Die Ansiedlung eines Cafés auf Kosten der Stadt ärgert viele Willicher Wirte.

Der Markt in Willich: Zwischen Schreibwaren Erren (im Vordergrund) und dem Schuhhaus Panknin sollen vor dem neuen Café Kleeberg 60 Plätze in der Außengastronomie entstehen.
Der Markt in Willich: Zwischen Schreibwaren Erren (im Vordergrund) und dem Schuhhaus Panknin sollen vor dem neuen Café Kleeberg 60 Plätze in der Außengastronomie entstehen.

Der Markt in Willich: Zwischen Schreibwaren Erren (im Vordergrund) und dem Schuhhaus Panknin sollen vor dem neuen Café Kleeberg 60 Plätze in der Außengastronomie entstehen.

Kurt Lübke

Der Markt in Willich: Zwischen Schreibwaren Erren (im Vordergrund) und dem Schuhhaus Panknin sollen vor dem neuen Café Kleeberg 60 Plätze in der Außengastronomie entstehen.

Willich. In der Willicher Gastro-Szene brodelt es. Grund ist das Café Kleeberg, das in wenigen Wochen am Markt 5 eröffnen soll. Doch der Unmut der Wirte richtet sich nicht gegen die neuen Mitbewerber, die bereits am Neusser Markt ein Café unter gleichem Namen führen. Vielmehr äußern sie gegenüber der WZ teils heftige Kritik am Vorgehen der Stadt und deren Grundstücksgesellschaft (GSG) in dieser Sache.

Andrea Tinelli, Chefin der Gaststätte Maaßen an der Bahnstraße, stört vor allem, dass die Verpachtung der Räume in Stadtbesitz nicht öffentlich ausgeschrieben wurde. „Wir wussten ja überhaupt nichts davon“, sagt die Wirtin.

Und: „Woher will man bei der Stadt wissen, dass wir nicht auch für diesen Standort geeignet sind?“ Ihrer Ansicht nach hätten die Verantwortlichen mal in den Reihen der ortsansässigen Gastronomen fragen sollen.

Wirte bezeichnen die Höhe der Pacht als „Witz“

Auch die Höhe der Pacht für das Kleeberg sorgt für Empörung. Nach Informationen der WZ – der ein von der Grundstücksgesellschaft der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten des Gaststättenverbands Dehoga vorliegt – wird ein Betrag von knapp 1600 Euro im Monat als „angemessen“ bezeichnet. „Das ist ein Witz. Dafür hätte ich es als Zweitlokal genommen“, sagt Andrea Tinelli, die selbst von privat gepachtet hat. Die normale (sprich marktübliche) Pacht sei deutlich höher.

Auch aus der Bäckerei Greis kommen kritische Töne. „Ich finde es ganz komisch, dass so ein Objekt gekauft und aufwendig restauriert wird“, sagt Thomas Greis in Richtung Stadt-Gesellschaft. „Ich als Geschäftsmann würde das Geld nie wieder reinbekommen.“ Seine Schwester Claudia Greis ergänzt: „Das sind ja unsere Steuergelder, die da verbaut werden.“ Wirtin Tinelli erzählt, sie habe den Umbau bei sich selbst gemacht und danach vier Jahre lang abbezahlen müssen.

Das Café-Bistro Kleeberg soll Mitte Juni eröffnen. Es wird laut Betreiber 56 Innenplätze geben, im Wintergarten entsteht ein Loungebereich. Im Außenbereich sind knapp 60 Plätze angedacht. Das Objekt wird laut Dehoga-Gutachten vom Oktober 2012 mit komplettem Inventar (Einrichtung, Küche) verpachtet, lediglich Geschirr, Gläser, Besteck bringt der Pächter selbst mit.

Im Haus am Markt 5, in dem das Café angesiedelt wird, gibt es im ersten Stock und im Dachgeschoss je eine Wohnung. Eine davon ist vermietet – an Pfarrer Jürgen Lenzen.

Diverse weitere Vertreter der örtlichen Gastro-Szene, so ist zu vernehmen, sind aufgebracht. „Wo hat man denn schon mal gehört, dass ein Gutachten in Auftrag gegeben wird, das eine tragfähige Pacht für den Betreiber ermitteln soll?“, fragt ein Wirt, der ungenannt bleiben möchte. Ziel der Stadt müsse es doch eigentlich sein, eine möglichst hohe Pacht zu erzielen.

Die Bäckerei Greis möchte Zahl ihrer Plätze erhöhen

„Wir fühlen uns alleingelassen“, fasst Claudia Greis zusammen. Sie hofft nun, dass man ihr künftig mehr entgegenkommt. „Wir wollen unser Straßencafé im nächsten Jahr auf bis zu 40 Plätze vergrößern. Bisher durften es 25 Plätze sein.“ In diesem Zusammenhang erzählt sie von einer weiteren negativen Erfahrung mit der Verwaltung: „Uns wurde gesagt, wir sollen die Blumenampeln doch selbst bezahlen, wenn der Markt schöner werden soll.“

Kein schlechtes Wort fällt über die Neuen aus Neuss. „Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagt Claudia Greis. „Davon profitieren wir ja auch“, ergänzt Andrea Tinelli.

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