Der Willicher Heimatforscher hat einen historischen Liedtext über die Bahnstraße gefunden, der so einiges über die „Königsallee von Willich“ verrät.

Der Willicher Heimatforscher hat einen historischen Liedtext über die Bahnstraße gefunden, der so einiges über die „Königsallee von Willich“ verrät.
Bei seinen Recherchen greift der Willicher Peter Wynands auch auf alte Ausgaben der Westdeutschen Zeitung zurück.

Bei seinen Recherchen greift der Willicher Peter Wynands auch auf alte Ausgaben der Westdeutschen Zeitung zurück.

Ein Rindvieh zeigt sich hier vor dem Geschäft von Metzger Jakob Hannen, der 1912 die Metzgerei an der Bahnstraße 19 übernommen hatte. Hannen, der im Eingangsbereich steht, führte den Betrieb bis 1954. Dann folgten andere Metzgereien. Heute ist dort „Jianni´s Grill“. Fotorechte: Wynands

Kurt Lübke, Bild 1 von 2

Bei seinen Recherchen greift der Willicher Peter Wynands auch auf alte Ausgaben der Westdeutschen Zeitung zurück.

Willich. In Sachen Heimatforschung gibt es in Willich nicht nur den Stadt-Archivar Udo Holzenthal. Sondern auch einige private Forscher und Heimatkundler, die beispielsweise in den Heimatvereinen an die keineswegs immer „gute, alte Zeit“ erinnern, diese jedenfalls lebendig erhalten. In Alt-Willich erledigt diese Arbeit ein Privatmann, der neben seinen eigenen Recherchen und Ausstellungen auch für den Allgemeinen Schützenverein (ASV) Willich die Archivarbeit macht. Die Rede ist von Peter Wynands.

Der 68-Jährige ist gerade mal wieder bei der Recherche. Diesmal geht es im Schwerpunkt nicht um die Schützen oder Gaststätten von Alt-Willich, sondern um die Bahnstraße, die zur damaligen Zeit immer schon so eine Art „Königsallee“ von Willich war, an der eingekauft, gehandelt, flaniert wurde, an der Kinder zur Welt kamen und an der nicht nur die frischgebackenen Väter ihren Durst in den Gaststätten und Gesellschaftshäusern stillen konnten.

Durch Zufall war Peter Wynands an einen plattdeutschen Liedtext gekommen, der zumindest 1947, damals war die Goldhochzeit des Gärtners Matthias Höfges mit seiner Ehefrau der Anlass, vorgetragen wurde. In 17 Strophen wird an die Zeit erinnert, als es dort unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Handel wieder so richtig losging. Es geht in dem Text um den Abschnitt von Haus Nummer 1 bis 51, angefangen bei der ehemaligen Bäckerei von Peter Kuhlen.

An der Bahnstraße lag ferner das frühere Katharinen-Hospital. Dort hatten sich schnell Apotheken, Drogerien und auch einige Allgemeinmediziner und Fachärzte etabliert. Um die Zähne kümmerte sich Zahnarzt Möhring, um die Tiere Dr. Platen und um die menschlichen Geburten der Allgemeinmediziner Dr. Bernhard Zimmermann, mit tatkräftiger Unterstützung der Hebamme, Frau Schmitz. Sie wird in einer Strophe namentlich erwähnt, darin heißt es: „Te lope bruckt man hei net wiet, man kritt et joht gedoan: dou kanns hei no die Hebamm Schmitz ens flott op Schluppe joan.“ Die Hebamme wohnte ebenfalls an der Bahnstraße.

Vergleich der Bahnstraße mit einer Promenade

Natürlich konnte man in vielen Gaststätten und Gesellschaftshäusern einkehren, so bei Emmerich (heutige Gaststätte Maaßen), bei Thekla Miertz in der Kneipe „En de Hött“ und im Gesellschaftshaus von Ulrich Hauss.

Die Bahnstraße wird im Liedtext mit einer Promenade verglichen, auf der man sich gerne aufhält. Dies geht auch aus dem Refrain hervor: „Be os, be os, be os doe es et nett, on kleen on jruet, die janze Stroat dat wett.“

Man erfährt aus dem Liedtext vieles, wer dort mit welcher Ware gehandelt hat. Bei Kuhlen waren dies „Bruet on Weck“, bei Christian Türk der Fisch, bei Sickemeier und bei Busch (heute Deutsche Bank) gab es unter anderem „Salt on Krut“ (Salz und Kraut), in der Adler-Apotheke auch was gegen Würmer, bei Max (Max Windhausen) dezente Wäsche, bei Frau Weertz den Schnupftabak, Haushaltswaren bei Willi Steppen sowie „Bett, Dösch on Kas“ (Bett, Tisch und Schrank) bei Josef Mertens.

Auch Bauunternehmer Bernhard Kamper wird erwähnt. „Keine Sorge, der baut das Stahlwerk wieder auf“, dies wurde jedenfalls gesungen.

Peter Wynands ist gerade dabei, das Ganze entsprechend zu bearbeiten und zu vertonen, will jede Strophe noch ins Hochdeutsche übersetzen und das Ganze mit vielen alten Fotos unterlegen. „Das Ganze brenne ich dann auf eine DVD und wer möchte, kann sich die denn ausleihen“, sagt der Heimatforscher.

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