Die giftige Füllmasse unter der Klumpenstraße kommt bei Arbeiten ans Tageslicht. Anwohner sind besorgt.

neuwerk
Unter dem Pflaster der Klumpenstraße befindet sich mit Arsen und Blei verseuchtes Bettungsmaterial. Bei aktuellen Bauarbeiten wurde die schützende, geschlossene Asphalt-Decke geöffnet.

Unter dem Pflaster der Klumpenstraße befindet sich mit Arsen und Blei verseuchtes Bettungsmaterial. Bei aktuellen Bauarbeiten wurde die schützende, geschlossene Asphalt-Decke geöffnet.

Reichartz

Unter dem Pflaster der Klumpenstraße befindet sich mit Arsen und Blei verseuchtes Bettungsmaterial. Bei aktuellen Bauarbeiten wurde die schützende, geschlossene Asphalt-Decke geöffnet.

Mönchengladbach. Normalerweise ist eine Baustelle im Wohngebiet nichts Besonderes. Im Fall der Klumpenstraße in Neuwerk allerdings schon. Hier befindet sich unter dem Asphalt mit Arsen und Blei verseuchtes Füllmaterial. Im August 2013 wurde der Baupfusch bekannt. Damals sagte Stadtsprecher Dirk Rütten: „Solange sich das Gemisch unter den Pflastersteinen befindet, besteht keine akute Gefahr.“

„Für die Anwohner gehen keine Gefahren aus.“

Hans-Günther Petry, Leiter des Fachbereichs Baubetrieb

Jetzt werden der Gehweg und die Straße von einer Baufirma aufgerissen, um Hausanschlüsse für einen Neubau zu verlegen. Von der Stadt heißt es: „Wie die Verwaltung bereits im Herbst vergangenen Jahres in einer Anwohnerinformation mitgeteilt hat, dürfen Aufbrüche unter erhöhten Sicherheitsauflagen erfolgen.“ Es seien zwar besondere Sicherheitsauflagen zu befolgen, aber „für die Anwohner gehen keine Gefahren aus“, sagt Hans-Günther Petry, Leiter des städtischen Fachbereichs Ingenieurbüro und Baubetrieb.

Petra Günther vom Bielefelder Institut für Umweltanalyse hat im Auftrag der Stadt ein Gutachten zu den insgesamt zwei belasteten Straßen in Neuwerk erstellt. Auf Anfrage der WZ erklärte sie am Donnerstag: „Ich darf nichts mehr zu dem Fall sagen.“ In anderen Medien äußerte sie sich kritisch zu dem Vorgehen der Stadt, eine Genehmigung für die Straßenarbeiten auszugeben. Anschließend erteilte die Stadt ihr ein Sprechverbot.

In der Aufbruchgenehmigung wurden ausreichende Schutzmaßnahmen festgelegt, sagt Petry. Unter anderem Containerlagerung, Absperrung der Maßnahme, schnelle Entsorgung des verseuchten Materials, spezielle Einweisung der Mitarbeiter, Zwischenverpackung von Material und Abdeckung der Randbereiche. „Die Kontrolle dieser Auflagen erfolgt täglich durch Mitarbeiter des Straßenmanagements“, so der Fachbereichsleiter.

Sasserath: „Warum hat man die Anwohner nicht informiert?“

Er weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass die Auflagen abgeleitet sind von den Sanierungsmaßnahmen in Grevenbroich. Dort wurde im Neubaugebiet Kapellen ebenfalls verseuchter Splitt unter den Pflastersteinen eingestreut – ausführende Baufirma war dieselbe wie in Gladbach.

Seit Mittwoch liegt dem Fachbereich Baubetrieb das Gutachten zur Gefährdungsabschätzung für das Fugen- und Pflasterbettungsmaterial für die Klumpen-, Ehler- und die Süchtelner Straße vor.

Von dem Gutachten erhofft sich die Verwaltung eine Bewertung der Gefährdung für das Grundwasser. Die Einschätzung hinsichtlich der Konsequenzen und die daraus abzuleitenden Schritte ist nun Aufgabe der Fachverwaltung, die in Kürze die Öffentlichkeit und Politik darüber informieren wird.

Nicht nur Karl Sasserath, Fraktionsvorsitzender der Grünen, fragt sich allerdings: „Warum sind die Anwohner der Klumpenstraße nicht vor den vorgenommenen Aufbrucharbeiten hierüber von der Verwaltung informiert worden?“ Die Stadt verweist auf ihr Schreiben vom Herbst. In dieser war allerdings nicht von einem konkreten Bauvorhaben die Rede.

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