Ein vier Monate alter Junge ist so heftig geschüttelt worden, dass er schwere Hirnschäden davon trug.

Willich. Ein 26 Jahre alter Familienvater aus Willich hat seinen vier Monate alten Sohn so heftig geschüttelt, dass dieser lebenslange Hirnschäden davon getragen hat.

Nach "intensiven Vernehmungen" habe er die Tat gestanden, erklärte am Donnerstag die Kriminalpolizei in Mönchengladbach. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann versuchten Totschlag vor.

Am Freitagabend vergangener Woche war der Säugling mit Atemstillstand in eine Krefelder Klinik eingeliefert worden. Die Ärzte der Intensivstation stellten eine schwere Hirnschädigung fest, die das Leben des Babys akut bedrohte. Schnell hatten sie den dringenden Verdacht auf ein so genanntes Schütteltrauma.

Die Polizei wurde alarmiert. Die Ermittlungen übernahm als zuständige Kriminalhauptstelle eine Kommission der Kriminalpolizei Mönchengladbach. Unterstützt wurde sie von Beamten der Kripo Viersen.

Ein Gerichtsmediziner bestätigte den ersten Verdacht der Intensivmediziner. Der kleine Junge wird nicht wiederherstellbare schwerste Gehirnschädigungen zurück behalten.

Jeder Säugling weint vor Hunger oder Müdigkeit. Viele Babys schreien aber stundenlang ohne erkennbaren Grund und rauben ihren Eltern den letzten Nerv - und den Schlaf.

"Schlafentzug ist Folter und macht wütend", sagen Experten. "Schreibabys" steckten oft in psychischen Nöten und nähmen schon früh familiäre Konflikte wahr.

Im Rhein-Kreis Neuss hat die Caritas im Vorjahr ein Beratungsprojekt begonnen, das speziell den Eltern schwieriger Kinder helfen will. Informationen dazu gibt es im Internet unter:

In Willich zuständig ist die Erziehungsberatung der Stadt, Kaiserplatz1, Telefon 02154/ 94 94 01. Außerdem bietet der Soziale Dienst des Jugendamtes Hilfen in Krisensituationen an. Anschrift: Stahlwerk Becker, Gießerallee 6. Ebenso sind in den Stadtteilbüros Ansprechpartner zu finden.

www.beratung-in-neuss.de www.stadt-willich.de

Die festgestellten Verletzungen lassen sich ausschließlich durch Schütteln erklären. Dieses Schütteln führt sehr schnell zu schwersten Hirnschädigungen - und in vielen Fällen sogar zum Tod.

Nach längeren Befragungen der Eltern gestand der 26-jährige Vater schließlich ein, dass er seinen jüngsten Sohn heftig geschüttelt habe. Es sei verzweifelt gewesen, da er den schreienden Kleinen nicht beruhigen konnte.

Polizei hat eine "intakte Familie" angetroffen

Die Ermittler haben keinerlei Hinweise auf problematische Familienverhältnisse oder andauernde Überforderungen in der Kinderbetreuung gefunden. Vielmehr seien sie auf eine "durchaus als intakt zu bezeichnende junge Familie in einem geordneten Haushalt" getroffen, sagt Polizeisprecher Willy Theveßen. Vorwürfe gegen das Jugendamt, dem die aus sozial schwachen Verhältnissen stammende Familie bekannt war, seien nicht zu erheben.

Das 20 und 26 Jahre alte Ehepaar hat noch zwei weitere Kinder im Alter von einem und drei Jahren. Es bestehe kein Anlass, sie aus der Familie zu holen, eine Gefährdung liege nicht vor, heißt es von der Stadt Willich.

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