In Willich ist die Stadtmeisterschaft in der norddeutschen Sportart ausgetragen worden.

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Wer kann die Kugel am weitesten werfen? Diese Frage musste bei der Willicher Stadtmeisterschaft im Bosseln beantwortet werden.

Wer kann die Kugel am weitesten werfen? Diese Frage musste bei der Willicher Stadtmeisterschaft im Bosseln beantwortet werden.

Friedhelm Reimann

Wer kann die Kugel am weitesten werfen? Diese Frage musste bei der Willicher Stadtmeisterschaft im Bosseln beantwortet werden.

Willich. Wie ein Wink des Himmels war für Alex Lindemann die erste offizielle Stadtmeisterschaft im Bosseln, ausgetragen vom Bossel- und Bügelverein Willich. Denn erst vor einer Woche ist er mit seiner Frau Trudi aus Düsseldorf hergezogen.

Und warum bedeutet ihm da das Bosseln so viel? Na, weil er Ostfriese ist! "Bei uns ist Bosseln Tradition und Heimatsport und wichtiger als Fußball, Handball und alles andere", erklärt der begeisterte Friese.

"Bei uns ist Bosseln Tradition und Heimatsport und wichtiger als Fußball, Handball und alles andere."

Alex Lindemann, Gebürtiger Ostfriese und Neu-Willicher

Und dass so ein wichtiges Stück alter Heimat auch in der neuen eine große Rolle spielt, ist doch ein gutes Zeichen. Seine Chancen für das erste Spiel am Niederrhein kann er noch nicht so recht einschätzen, liegen seine aktiven Zeiten doch auch schon ein klein wenig zurück. Dennoch: Einen Wurfrekord hält er noch immer. "316 Meter habe ich geschafft", erzählt er stolz, "die Urkunde hängt im Verein immer noch an der Wand."

Seinen schärfsten Konkurrenten hat er heute aber vielleicht sogar selbst mitgebracht: Ehefrau Trudi, die Lindemann nach 49 Jahren Ehe auch zum Bosseln angesteckt hat. Sie kann sogar mit einem Sieg über ihren echt-norddeutschen Mann prahlen: "Ich bin damals Zweite geworden."

Die Platzierung ihres Mannes soll zur Rettung der Ostfriesen-Ehre an dieser Stelle höflich verschwiegen werden. Weitere starke Konkurrenz ist nämlich auch nicht weit. Doris Loh zum Beispiel, jedoch gesteht: "Ich hab das letzte Mal vor 15 Jahren gespielt. Mal gucken ob ich’s noch kann. Aber ich glaub das verlernt man nicht, so wie Fahrrad fahren".

Ihre Freude am Spiel hat sie trotz langer Pause nicht verloren und das besonders wegen der schönen Erinnerungen: "Früher haben wir uns alle sonntagsmorgens mit Kind und Kegel getroffen. Die Kinder haben zusammen gespielt und die Eltern gebosselt." Schön und gesellig sei es damals gewesen.

Wiedertreffen konnte Doris Loh an diesem Tag viele ihrer damaligen Mitspieler und Gegner. Denn nicht nur zur Stadtmeisterschaft wurde am Feiertag geladen, sondern auch zur internen Clubmeisterschaft. Obwohl, Bossel-Profis sind die Vereinsmitglieder heute auch nicht mehr. Denn aktiv und regelmäßig Bosseln tun die meisten nicht mehr. Bügeln, die alte niederrheinische Sportart, bei der es statt um Kraft, wie beim Bosseln, eher um Geschicklichkeit und Taktik geht, ist heute gefragt.

Ein Mann der ersten Stunde ist mit von der Partie

Ein Pionier der ersten Stunde ist aber noch dabei: Jochen Kock. Der 72-Jährige hatte 1979 den Verein gegründet und stammt - wen wundert’s - auch aus dem Norden, genauer aus Lübeck. Trotz der langen Erfahrung hat es der "Ehrenvorsitzende" Kock im vergangenen Jahr (nur) auf den vorletzten Platz geschafft. Seine Erklärung dafür: "Viel ist von der Tagesform und der Strecke abhängig. Und ein bisschen Glück gehört auch dazu."

Nicht nur das hatte der Friese Lindemann wohl, als er die Stadtmeisterschaft am Ende für sich entschied.

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