Ende Juni 2014 endet die Geschichte des Willicher Krankenhauses. 193 Mitarbeiter sind davon betroffen.

Willich. Die Hiobsbotschaft erreichte die Mitarbeiter des Katharinen-Hospitals am Montag um 15.30 Uhr auf einer kurzfristig einberufenen Betriebsversammlung: Das Willicher Krankenhaus wird Ende Juni 2014 geschlossen, alle 193 Beschäftigten erhalten die Kündigung.

„Die Entscheidung ist nach reiflicher Überlegung gefallen“, erklärte Paul Neuhäuser, Vorsitzender der Geschäftsführung der St. Augustinus-Kliniken, zu denen das Haus seit Juli 2007 gehört.

„Es ist richtig, dass wir jetzt handeln und keinen Kampf gegen Windmühlenflügel führen“, betonte Neuhäuser. Und erklärte, er sei selbst „sehr betroffen“. Wie sein Kollege Markus Richter ausführte, erschwerten zunehmend problematische Rahmenbedingungen den Erhalt kleiner Krankenhäuser wie Willich (140 Betten). Dazu zählte er enger werdende finanzielle Ressourcen und höhere Qualitätsanforderungen, für die man in Willich noch weiter investierten müsste.

Im Krankenhaus Neuwerk, das ebenfalls zum Klinikverbund gehört, seien diese Anforderungen schon erfüllt. Auch das Leistungsspektrum des 363-Betten-Hauses mit seinen zehn Fachrichtungen sei viel größer. Daher solle der Standort dort ausgebaut werden.

Die in Willich aufgebauten Bereiche Altersmedizin und -traumatologie will man nun in Neuwerk neu etablieren. „Die notwendige Kapazitätserhöhung ist dort in Planung“, sagte Stefan Knöfel, Noch-Geschäftsführer des Katharinen-Hospitals.

St. Augustinus-Kliniken haben in Willich Millionen investiert

Am Katharinen-Hospital in Willich ist im Januar 2012 das 140-jährige Bestehen gefeiert worden. Damals gab es einen Tag der offenen Tür, an dem Bürgermeister Josef Heyes die Übernahme durch die St. Augustinus-Kliniken noch als „Geschenk des Himmels“ bezeichnete. Die Gründung des Hauses geht auf eine Stiftung von 7000 Talern aus dem Jahr 1865 zurück.

Ebenfalls im Januar 2012 kündigte die Klinikleitung an, am Standort Willich die „Hauptfachabteilung Geriatrie“ für die gesamten St. Augustinus-Kliniken anzusiedeln.

Zu dem Verbund (4200 Mitarbeiter) gehören unter anderem drei Krankenhäuser, zwei psychiatrische Fachkliniken und eine Reha-Klinik.

Für die 193 Willicher Mitarbeiter zeichneten er und Paul Neuhäuser Perspektiven auf. Einem Großteil könne man sicher Beschäftigungsmöglichkeiten in anderen Häusern der Augustinus-Kliniken anbieten, so Neuhäuser. Darüber hinaus gelte es, einen Sozialplan zu erstellen, um die Schließung des Hauses sozialverträglich zu gestalten. Die 20 Pflegeschüler in Willich könnten ihre Ausbildung auf jeden Fall beenden.

In Willich hatten die St. Augustinus-Kliniken seit 2007 rund sieben Millionen Euro investiert – unter anderem für einen Anbau, der erst 2011 eingeweiht worden war. „Wir haben es ernsthaft versucht“, sagte Paul Neuhäuser dazu.

Hermann-Josef Schmitz, Vorsitzender des Beirats des Katharinen-Hospitals, erinnerte daran, dass die katholische Pfarrgemeinde St. Katharina 2007 das Haus mit der Absicht an die St. Augustinus-Kliniken abgegeben habe, mit einem starken Partner dessen Zukunft zu sichern. „Wir waren guten Mutes“, sagte er. Nun sei er „enttäuscht“, da er selbst mit dem Haus seit 40 Jahren verbunden sei. Die Vorteile des Standortes Neuwerk, der von Willich schnell erreichbar sei, ließ er aber nicht unerwähnt.

Über die weitere Nutzung von Gebäude und Grundstück an der Bahnstraße ist noch nicht entschieden. Es solle insbesondere eine soziale Nutzung geprüft werden, hieß es. Außerdem wollen die St. Augustinus-Kliniken der Stadt anbieten, den Standort für den Notarzt in Willich aufrechtzuerhalten. Er könne an der Rettungswache angesiedelt werden, sagte Richter.

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