Reportage: Viel zu tun haben die Willicher Tollitäten: Ein Termin jagt den nächsten.

Willich. Gefühlte minus fünf Grad ist es kalt. Zirka zwanzig kostümierte Kinder aus der Tagesstätte Regenbogenland in Anrath und einige Eltern warten gespannt draußen vor der Tür. Die ganze Kälte scheint vergessen, als er endlich um die Ecke biegt: "Da! Der Prinz!", ruft einer.

Der Jubel ist groß, und als das Willicher Prinzenpaar Rainer I. und Petra I. plus sieben Leute aus dem Gefolge ankommen, wird es mit kräftigen Helau-Rufen begrüßt: "Das ist schon der dritte Kindergarten, den wir heute besuchen", erzählt der Prinz Rainer Füsgen: "Aber das war hier die tollste Begrüßung."

"Diese Kinderaugen, in die ich hier gucke: Das kann man ja nicht beschreiben."

Prinz Rainer I.

Damit die Kleinen auch wissen, wer da vor ihnen steht, wird erst einmal erklärt, warum "der Prinz so tolle, wertvolle Kleider anhat", der einzige ist, der das Zepter tragen darf, und dass "die Männer in den weißen Jacken" die Minister sind.

Die Kinder schauen staunend zu, ihre Augen folgen vor allem der langen Feder an der Narrenkappe der Totalität - zumindest solange, bis das Prinzenpaar die Süßigkeiten verteilt. Für die Prinzengarde gibt es Sekt.

Bevor die närrische Karawane weiterzieht, werden schnell noch zwei Orden verliehen: An Lara Jolie und an Lara-Marie, die beide an diesem Donnerstag ihren vierten Geburtstag feiern. "Diese Kinderaugen, in die ich hier gucke: Das kann man ja nicht beschreiben", freut sich der Prinz: "Das ist wie beim Nikolaus oder beim Papst."

Schnell noch ein gerahmtes Erinnerungsfoto des Prinzenpärchens verschenkt, dann eilt die Delegation schon weiter. Der vierte Kindergarten steht an, die Villa Kunterbunt in Anrath. Dort ist sogar eigens für den hohen Besuch eine Holzbühne auf dem Hof errichtet worden. Es gibt auch hier Sekt für die Erwachsenen, und die Kinder führen einen Tanz zu "Komm hol’ das Lasso raus" auf.

Zuerst läuft es etwas schleppend, doch Rainer I. und Petra I. mischen sich sofort unter die Tanzenden. Die Animation funktioniert, und die Kinder machen begeistert mit. Derweil steht ein kleiner Rest des Gefolges etwas verloren auf der windigen Holzbühne und unterhält sich über Heizdecken.

Das Chaos bricht aus, als schließlich die Süßigkeiten verteilt werden, alle Kinder stürmen nach vorn. "Es ist unbeschreiblich, in so leuchtende Kinderaugen zu gucken", sagt der Prinz noch einmal. Er tauscht das Prinzenfoto gegen ein liebevoll von den Kindern gebasteltes Buch, dann muss sich die Truppe beeilen: Der Empfang bei Bürgermeister Josef Heyes im Schloss Neersen steht an. Vorher müssen sie noch einen kleinen Umweg machen und zwei Rahmen für weitere Fotogeschenke holen. "Wir haben so viel geplant und organisiert, aber irgendwas vergisst man doch immer", sagt Prinzessin Petra.

Im Schloss gibt es dann natürlich erst mal wieder Sekt. Auch das Kinderprinzenpaar ist gekommen. Die Stimmung ist gelöst. Einer aus dem Gefolge hat schon Lippenstift im Gesicht. Der Bürgermeister zeigt sich stolz auf die närrische Vertretung Willichs und erzählt, wie er bei seiner ersten Proklamation aus Versehen "Gut Schuss" statt Helau gerufen hatte.

"Jetzt habe ich mich gerade in meine Rolle eingefunden, und da ist es auch schon fast wieder vorbei", bedauert Rainer I. und fügt hinzu: "Es ist toll, dass wir so viele herzliche Dinge erlebt haben."

Nach dem Eintrag ins Golde Buch haben die Jecken einen Termin im Schiefbahner Altenheim. An diesem Tag stehen noch viele herzliche Stationen an, bis nachts um drei: von der Kälte keine Spur mehr.

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