Im Verfahren gegen den früheren Chefarzt Arnold Pier streiten sich die Gutachter.

Prozess
Auf der Anklagebank: Arnold Pier.

Auf der Anklagebank: Arnold Pier.

Auf der Anklagebank: Arnold Pier.

Mönchengladbach. Der Begriff „Mammut-Prozess“ trifft das Verfahren um die Wegberger St. Antonius-Klinik und ihren früheren Besitzer und Chefarzt Arnold Pier. Die Akten, durch die sich Richter, Staatsanwälte und Verteidiger arbeiten müssen, füllen inzwischen ganze Regalwände. Am Dienstag ging der 32. Verhandlungstag über die Bühne.

Dabei hatte es bereits ein Urteil gegeben. In einem abgetrennten Verfahren wurde der frühere Chefarzt zu 15 Monaten auf Bewährung verurteilt. Doch das Urteil hat der Bundesgerichtshof kassiert, das Verfahren zum Tod von Margarete W. muss neu aufgerollt werden.

Die Staatsanwaltschaft wirft Pier vor, für den Tod von sieben Patienten und zahlreiche Fälle von Körperverletzungen verantwortlich zu sein. Am Dienstag nun hat ein vom Gericht bestellter Gutachter den Tod einer 76-jährigen Patientin als vermeidbar beurteilt.

Die Blutvergiftung, die der Frau zum Verhängnis geworden sei, hätte verhindert werden können. Sie sei falsch behandelt worden, sagte der Gutachter. So habe Chefarzt Pier mit seinen elf Gewebeabtragungen an den offenen Beinen der Frau das Risiko einer Blutvergiftung noch erhöht. Antibiotika seien viel zu früh abgesetzt worden.

Die Ereignisse an der Klinik liegen teilweise schon fünf Jahre zurück

Ein auf Wunsch der Verteidigung hinzugezogener Gutachter bestritt diese Wertung: Die Todesursache sei nicht eindeutig zu klären. Die Frau könne auch an Altersschwäche gestorben sein.

Weiterverhandelt wird am 27. Januar. Doch inzwischen liegen die Ereignisse teilweise fünf Jahre zurück. Dass der Prozess dadurch, dass sich niemand mehr genau erinnern kann, vielleicht im Sande verlaufen könnte, will Oberstaatsanwalt Lothar Gathen nicht gelten lassen. Er ist überzeugt, dass die Anklage genug Beweise zusammentragen kann, um eine Verurteilung zu erwirken – irgendwann.

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