"Dann werden sie von innen mit bedruckter Folie beklebt", erläutert Hartleb. Als Motiv schweben ihm Fotos vom Blumensonntag vor. Die allein kosten 2.000 Euro. "Wenn das hier in einem Jahr nicht mehr aussehen soll wie jetzt, geht es nicht billiger", sagt er.

Die Schaukästen, in denen früher das Kino sein Programm ankündigte, werden neu bestückt. Hier wird das Citymanagement informieren, ein Stadtplan zur Orientierung für Besucher soll zudem aufgehängt werden. "Kommerzielle Werbung soll hier aber nicht landen", sagt Peter Felten, Vorsitzender des Rheydter City-Managements.

Er ist davon überzeugt, dass sich für die Rheydter Bürger das Engagement lohnt. "Peinlich" findet Joachim Roeske allerdings diesen bislang einmaligen Vorgang für die Bahn und fürchtet, dass die sich weiter zurückhalten wird, wenn es um die Pflege ihrer Empfangshallen geht. "Die investieren lieber in Prestige-Objekte wie den neuen Hauptbahnhof in Berlin."

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