Im Fall des Pfarrers Georg Kerkhoff melden sich nun auch deutsche Stimmen zu Wort.

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Pfarrer Georg Kerkhoff bei einer Beerdigung im Januar 2007.

Pfarrer Georg Kerkhoff bei einer Beerdigung im Januar 2007.

Pfarrer Georg Kerkhoff bei einer Beerdigung im Januar 2007.

Willich/Kreis Viersen. Über Monate, manche sagen über Jahre, hatte sie den Kopf eingezogen, war auf Tauchstation gegangen. Die Rede ist von der Katholischen Kirche, die zum Fall des Pfarrers Georg Kerkhoff keine Stellungnahme abgeben wollte. Bekanntlich sitzt der gebürtige Willicher derzeit in Südafrika fest, er darf wegen Ermittlungen gegen ihn (sexueller Missbrauch von Kindern) das Land nicht verlassen.

"Das Bistum geht davon aus, dass eine großangelegte Medienberichterstattung belegen soll, dass Pfarrer Kerkhoff bereits vor seinem Einsatz in der Auslandsseelsorge einschlägig auffällig geworden ist."

Bischöfliches Generalvikariat in einem Schreiben an die Gläubigen in Nettetal

Jetzt gab’s doch eine Reaktion des Bischöflichen Generalvikariats. In einem Schreiben an die Gläubigen in Lobberich und Hinsbeck, wo Kerkhoff vor seinem Wechsel nach Südafrika zuletzt tätig war, warnt das Generalvikariat, "dass eine groß angelegte Medienberichterstattung belegen soll, dass Pfarrer Kerkhoff bereits vor seinem Einsatz in der Auslandsseelsorge auffällig geworden ist." Und damit nicht Journalisten oder eine private Initiative ermitteln, hat die Kirche jetzt eine eigene Stelle eingerichtet. Hier können möglicherweise Betroffene Hinweise geben.

Bei einer privaten Geburtstagsfeier getroffen

Nach wie vor ist nichts bewiesen, allerdings gibt’s heftige Vorwürfe eines betroffenen Jungen gegen den Geistlichen. "Ich habe Herrn Kerkhoff vor einigen Jahren beim Geburtstag meiner Großeltern getroffen", schildert der heute 20-jährige Moritz (Name von der Redaktion geändert) im Gespräch mit der WZ. Der junge Mann wohnt in einer Gemeinde in der Nähe von Nettetal. Man habe "small talk" miteinander gepflegt. Anfang 2005 traf man sich wieder, ebenfalls bei den Großeltern. "Herr Kerkhoff hat mir erzählt, dass er keinen Partner mehr fürs Badminton habe", blickt Moritz zurück. Das Spiel wurde zu einer festen Einrichtung, "meistens hat er mich Samstag vormittags abgeholt."

Der junge Mann fühlte sich zunächst wohl. "Wir haben nach dem Spiel was getrunken und viel über Fußball, vor allem über Borussia, gefachsimpelt. Irgendwann sei der Geistliche auf die Idee gekommen, die Sauna in der Badminton-Halle zu benutzen. Moritz hatte nichts dagegen. "Ich kannte das nicht, das war interessant." Der Saunagang wurde ebenfalls zur festen Einrichtung.

Georg Kerkhoff, 51, stammt aus Willich.

Kerkhoff hatte zunächst den Konditor-Beruf ergriffen und in diesem bis 1979 gearbeitet. Dann holte er am Abendgymnasium das Abitur nach und studierte in Bonn und München Theologie.

Als Kaplan war er in Eschweiler-Dürwiß (Kreis Aachen) und St. Tönis. Anschließend wurde er Pastor in Kempen bei der Pfarrgemeinde Christ-König. Im September 2001 wechselte er als Pastor in die Pfarrgemeinden Hinsbeck und Lobberich (St. Sebastian).

Ende 2006 erfolgte der Wechsel ins südafrikanische Johannesburg, wo er die deutsche Pfarrgemeinde St. Bonifatius betreute.

Im Zuge seiner Tätigkeit in Johannesburg soll Kerkhoff sich in einem Kommunions-Camp Kindern genähert haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, er darf das Land nicht verlassen. Wann genau die Strafsache verhandelt wird, ist nicht klar. Immer wieder wurde der Prozess verschoben, zuletzt wurde Ende Januar als mögliches Datum genannt.

Obwohl es dem Jungen manchmal schon unheimlich wurde. "Er hat sich in der Sauna meines Erachtens sehr ‚gezeigt’. Auf Versuche, unter der Dusche "rumzualbern" sei er nie eingegangen, versichert Moritz.

Zu diesem Zeitpunkt lernte er auch ein "Patenkind" von Kerkhoff kennen, ein 15-Jähriger, der aus dem Willicher Stadtgebiet stammen soll. "Die Beziehung war schon intimer", erinnert sich der 20-Jährige. Oft habe er den Jungen allerdings nicht gesehen, könne deshalb auch nichts Näheres über ihn erzählen.

Einer Jugendgruppe hinterher gereist

Im Frühsommer 2006, kurz vor den Schulferien, habe Kerkhoff dann den Vorschlag gemacht, eine Gruppe Jugendlicher, die zu einer Ferienmaßnahme in Südeuropa gefahren war, zu besuchen. Moritz stimmte zu, seine Eltern ebenfalls. "Komisch" sei es bei einer Zwischenübernachtung geworden, im Doppelbett. "Ich habe kaum ein Auge zugemacht, weil Herr Kerkhoff sich sehr breit gemacht hatte und wohl auf Körperkontakt aus war", sagt Moritz. Und schiebt hinterher: "Da ich sehr wachsam war, kam es zu keinem Zwischenfall. Aber es war nicht sehr angenehm."

Auf die private Rückfahrt mit dem Pfarrer verzichtet

Der Junge beschloss, aktiv gegenzusteuern. Kaum zu der Gruppe bei der Ferienmaßnahme gestoßen, sicherte er sich einen Platz in deren Bus, verzichtete auf die einwöchige Rückreise alleine mit dem Pfarrer. Der - unter vier Augen - wütend reagierte: Er sei enttäuscht, und diese Aktion sei eine Frechheit.

Danach löste sich die Verbindung zusehends. Es gab hier und da noch einen Kontakt, eine E-Mail, mehr nicht.

Wie sahen die Eltern von Moritz diese Geschichte? Was bewog die Kirche, denn doch noch zu reagieren? Gab’s weitere Hinweise? Welche Rolle spielt die "Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen" mit ihrem von missionarischem Ehrgeiz getriebenen Vorsitzenden Johannes Heibel? Wie ist der aktuelle Stand der Ermittlungen in Südafrika? Diesen Fragen wird sich die WZ in ihrer Ausgabe am Montag widmen.

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