Ein Durchgang soll alten und behinderten Menschen einiges leichter machen. Doch er ist ständig geschlossen.

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Auf dem Weg zum Supermarkt stehen Elke Hodenius (l.) und Doris Gröger ständig vor einem verschlossenen Eisentor.

Auf dem Weg zum Supermarkt stehen Elke Hodenius (l.) und Doris Gröger ständig vor einem verschlossenen Eisentor.

Jörg Knappe

Auf dem Weg zum Supermarkt stehen Elke Hodenius (l.) und Doris Gröger ständig vor einem verschlossenen Eisentor.

Mönchengladbach. Riesenärger zwischen einer Nachbarschaft und einer Baufirma - und Schuld daran ist ein kleines Tor. "Uns wurde barrierefreies Wohnen versprochen, auch außerhalb der eigenen Wohnung. Davon merken wir jetzt nichts mehr", sagen die Bewohner. "Wir können es nicht jedem recht machen", sagt die Firma.

Das unscheinbare Törchen, an dem sich schon seit mehr als einem Jahr die Geister scheiden, steht an dem Parkplatz eines Supermarktes zwischen Dorfbroicher-, Friedens- und Bendhecker Straße. Dort grenzen zwei Wohnhäuser mit je acht barrierefreien Wohnungen an, die die Gladbacher Baufirma Jessen an alte und behinderte Menschen vermietet.

Ein Vorteil für die Bewohner sollte der kurze Weg zu mehreren Einkaufsmöglichkeiten sein, der - jetzt kommt das Törchen ins Spiel - eben durch dieses möglich ist. "Doch das Tor ist nur selten offen, meistens abgeschlossen. Der andere Weg über die Dorfbroicher- und Friedensstraße ist einfach zu mühsam für alte und behinderte Menschen", erklärt Bewohnerin Doris Gröger (72) den Streitpunkt aufgebracht.

Nachbarin Elke Hodenius (51), die wegen einer Krankheit auf den Rollstuhl angewiesen ist, nickt zustimmend: "Ich konnte deshalb oft nicht ohne Hilfe einkaufen gehen. All meinen Nachbarn hier ging es ähnlich. Es ist zum Verzweifeln. "

Als die beiden Nachbarinnen die Baugesellschaft Jessen darauf ansprachen, habe die ihnen Schlüssel "natürlich nicht umsonst, sondern für 16 Euro" angeboten - die Damen griffen zu. Doch: "Kurz darauf war das Schloss ausgewechselt. Wir bekamen neue, doch dann gab’s schon wieder ein neues Schloss", erzählt Gröger. Auf Beschwerden der Bewohnerinnen habe die Firma nicht mehr reagiert.

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Doris Gröger und Elke Hodenius schrieben ans städtische Bauamt. Doch das ist für Privatgrundstücke, auf dem sich das Tor befindet, nicht zuständig.

Die beiden Bewohnerinnen fühlen sich allein gelassen. "Warum kann uns niemand helfen? Es geht doch nur um ein kleines Tor, das offen bleiben soll, das ist doch eine Kleinigkeit", sagen sie.

"Es ist zum Verzweifeln."

Elke Hodenius, Bewohnerin

Streit mit einer ganzen Nachbarschaft habe er nie haben wollen, sagt Jochen Bücker, Geschäftsführer der Firma Jessen: "Das Problem ist, dass die Nachbarn gar nicht so sehr einer Meinung sind, wie Frau Gröger und Frau Hodenius glauben." Viele wollten das Tor immer zu haben, weil sie sich in ihrer kleinen Siedlung dadurch sicherer fühlten.

Die Nachbarn müssten sich einigen, damit Jessen eine faire Lösung finden könne, so Bücker weiter. Zudem seien die Schlösser ständig aufgebrochen worden und mussten gewechselt werden. Bücker: "Wir haben immer dafür gesorgt, dass die Bewohner aktuelle Schlüssel haben."

Die Ideallösung für ihn: "Das Tor bleibt zu, so dass Fremde es nicht nutzen können, nur die Bewohner haben mit ihren Schlüsseln die Möglichkeit zum ständigen Zugang." Allerdings müssten sie sich dafür auch daran halten, es sofort wieder abzuschließen, nachdem sie den Durchgang genutzt haben.

Doris Gröger und Elke Hodenius wollen rechtliche Schritte einleiten, "wenn sich nicht bald etwas ändert."

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