Nur Geschäfte in 1a-Lage hätten Zukunft, sagte ein Vertreter des Handelsverbandes. Das sieht mancher Händler anders.

Nur Geschäfte in 1a-Lage hätten Zukunft, sagte ein Vertreter des Handelsverbandes. Das sieht mancher Händler anders.
Der Handel in der oberen Hindenburgstraße sei durchaus überlebensfähig, meinen Frank Geyer (Geschäftsführer Sinn-Leffers, v.l.), Christoph und Nina Hartung (Juwelier Hartung) und Albrecht Graefer (Modehaus Graefer).

Der Handel in der oberen Hindenburgstraße sei durchaus überlebensfähig, meinen Frank Geyer (Geschäftsführer Sinn-Leffers, v.l.), Christoph und Nina Hartung (Juwelier Hartung) und Albrecht Graefer (Modehaus Graefer).

Ilgner

Der Handel in der oberen Hindenburgstraße sei durchaus überlebensfähig, meinen Frank Geyer (Geschäftsführer Sinn-Leffers, v.l.), Christoph und Nina Hartung (Juwelier Hartung) und Albrecht Graefer (Modehaus Graefer).

Ja, der Leerstand im Bereich der oberen Hindenburgstraße ist immens. Und ja, er wird fast täglich gravierender. Doch noch gibt es ein paar Einzelhändler, die die Fahne hochhalten – und sich jetzt mächtig auf den Schlips getreten fühlten. Nämlich als Peter Achten, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Nordrhein-Westfalen, jüngst sagte, dass im Handel künftig nur noch 1a-Lagen „auf Dauer funktionieren“. Und: Kritische Standorte, wie eben die Oberstadt, seien „schwerlich überall zu retten“.

Händler sehen sich als Gegenpol zum Minto

„Wir kämpfen hier oben mit vereinten Kräften und hochmotivierten Mitarbeitern, investieren viel – und dann wird man quasi totgeredet“, sagt Frank Geyer, Geschäftsleiter von Sinn-Leffers. Doch die Händler – neben Geyer derzeit noch Albrecht Graefer vom gleichnamigen Modehaus und Christoph und Nina Hartung, die kommendes Jahr in vierter Generation den Juwelier Hartung übernehmen werden – wollen nicht nachkarten, sondern nach vorne blicken, dem darbenden Bereich eine Lobby geben, sich möglicherweise mit den umtriebigen Händlern von der Wallstraße und dem neuen „Kümmerer-Team“ für Altstadt und City um den früheren Polizeibeamten Josef Vitz vernetzen. „Das können und müssen Anknüpfungspunkte für uns sein“, sagt Albrecht Graefer. Die Argumente, die die Vertreter dreier Traditionsunternehmen auf ihrer Seite haben, haben durchaus Gewicht. „Die Frequenz hier oben ist zwar deutlich zurückgegangen – aber die Kunden mit Kaufkraft kommen weiterhin zu uns“, sagt Christoph Hartung, „denn wir bieten echtes Handwerk, guten Service und ein Warensortiment, das auf unseren Kundenkreis zugeschnitten ist.“

Während bergab, in Richtung Minto, die Klientel zwar jünger werde, aber im unteren Preissegment suche. Graefer kann das bestätigen – er hat unterhalb des Minto noch ein Outlet. „Hier oben lassen sich auch künftig lukrative Geschäfte machen“, glaubt Geyer. Aber nicht, wenn Politik und Stadtplanung den Bereich sukzessive ausbluten ließen. Es sei geradezu paradox, diesen zentralen Bereich mit Altstadt, Alter Markt, St. Vith, Citykirche, Rathaus, Münster und Museum nicht als 1a-Lage zu begreifen und zu leben. „Dieser Gegenpol zum Minto müsste doch aus der Sicht von Stadtplanern einen höheren Stellenwert haben – nach dem Motto: ,Bei uns geht’s bergauf.’“

Den Händlern fehlt es bisher an Attraktionen

Wie es dazu kommen konnte, dass die Situation dennoch so unbefriedigend ist, wie sie nun mal ist? Die Gründe, sagen die vier Händler, seien vielschichtig. Die schlechte Erreichbarkeit sei eine Hauptursache. „Gäbe es hier nur fünf Parkbuchten für Pkw, selbst nur für Kurzparken, wäre schon viel gewonnen“, sagt Graefer. „Platz genug ist vorhanden. Es fing alles damit an, dass damals die Krichelstraße dicht gemacht wurde.“ Überhaupt müsse man überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, die obere Hindenburgstraße wieder für Individualverkehr freizugeben – oder zumindest einzelne Stichstraßen zu ertüchtigen. Selbst auf der Düsseldorfer Königsallee könne man schließlich parken. Auch gebe es am höchsten Punkt des Berges, vor Sinn-Leffers, keine Bushaltestelle. Das Minto habe die Filialisten abgezogen, Parkhäuser schlössen zu früh, um Gastronomie attraktiv erscheinen zu lassen. Vermieter riefen zu hohe Mieten auf, der Vorschlag eines von den Händlern finanzierten Bergauf-Rikscha-Services sei abgelehnt worden, die Marktstände seien vor Jahren herausgenommen worden. „Wenn hier oben das Weihnachtsdorf ist, mache ich einen Quartalsumsatz“, erläutert Graefer die Wichtigkeit solcher Frequenzbringer. „Es wirkt fast so, als habe man nach und nach eine Festung um uns herum errichtet, damit bloß kein Kunde kommt.“

„Mit der richtigen Architektur wären wir sofort wieder 1a-Lage“, sagen die vier – und meinen damit nicht zwangsläufig Neubauten. Sondern vielleicht schon so etwas wie einen Kinderspielplatz. Sie packen sich auch an die eigene Nase. „Wir müssen den Kunden noch mehr bieten, Attraktionen schaffen, damit die Kunden mit der Kaufkraft nicht ins Umland abwandern“, sagt Geyer. Das könnten ein Handwerkermarkt, ein Street-Food-Festival, ein Oldtimertreffen oder Straßenmodenschauen sein. Alles Veranstaltungen, die es in Mönchengladbach gibt – aber eben nicht in der Oberstadt.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer