Für eine Million Euro werden 240 Busse mit einem neuen Lack behandelt. Schmierereien lassen sich danach mühelos entfernen.

In der Rheinbahn-Werkstatt in Heerdt werden die Busse mit dem neuen Lack präpariert.
In der Rheinbahn-Werkstatt in Heerdt werden die Busse mit dem neuen Lack präpariert.

In der Rheinbahn-Werkstatt in Heerdt werden die Busse mit dem neuen Lack präpariert.

Stefan Arend

In der Rheinbahn-Werkstatt in Heerdt werden die Busse mit dem neuen Lack präpariert.

Willich/Düsseldorf. Die Methoden der Schmierer werden immer dreister: Längst begnügen sie sich nicht mehr damit, ihre Hinterlassenschaften mit dicken Filzstiften zu produzieren.

Um einen größtmöglichen Effekt zu erzielen, werden die Stifte geöffnet und durch allerlei ätzende Flüssigkeiten angereichert. Flusssäure (eine wässrige Lösung von Fluorwasserstoff) oder Bremsflüssigkeit wurden schon festgestellt.

"Neuerdings wird sogar schwach konzentrierte Salzsäure eingefüllt", sagt Klaus Storm. Er ist Experte der Firma OS Dienstleistungs GmbH mit Sitz an der Karl-Arnold-Straße im Gewerbegebiet Münchheide. Er hat im Auftrag der Düsseldorfer Rheinbahn einen neuen Wunder-Lack entwickelt. Ist eine Fläche damit behandelt, haben Graffiti keine Chance mehr: Mit einem Wisch ist alles weg. Bloß ein bisschen Universalreiniger ist als Hilfsmittel nötig.

"Auf lange Sicht wollen wir das in allen Fahrzeugen haben."

Klaus Klar, Leiter der Rheinbahn-Werkstätten

Es handelt sich dabei um einen so genannten Hybrid-Lack. "Die obere Struktur ist so fein und dicht, dass Verschmutzungen nicht mehr ins Material eindringen", erklärt Storm. Das gilt übrigens auch für ganz normalen Dreck: Die Tests bei der Rheinbahn haben gezeigt, dass die Flächen insgesamt sauberer sind.

70 Busse sind schon mit dem neuen Lack behandelt worden. Alle Seitenwände sowie die Sitz-Rückseiten bekommen die neue Beschichtung. Weitere 170 Busse werden in der nächsten Zeit folgen. Seit Februar 2008 war der Lack zuvor entwickelt und dann getestet worden.

Die OS Dienstleistungs GmbH hat ihren Sitz im Willicher Gewerbegebiet Münchheide. Sie beschäftigt sich seit dem Jahr 2002 vor allem mit Oberflächenreinigung und -veredelung in der Industrie. Seit diesem Jahr werden außerdem LED-Leuchtmittel angeboten.

Das Unternehmen hat 15 Beschäftigte und Kunden in ganz Deutschland. Geschäftsführer ist der Tönisvorster Oliver Schieren.

Die Rheinbahn hat 406 Busse im Einsatz, davon sind 180 Gelenkbusse. Die 240 neuesten Fahrzeuge werden als erste mit dem Hybrid-Lack ausgestattet, den Klaus Storm entwickelt hat.

Die Zahl der Kunden ist von 1998 bis 2008 von 198,9 auf 214,3 Millionen gestiegen.

Eine Million Euro investiert die Rheinbahn in diese Aktion. "Auf lange Sicht wollen wir das in allen Fahrzeugen haben", sagt Klaus Klar, Leiter der Rheinbahn-Werkstätten. "Denn Untersuchungen haben gezeigt, dass Sauberkeit für unsere Fahrgäste ganz wichtig ist."

Die steigenden Fahrgastzahlen seien auch darauf zurückzuführen, dass man dem Dreck gezielt zu Leibe rücke. "Früher ist die Reinigung in den Werkstätten quasi nebenbei gemacht worden. Seit zwei Jahren haben wir einen Verantwortlichen dafür, der sich um alles kümmert."

400 000 Euro Schaden jährlich durch Graffiti in den Fahrzeugen

Gemeint ist der Schiefbahner Toni Platen. Der sorgt als Abteilungsleiter dafür, dass alle Busse und Bahnen jede Nacht sauber gemacht werden. 50Reinigungskräfte sind dafür im Einsatz, dazu 30 Rangierfahrer. Gut 1,2 Millionen Euro kostet das jedes Jahr.

Eine echte Sisyphos-Arbeit. "Aber wenn wir uns ergeben, wissen wir, wie ein neues Fahrzeug schon nach kurzer Zeit aussieht", sagt Toni Platen. Allein durch Graffiti in den Bussen und Bahnen entstehen der Rheinbahn jährlich Schäden in Höhe von 400000 Euro.

Diese Kosten sollen durch den Einsatz des neuen Willicher Wunder-Lacks reduziert werden. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Verunzierungen bis zu 100 Mal entfernt werden können, ohne dass der Lack Schaden nimmt. Platen: "Wir gehen davon aus, dass er zehn Jahre hält." Klingt nach einer sauberen Sache...

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