Pensionär Hans Kutz berät die Firma Wet Thermplate erfolgreich beim Maschinenbau.

Willich/ St. Tönis. An der Wand in der Montagehalle hängt eine kleine Landkarte. Auf der ist der Weg, den die drei Lastwagen ab Montag nehmen werden, rot eingezeichnet: 1.004 Kilometer sind es vom Gewerbegebiet Willich-Münchheide bis nach Norditalien. Dorthin liefert die Firma Wet Thermplate eine 16 Meter lange und über 30 Tonnen schwere Maschine für die Textilindustrie. Sie hat einen Wert von mehreren hunderttausend Euro.

"Nur mit grundlegenden Änderungen haben wir gegenüber den Etablierten eine reelle Chance."

Markus Noll, Technischer Leiter

"Für ein junges, kleines Unternehmen ist ein solch bedeutender Auftrag keine Selbstverständlichkeit", betont der Technische Leiter Markus Noll (42). "Uns war dabei bewusst, dass wir nur mit grundlegenden Änderungen gegenüber den etablierten Maschinenbauern eine reelle Chance haben." Ein neues Konzept für die gewünschte Anlage musste her, mit dem man die italienischen Kunden auch tatsächlich überzeugen konnte.

Unterstützung holten sich die Willicher in St. Tönis bei Hans Kutz: Der 81-Jährige war bis zu seiner Pensionierung Prokurist und Leiter der Sparte Textilmaschinen bei der Krefelder Firma Eduard Küsters. 26 Patente aus dieser Zeit gehen auf sein Konto. "Und an regnerischen Tagen male ich immer noch gerne mal Striche", erzählt Kutz.

Mit seinen "Strichen" half er Noll und Volker Keller (41), Geschäftsführer des Unternehmen, bei der Entwicklung einer Anlage, die zur Vorbehandlung von Rohbaumwolle eingesetzt wird. Die ist mit Schmutz, Fetten, Schalen und Wachsen verunreinigt, muss deshalb vor dem Färben gereinigt werden. Dazu dienen Chemikalien und Wasser.

Die neue Maschine ist kompakter und hilft beim Sparen

Hier kommt die Neuentwicklung aus dem Hause Wet Thermplate ins Spiel. Sie ist deutlich kompakter als vergleichbare Anlagen und benötigt deshalb viel weniger Platz. Auch die Chemikalientröge konnten in ihrer Größe um 50 Prozent verringert werden. Das spart Kosten und schont die Umwelt.

Nur sieben statt der sonst üblichen zwölf computergesteuerten Antriebsmotoren der Warenbahnen werden benötigt. Zudem ist die Anlage wegen ihrer geringen Höhe gut zu bedienen, wie Volker Keller betont. "Die Kunden wollen Geld verdienen. Und mit dieser Anlage ist das möglich", fasst Hans Kutz die Vorteile zusammen.

Zunächst wird die neue Maschine nun geliefert und dann in Italien von den Willicher Fachleuten zusammengebaut. "Innerhalb von drei Wochen muss sie laufen", berichtet Noll. Dem ersten Italien-Auftrag für das Unternehmen vom Siemensring sollen bald weitere folgen.

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