Ein Rübenbauer (38) aus Willich wurde gestern zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt: Er hatte versucht, 325 Millionen Euro auf sein eigenes Konto überweisen.

Willich/Düsseldorf. Es sollte ein ganz großer Coup werden: Monatelang hielt ein Rübenbauer aus Willich die Düsseldorfer Finanzwelt in Atem. Bei der Deutschen Bundesbank an der Kö wollte er eine Überweisung von sage und schreibe 325 Millionen Euro tätigen - am Donnerstag wurde er wegen versuchten Betrugs vom Düsseldorfer Amtsgericht zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Die Geschichte hätte ein Drehbuch-Autor nicht besser inszenieren können: Im Business-Center der Düsseldorfer Sparkasse lernte der 38-Jährige im Herbst 2007 einen Unternehmensberater (29) kennen. Und tischte ihm jede Menge Lügen auf: Er sei der Erbe des Spreewaldgurken-Imperiums, besitze mehrere Einfamilienhäuser in Düsseldorf und habe sogar gute Kontakte zu SAP-Gründer Dietmar Hopp. Nun suche er jemanden, der sein Millionen-Vermögen verwalte. Als Beweis legte er diverse fingierte Unterlagen vor.

Der Unternehmensberater beauftragte daraufhin einen 44-jährigen Familienvater aus Düsseldorf, sich um die Vermögensverwaltung des 38-Jährigen zu kümmern. Und dieser zeigte sich sofort engagiert - in der Hoffnung, einen Teil von der großen Geldsumme zu bekommen. Gemeinsam erschienen die beiden Angeklagten im Februar vergangenen Jahres bei der Bundesbank. Doch zur Einlösung der Überweisung kam es nicht. Ein Bankmitarbeiter wurde stutzig und alarmierte die Polizei. Die Beamten konnten aber nur den völlig verdatterten 44-Jährigen festnehmen. Der jetzt Verurteilte hatte sich bei einer Zigarettenpause aus dem Staub gemacht.

Zum Prozessauftakt wies der Hochstapler die Betrugsvorwürfe zurück: "Ich bin aus der Nummer nicht mehr rausgekommen", sagte er. Er habe sich gegenüber dem Unternehmensberater ziemlich wichtig gemacht. "Ich habe erzählt, ich hätte viel Geld und gute Kontakte in die Finanzwelt." Als er von den Millionen gesprochen habe, hätten ihn der Unternehmensberater und der 44-Jährige regelrecht belagert. "Ich hatte einfach Angst, mein Gesicht zu verlieren." Deshalb sei die Geschichte einfach weiter gegangen. Bewusst habe er aber niemanden betrügen wollen.

Die Tat geschah während einer laufenden Bewährung

Das Gericht glaubte ihm nicht: "Die ganze Sache hat drei Monate gedauert, es gab für ihn genug Gelegenheiten zu sagen: Jetzt ist Schluss", betonte der Vorsitzende Richter Bernhard Schemkämper. Negativ wurde dem 38-Jährigen obendrein angerechnet, dass er die Tat während einer laufenden Bewährungszeit begangen hatte.

Der Unternehmensberater bezeichnete den Verurteilten als Baron Münchhausen. "Irgendwann wurde alles zu fantastisch, um eine Lüge zu sein." Erleichterung gab es bei dem 44-Jährigen: Er wurde am Ende freigesprochen.

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