Ein Gericht muss nun prüfen, ob Fahrlässigkeit bei den Chefs des Unternehmens vorlag.

Düsseldorf/Willich. Hassan K. (Name geändert) arbeitete seit elf Jahren im Lager eines Düsseldorfer Rohrhandels. In dieser Zeit hatte er mit einem Kran ungezählte Stahlrohre, von denen eines bis zu 250 Kilogramm wiegt, mit einem Kran auf Lkw verladen. Doch am 29.November 2006 gegen 8.40Uhr ging alles schief: Die Rohre einer Ladung lösten sich beim Transport und fielen auf den 38-jährigen Mann. Der schwere Stahl zermalmte ihn. Er starb wenig später.

Jetzt müssen sich der Geschäftsführer und der Betriebsleiter des Rohrhandels vor dem Düsseldorfer Amtsgericht wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Der 46-jährige Willicher ThomasB. und der 49-jährige Michael H. aus Essen schweigen zurzeit zu den Vorwürfen.

Dafür stellten ihre Anwälte am Mittwoch eine Reihe von Anträgen, mit denen sie zeigen wollen, dass K. durch unsachgemäßen Umgang seinen Tod selbst verschuldet hat. "Es ist eine elementare Grundregel des Rohrtransports, dass man sich nicht unter der Last befinden darf", zitierte ein Anwalt aus einer Arbeitsschutzvorschrift.

Der Staatsanwalt wirft den Firmenchefs hingegen vor, dass sie gewusst und ausdrücklich gebilligt hätten, dass Rohre falsch oder ungenügend gesichert transportiert wurden. Im konkreten Fall soll der Lagerarbeiter die Rohre im so genannten Hängegang - in einer einfachen Schlaufe - transportiert haben. Laut Staatsanwalt eine unsichere Angelegenheit.

Lkw-Fahrer musste um sein Leben rennen

Am Mittwoch schilderte der Fahrer des Lkw, bei dessen Beladung der tödliche Unfall geschah, seine Eindrücke. Er stand auf dem Fahrzeug und beobachtete den Ladevorgang. "Die Rohre fingen an zu rutschen, und ich bin nur noch um mein Leben gerannt", sagte er. Als alles vorbei war habe er den tödlich verletzten Lagerarbeiter gesehen - ein Bild, das er am liebsten vergessen würde.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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