Die Stadt Willich ist nun wieder Eigentümerin des Areals. Die Vermarktung wird fortgesetzt.

Stahlwerk Becker
Zurück auf Anfang? Kämmerer Kerbusch denkt über einen Rückkauf des Wasserwerks ...

Zurück auf Anfang? Kämmerer Kerbusch denkt über einen Rückkauf des Wasserwerks ...

... und des Wasserturms nach.

Vertragsunterzeichnung vor dem Bild des ehemaligen Wasserwerks auf dem Stahlwerk-Becker-Gelände: In der hinteren Reihe stehen (v.l.): Christian Winterbach, Andreas Hans und Bernd-Dieter Röhrscheid. Vorne sitzen (v.l.) Christian Pakusch, Josef Heyes und Willy Kehrbusch.

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Zurück auf Anfang? Kämmerer Kerbusch denkt über einen Rückkauf des Wasserwerks ...

Willich. Die Vertragsunterzeichnung erfolgte am Freitagnachmittag vor der Sitzung des Aufsichtsrats der Grundstücksgesellschaft der Stadt Willich. Jetzt ist die Stadt und nicht mehr die Grundstücksgesellschaft Eigentümerin des Gewerbegebiets Stahlwerk Becker. Das städtische Vermögen wuchs somit um rund 14 Millionen Euro.

Auch wenn längst nicht alles so glatt lief wie ursprünglich angenommen. Das Stahlwerk Becker gilt heute als Erfolgsmodell. Die Grundstücksgesellschaft kaufte das Areal am 30. Dezember 1997 vom Bundesvermögensamt für 2,5 Millionen D-Mark. Das Kuriose vor 17 Jahren: Die Behörde akzeptierte nur einen Barscheck. Bis auf 250 000 D-Mark sollte der Kaufpreis indirekt zurückerstattet werden. Das Bundesvermögensamt erstattete Kosten, die für die Beseitigung von Altlasten entstanden.

Das Areal ist heute zu 80 Prozent vermarktet

Die Geschäftsführer der ersten Stunde, Theo Eckelboom, Gerd Zenses und Willy Kerbusch hatten ein ehrgeiziges Ziel: „Wir wollten das Gebiet binnen fünf Jahren komplett vermarktet bekommen“, sagt Kerbusch.

Heute ist das Areal zu 80 Prozent vermarktet. „Altlasten-Grundstücke sind wesentlich schwerer zu veräußern als jungfräuliche Flächen auf der grünen Wiese“, weiß Kerbusch mittlerweile. Lange hatte es gedauert, bis die riesige Halle 4 zwei Nutzer fand – sie war zuvor in den Jahren 2012 und 2013 für gut zwei Millionen Euro saniert worden. Gründerzentrum und Halle 4 bleiben auch künftig im Besitz der Grundstücksgesellschaft. Die Verantwortlichen sind stolz auf diese Musterbeispiele einer vorbildlichen Nutzung von Baudenkmälern.

„Wir haben aber noch zwei ungelöste Fälle“, gibt Kerbusch zu. Er meint den alten Wasserturm und das ehemalige Wasserwerk. Und er deutet in diesem Zusammenhang an, dass die Geduld der Grundstücksgesellschaft nicht endlos ist: „Wenn da nicht kurzfristig etwas passiert, werden wir über eine Rückauflassung nachdenken.“ Der Willicher Firma Paschertz gehört der alte Wasserturm. Die Grundstücksgesellschaft ist gespannt auf das Nutzungskonzept, das zurzeit in Arbeit ist.

Becker früher Das Gelände und die historischen Gebäude wurden von 1908 bis 1945 als Stahlwerk genutzt. Von 1945 bis 1947 war dort Kleingewerbe untergebracht. In der Zeit von 1948 bis 1992 erfolgte die Nutzung durch die Royal Engeneers. Die Grundstücksgesellschaft kaufte das Areal am 30. Dezember 1997 vom Bundesvermögensamt.

Die Erschließung des Gewerbegebiets schlug mit 13 Millionen Euro zu Buche. Größte Ausgabeposten waren die Entwässerung (5,1 Millionen), die Herstellung der Verkehrsflächen (7,15 Millionen) und die Schaffung von Grünflächen (570 000 Euro). Die Wasserachse kostete 2,9 Millionen Euro. Dafür gab es im Rahmen der Euroga Zuschüsse. Das Versickerungsbecken kostete 482 000 Euro. 315 Straßenlampen summierten sich auf 705 000 Euro, die drei unterirdischen Glascontainer auf 15 000 Euro. Es wurden 200 000 Kubikmeter umbauter Raum abgerissen, der Höhenunterschied von 2,80 Metern beseitigt.

Es sind heute dort etwas mehr als 100 Firmen angesiedelt (1400 Arbeitsplätze). Diese zahlen vier Millionen Euro Gewerbesteuer und 240 000 Euro Grundsteuer B im Jahr. rudi

Das Wasserwerk ist im Besitz eines Mönchengladbacher Unternehmens. Kerbusch könnte sich vorstellen, dass die Grundstücksgesellschaft beide Gebäude wieder übernimmt. An der Anrather Straße soll das Ambulatorium errichtet werden. „Wir sind sehr weit in den Verhandlungen“, sagte Willy Kerbusch.

Bernd-Dieter Röhrscheid (SPD), der das Projekt „Stahlwerk Becker“ von Anfang an begleitet hat, spricht von einem Erfolgsmodell: „Mit geringem Personalaufwand – die Kämmerer Eckelboom und jetzt Kerbusch leiteten die Grundstücksgesellschaft mehr oder weniger ehrenamtlich – ist eines der attraktivsten Gewerbegebiete entstanden.“ Bürgermeister Josef Heyes erinnerte an folgendes: „In manch anderer Stadt sind ehemalige Kasernen immer noch ungenutzte Brachen.“

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