Kinder unter drei Jahren erobern die Tagesstätten. Die müssen dafür aber noch umgebaut werden.

wza_1414x1500_536552.jpeg
Ulrike Janßen und Thomas Goßen im Kindergarten Benrader Straße in St. Tönis, der sich für die Aufnahme von Kindern unter drei Jahren rüstet.

Ulrike Janßen und Thomas Goßen im Kindergarten Benrader Straße in St. Tönis, der sich für die Aufnahme von Kindern unter drei Jahren rüstet.

Kurt Lübke

Ulrike Janßen und Thomas Goßen im Kindergarten Benrader Straße in St. Tönis, der sich für die Aufnahme von Kindern unter drei Jahren rüstet.

Willich/Tönisvorst. Eine staubige Abdeckplane liegt über dem Boden, Handwerkszeug stapelt sich in der Ecke und der Durchbruch in den Nebenraum gibt den Blick auf das nackte Mauerwerk frei.

Zwar liegt im zweiten Raum schon der Teppichboden, aber nichtsdestotrotz kann man sich derzeit nur schwer vorstellen, dass hier in knapp drei Wochen ein- und zweijährige Kinder über den Boden krabbeln und in ihren Kinderbettchen schlafen werden.

Die St. Töniser Kindertagesstätte "Panama" rüstet sich für ihre neue Aufgabe, die da heißt: Kinderbetreuung unter drei Jahren, kurz U3 genannt.

"In erster Linie ist ein Umdenken erforderlich."

(Ulrike Janßen, Kita Panama)

"Der Rechtsanspruch für einen U3-Platz auf Grundlage des Kinderförderungsgesetzes greift ab dem Jahr 2013. Wir bereiten uns schon vor", erklärt Thomas Goßen vom Dezernat I der Stadt Tönisvorst.

Bereits im vergangenen Jahr wurden in einem eigenen Raum in der Kita "Panama" sechs U3-Kinder betreut. Damit war das Kontingent ausgeschöpft. Mittels eines Durchbruchs in den Nebenraum, der einst die Wortwerkstatt beherbergte, wurde der Platz verdoppelt. Die Wortwerkstatt befindet sich ab dem neuen Kindergartenjahr im Schatzinselraum.

Vorgaben: Ab Sommer 2013 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr. Zahlen: Der Gesetzgeber geht davon aus, dass 35 Prozent der Kinder angemeldet werden. Das wären zum Beispiel in Willich nach jetzigen Berechnungen genau 401: davon 283 in Tageseinrichtungen, 94 bei Tagesmüttern und 24 in der DRK-Tagespflege "Abenteuerland".

"Wir versuchen mit einfachen Mitteln umzustrukturieren", sagt Goßen. Das gilt natürlich nicht nur für "Panama", sondern auch für die anderen vier städtischen Einrichtungen.

Wobei neben der Kita an der Benraderstraße die an der Jäger- und Brückner Straße schon im vergangenen Jahr mit der U3-Betreuung angefangen haben. Jetzt ist noch die Ingerstraße neu dazu gekommen. Waren es im vergangenen 15 U3-Kinder, so sind es jetzt 28 U3-Kinder, die das neue Angebot nutzen.

Die baulichen Maßnahmen, die Platz für Schlafräume, Wickelkommoden und Co. schaffen schlagen dabei mit rund 5000Euro zu Buche. Dazu kommt dann noch die Einrichtung. "Wir haben eine zweiseitige Liste mit Dies und Das. Alles Dinge, die Eltern kleiner Kinder von Zuhause kennen", schmunzelt Thomas Goßen.

In Willich sieht es nicht anders aus. Hier bereiten sich elf städtische Kindertageseinrichtungen auf die U3-Kinder vor. Sanitärbereiche, Schlafplätze, Wickelmöglichkeiten, Beschäftigungsmaterial, die Liste der Dinge, die gebraucht werden, ist lang.

60 U3-Kinder werden im neuen Kindergartenjahr in Willich das Angebot nutzen. Neben den baulichen und einrichtungstechnischen Maßnahmen ist das pädagogische Konzept nicht zu vergessen. Die ersten Weiterbildungen von Erzieherinnen sind schon gelaufen.

"In erster Linie ist ein Umdenken erforderlich", betont Ulrike Janßen, stellvertretende Leiterin von "Panama". Im Prinzip arbeite man wie mit den älteren Kindern, nur müsse man sich in das Denken eines U3 Kindes versetzen und es dementsprechend fördern.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer