Laut Zeugenaussagen im Prozess wollte der getötete Junge zuletzt bei seinem leiblichen Vater wohnen.

Laut Zeugenaussagen im Prozess wollte der getötete Junge zuletzt bei seinem leiblichen Vater wohnen.
Die beiden Angeklagten während des Prozessauftaktes. Archiv

Die beiden Angeklagten während des Prozessauftaktes. Archiv

Reichartz

Die beiden Angeklagten während des Prozessauftaktes. Archiv

Viersen. Nach wenigen Minuten reicht es der Oma des getöteten Luca. „Ich schaffe das nicht“, sagt sie, schüttelt den Kopf, weint. Sie blickt zu den Angeklagten Martin S. und Amanda Z. herüber: „Die haben unser Leben zerstört.“ Der Richter hat sowieso keine weiteren Fragen an die 57-Jährige, also entlässt er sie aus dem Zeugenstand. Kurz vor ihr hatte ihr Sohn, Lucas leiblicher Vater, ausgesagt. Beide gaben an, der Junge habe zuletzt darum gebeten, bei ihnen leben zu dürfen, ihnen gegenüber aber nie geäußert, dass er misshandelt wurde. Regelmäßig sei Luca am Wochenende bei ihnen gewesen, die Großmutter bekräftigte: „Wenn er einen Ton gesagt hätte, hätten wir ihn doch nicht zurückgegeben.“

Sozialarbeiter berichtet von chaotischen Wohnverhältnissen

Neben Lucas Vater und Oma hörte der Richter im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Mönchengladbach gestern fünf weitere Zeugen an. Es war der zweite Verhandlungstag im Prozess gegen Martin S., der Luca laut Anklage am 23. Oktober 2016 totgeschlagen haben soll. Lucas Mutter Amanda Z. muss sich wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen durch Unterlassung verantworten. Martin S. war ihr Lebensgefährte, soll auch noch mit Mutter und Kind in Dülken zusammengewohnt haben, nachdem das Familiengericht ein Kontaktverbot erlassen hatte. Der 27-Jährige war vorher beschuldigt worden, Luca misshandelt zu haben.

Dass dieses Verbot eingehalten wurde, sei „völlig unglaubwürdig“, sagte gestern ein Sozialarbeiter des zuständigen Jugendamtes aus. Er beschrieb Amanda Z. aber als „pfiffig genug“, es zu umgehen. Wenn Treffen mit Vertretern des Jugendamtes anstanden, habe sie immer wieder Argumente gefunden, abzusagen. Der Sozialarbeiter erlebte die Mutter mehrfach sehr aggressiv. Nach einem anonymen Hinweis, dass Luca misshandelt werde, fuhr er einmal mit Polizisten zu ihr und forderte sie auf, ihm Luca zu übergeben. „Sie hat rumgeschrien auf der Straße, ohne Polizei wäre das eskaliert.“ Der Sozialarbeiter nahm Luca mit und brachte ihn zu dessen Vater. Wie er den Fünfjährigen erlebte, wollte der Richter wissen. Als „eher unstrukturiert aufwachsendes Kind, sehr aktiv“, antwortete er. Lucas Wohnsituation sei „relativ chaotisch“ gewesen, Kollegen berichteten ihm von Abfällen auf dem Balkon, zeitweise soll der Strom abgestellt gewesen sein.

Gericht hatte ein Kontaktverbot für den Lebensgefährten erlassen

„Die beste Hausfrau war sie nicht“, sagte gestern Lucas Vater über Amanda Z. „Sie hat sich phasenweise hängen lassen, nichts gemacht.“ 2009 hatten sich die beiden kennen gelernt, gab er an, im Mai 2010 wurden sie ein Paar. Kurz danach war Amanda Z. mit Luca schwanger. Als der Junge ein Jahr alt war, zog die Mutter aus. „Sie ist schon sehr aggressiv, sie weiß zu provozieren“, sagte Lucas Vater. An einen „Ausraster“ erinnerte er sich: „Da stand sie mit dem Messer vor mir, wollte mir an die Kehle.“ Dass sie Luca gegenüber handgreiflich geworden sei, habe er ein- oder zweimal mitbekommen. „Da hat sie ihm mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen.“ Zu Martin S. habe er kaum Kontakt gehabt.

Auch eine Erzieherin des Kindergartens, den Luca besuchte, sagte gestern aus. Ihr gegenüber soll der Junge geäußert haben, Martin S. habe ihn mit einem Feuerzeug am Rücken verbrannt. Sie beschrieb Luca als „sehr aufgeschlossenes Kind“. Doch zuletzt habe er sich vermehrt zurückgezogen.

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