Die Fans feierten, die Polizei hatte kaum Anlass einzugreifen – außer am Kreisverkehr in Willich.

Willich/Tönisvorst. Es war ausgelassen, aber auch friedlich. Die Public-Viewing-Veranstaltungen und die anschließenden Jubelfeiern und Autokorsos verliefen durchweg so, dass die Polizei keine Mühe hatte, für Ordnung zu sorgen. Die Fans feierten ausgelassen das eher mühsame 1:0 von Jogis Jungs gegen Ghana.

Eine wachsende Anzahl "Rudelgucker" verzeichnete die Gaststätte Cena bona in Münchheide. Waren es zu Beginn der WM noch 300 Fußballfans, sahen das Serbien-Spiel bereits 400. Die Partie gegen Ghana wollten dann 500 Schaulustige sehen.

Schon im Vorfeld waren zahlreiche Reservierungswünsche eingegangen. Nach dem Sieg gab’s zehn Minuten lang Freibier.

Aus gastronomischer Sicht ist der erste Gruppenplatz allerdings nicht so günstig. Viele Wirte hätten sich anstatt des Sonntagnachmittagstermins für das Spiel gegen England den Anstoß lieber für den Abend gewünscht.

Polizei war mit "konsequenter Ansprache" erfolgreich

Ein wenig Arbeit hatte die Polizei dennoch zu leisten, nämlich nach Abpfiff am Kreisverkehr Bahnstraße. Hier hatten sich 600 meist jugendliche Fans eingefunden. Sie versuchten, den Verkehr durch Sitzblockaden lahmzulegen.

Die Polizei weist aus gegebenem Anlass darauf hin, dass von dem Abbrennen von Feuerwerkskörpern in Menschenmengen, besonders bei "bengalischem Feuer" eine erhebliche Gesundheitsgefahr für Unbeteiligte ausgeht.

Auch mit Blick auf die nahegelegene Tankstelle legt die Polizei sehr enge Maßstäbe an. Im Einzelfall könnten Handlungen auch einen Straftatbestand darstellen.

Auch an die Autofahrer im Stadtgebiet richtet die Polizei eine Bitte: Meiden Sie, wenn möglich, am Sonntag nach Spielende bis mindestens 20:00 Uhr den Kreisverkehr und umfahren diesen Jubelort möglichst weiträumig.

"Das haben wir durch konsequente Ansprachen und unzählige deeskalierende Gespräche mit den jubelnden Fans vereitelt", sagt Polizei-Pressesprecherin Antje Heymanns.

Lediglich ein 17-jähriger Willicher überschritt die Grenzen der Toleranz deutlich. Er hob eine von Unbekannten geworfene Leuchtfackel auf und ging damit drohend auf einen Polizisten zu.

"Da er der Aufforderung, stehen zu bleiben und den Gegenstand abzulegen nicht nachkam, setzte der Kollege Pfefferspray ein", erklärt Heymanns. So wehrte der Beamte den Angriff ab.

Willicher Polizeichef appelliert an die Fußball-Freunde

Der Junge wurde anschließend medizinisch versorgt und wegen gefährlicher Körperverletzung angezeigt.

Theo Pasch, Leiter der Polizeiwache Willich, appelliert an die Fans: "Falls die deutsche Mannschaft uns am Sonntag noch einmal eine Jubelfeier ermöglicht, lasst uns auch weiterhin gemeinsam für ein friedliches und sicheres Fußballfest sorgen."

Er bedankte sich ausdrücklich bei den Fans, die sich an die Anweisungen der Polizei gehalten hatten. Wenn sich das so fortsetze, stehe einer weiteren Party am Sonntag nichts im Weg. Da könne die Polizei durchaus sehr tolerant sein.

Keine Störungen in den anderen Orten

Von den anderen Plätzen, an denen sich die Fans versammelten, wurden keinerlei Störungen gemeldet.

In Anrath war jede Menge los in der Josefshalle, ebenso wie in zahlreichen Kneipen in Tönisvorst.

Eine große Leinwand hatte das bd-Café von "Oskar" in Vorst aufgebaut, wo sich eine ganze Reihe von Fans eingefunden hatte. Anschließend gab’s auch hier einen Autokorso, der ebenso ausgelassen wie friedlich war.

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