Gleich an drei Kitas im Stadtgebiet werden Mütter wiederholt Opfer von Auto-Knackern.

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Vor dem Kindergarten an der Lisztstraße in Wickrath liegen noch die Scherben des eingeschlagenen Seitenfensters. Foto: Ilgner

Vor dem Kindergarten an der Lisztstraße in Wickrath liegen noch die Scherben des eingeschlagenen Seitenfensters. Foto: Ilgner

Vor dem Kindergarten an der Lisztstraße in Wickrath liegen noch die Scherben des eingeschlagenen Seitenfensters. Foto: Ilgner

Mönchengladbach. Alexandra Heinen (Name geändert) hatte es an diesem Tag eilig. Die berufstätige Mutter brachte ihre Kinder zur Kita an der Lisztstraße in Wickrath. Sie parkte ihr Auto, ihr vierjähriger Sohn sprang gleich raus, die Mutter hinterher. Aber vorher musste noch der Anderthalbjährige schnell auf den Arm gepackt werden. Im Kindergarten angekommen, fiel der Mutter auf, dass sie die Wechselwäsche vergessen hatte. Also schnell zurück zum Wagen. Und da war es auch schon passiert.

Jemand hatte mit einem Schraubenzieher das Fenster ihres Autos aufgehebelt, dabei den Lack zerkratzt, die B-Säule beschädigt und Andrea Heinens Handtasche samt Inhalt gestohlen. Normalerweise lässt die 34-Jährige keine Wertsachen im Auto. Aber an diesem Tag sei alles so schnell gegangen, sagt sie. Trotzdem hätte sie nicht damit gerechnet, dass ihr am Kindergarten der Wagen aufgebrochen wird. „Ich war nur ein paar Minuten weg. Außerdem herrscht morgens vor der Kita ja ziemlicher Rummel: Eltern bringen ihre Kinder, Erzieherinnen kommen an...“ Und trotzdem ist es passiert, und keinem ist etwas aufgefallen. Der Dieb hatte die morgendliche Dunkelheit genutzt.

„Ich war nur ein paar Minuten weg.“
Diebstahl-Opfer

Dieser Diebstahl vor dem Kindergarten an der Lisztstraße ist kein Einzelfall. Alexandra Heinens Wagen wurde am Freitag aufgebrochen, das Auto einer anderen Mutter am Mittwoch, also nur fünf Tage später. Und es geschieht nicht nur in Wickrath: Am vergangenen Montag brachten zwei Mütter ihre Kinder kurz vor 8 Uhr in die Kindergärten an der Schlossstraße und an der Josef-Drauschke-Straße. Auch sie ließen ihre Handtaschen im Wagen liegen, auch sie waren nur wenige Minuten weg, auch sie wurden bestohlen. „Letztes Jahr soll es am Kindergarten Schlossacker ganz schlimm gewesen sein“, sagt Heinen.

Die Polizei kann aus den gemeldeten Pkw-Aufbrüchen nicht erkennen, das dahinter gezielte Aktionen etwa einer Bande stecken. „Auto-Aufbrecher steuern oft Orte an, wo sie damit rechnen, schnell Beute zu machen. Parkplätze vor Friedhöfen sind zum Beispiel bei ihnen besonders beliebt“, sagt Polizeisprecher Jürgen Lützen. Insgesamt sind die Pkw-Aufbrüche in Mönchengladbach entgegen dem Landestrend eher rückläufig: Gab es 2011 noch 2169 „Diebstähle an und aus dem Auto“, waren es 2013 „nur“ noch 1610. Bis Ende November 2014 waren 1449 Fälle gemeldet – die Gesamtzahl wird sich auf 2013er Niveau einpendeln. Die Aufklärungsquote ist sehr niedrig: Sie liegt gerade bei knapp über elf Prozent.

„Parkplätze vor Friedhöfen sind bei Auto-Aufbrechern besonders beliebt.“
Jürgen Lützen, Polizeisprecher

Wie alle Betroffenen hat Alexandra Heinen nicht nur den Schaden (in ihrem Fall rund 300 Euro), sondern auch die „Rennerei“. Denn mit Tasche und Portemonnaie samt Inhalt sind auch ihre ganzen Papiere und die Bankkarte verschwunden. „Mein erster Anruf war bei der Polizei. Mit meinem zweiten Anruf habe ich die Bankkarte sperren lassen“, erzählt die berufstätige Mutter. „Es gibt ja viele Diskussionen über Videoüberwachung. An diesem Tag hätte ich sie mir gewünscht.“

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