Der richtige Abstand kann über Leben oder Tod entscheiden.

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2008 sind auf den Autobahnen 52 und 61 rund 2200 Fahrer erwischt worden – sie fuhren zu dicht auf.

2008 sind auf den Autobahnen 52 und 61 rund 2200 Fahrer erwischt worden – sie fuhren zu dicht auf.

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2008 sind auf den Autobahnen 52 und 61 rund 2200 Fahrer erwischt worden – sie fuhren zu dicht auf.

Mönchengladbach. Beim Überholen mehrerer Lastwagen mit etwa 120 Stundenkilometern gibt der Blick in den Rückspiegel nicht selten das Gefühl, dass der Hintermann gerne mit seinem Wagen im Kofferraum Platz nehmen möchte.

Viele verschätzen sich beim
richtigen Sicherheitsabstand

Wer auf den Autobahnen in und um Mönchengladbach unterwegs ist, hat diese unangenehme Situation sicherlich schon einmal erlebt. "Dabei sind es nicht nur die ganz heftigen Drängler, die den Abstand beim Fahren auf der Autobahn unterschätzen. Auch 25 Meter Abstand sind bei den hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn einfach zu wenig", sagt Polizei-Kommissar Markus Maaß vom Verkehrsdienst der Autobahnen.

Zusammen mit seiner Kollegin Alexandra Bistritzky führt er eine Abstands-Kontrolle auf der Brücke an der Anschlussstelle Neuwerk der A 52 durch. Dafür wird einiges an Technik aufgebaut: "Hier oben installieren wir eine Kamera, die die Autobahnspur von hier aus bis in etwa 400 Metern Entfernung im Blick hat.

Denn wer kurzfristig ausschert und deswegen auf kurze Distanz dem Vordermann etwas zu nahe kommt, wird von uns nicht direkt gemahnt. Deswegen können wir so das Verhalten des Fahrers über eine etwas längere Zeit beobachten."

Wer aber permanent zu wenig Abstand hält, der wird von einer zusätzlichen Identifikationskamera gefilmt. "Die hängt weiter unten, so dass auf dem Band Fahrer und das Kennzeichen sichtbar sind", erläutert Kommissarin Bistritzky.

Im vergangenen Jahr haben nach Kontrollen der Mönchengladbacher Autobahnpolizei auf der A 52 und A 61 2200 Fahrer einen Bußgeldbescheid wegen zu geringem Abstand erhalten.

Zu geringer Sicherheitsabstand kann je nach Fall einige 100 Euro Bußgeld kosten. Zu dichtes Auffahren ist auch dritthäufigste Unfallursache in Deutschland.

Die simpelste Regel ist "Abstand gleich halber Tacho", also bei 100 Stundenkilometern 50 Meter Abstand. Als Orientierungshilfe können Leitpfosten helfen, die etwa alle 50 Meter am Straßenrand stehen.

Bei der Auswertung helfen den Beamten spezielle Fahrbahn-Markierungen, die jeweils 50 Meter auseinander liegen. "Das ist der Abstand, den Lastwagen mindestens einhalten sollen. Bei Pkw gibt es die Faustregel, mindestens den halben Tachostand als Entfernung einzuhalten."

Eine spezielle Software ermittelt später auf der Wache aus dem Filmmaterial anhand der Markierungen die tatsächliche Geschwindigkeit und den Abstand der Fahrzeuge.

"Da helfen auch die tollsten Bremsen nichts"

Bestätigt sich der erste Verdacht, müssen die jeweiligen Fahrer mit einem Bußgeld rechnen. "Damit soll keiner schikaniert werden. Der Abstand kann wirklich über Leben und Tod entscheiden. Ist er zur kurz, kann bei einer Reaktionszeit von ungefähr einer Sekunde nicht mehr rechtzeitig gebremst werden. Da helfen auch die tollsten Bremsen nicht mehr", weiß Maaß aus langer Erfahrung.

An diesem Nachmittag müssen die beiden Kommissare 76 Fahrer überprüfen: "Das ist eine verhältnismäßig geringe Zahl. Manchmal sind es bis zu 170 Fälle."

Und neben dem Risiko, nicht mehr bremsen zu können, gingen einige Drängler noch ein weiteres ein. Denn manche Fahrer kämen direkt bei den Polizisten vorbei, nachdem sie bemerkt hätten, dass sie gefilmt wurden. "Die Fahrer wollen dann nicht, dass ein Foto zeigt, dass sie gerade auf der Autobahn unterwegs gewesen sind", erklärt Maaß schmunzelnd.

Wenn dann nämlich zuhause der zugeschickte Bußgeldbescheid inklusive Beweisfoto geöffnet wird, haben diese Fahrer hinterher nicht nur viel Ärger mit der Polizei...

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