Wie der Vorster Elektro-Meister Gottfried Menzel versucht, seinen Nachwuchs individuell zu fördern.

Richard Hauptmeier (r.) hat es geschafft: Er ist seit einigen Wochen Geselle. Dominic Jost wird im Sommer seine Prüfung ablegen. Er kann seine Lehre verkürzen.
Richard Hauptmeier (r.) hat es geschafft: Er ist seit einigen Wochen Geselle. Dominic Jost wird im Sommer seine Prüfung ablegen. Er kann seine Lehre verkürzen.

Richard Hauptmeier (r.) hat es geschafft: Er ist seit einigen Wochen Geselle. Dominic Jost wird im Sommer seine Prüfung ablegen. Er kann seine Lehre verkürzen.

Kurt Lübke

Richard Hauptmeier (r.) hat es geschafft: Er ist seit einigen Wochen Geselle. Dominic Jost wird im Sommer seine Prüfung ablegen. Er kann seine Lehre verkürzen.

Vorst. Richard Hauptmeier ist stolz - mit Recht. Der 21-jährige Vorster hat gerade mit Erfolg die Ausbildung zum Elektroniker, Fachrichtung Energie und Gebäudetechnik, abgeschlossen. Er arbeitet seit wenigen Wochen als Geselle in seinem Ausbildungsbetrieb, dem Vorster Unternehmen Elektro Baumanns.

Das ist für den jungen Mann keine Selbstverständlichkeit, denn beinahe wäre seine Lehre nach knapp anderthalb Jahren zu Ende gewesen. Zumindest, wenn es nach seinen Lehrern gegangen wäre. "Die riefen mich an und empfahlen mir, Richard zu entlassen", erinnert sich Gottfried Menzel, Chef bei Elektro Baumanns. Der Grund: Hauptmeier hing in der Schule durch. "Ich habe die Berufschule damals wie Urlaub angesehen und nichts getan. Irgendwie habe ich so die schulische Grundlage verschlafen", gibt Hauptmeier ehrlich zu.

"Ich habe die Berufsschule wie Urlaub angesehen und nichts getan."

Richard Hauptmeier, heute Geselle

Doch statt dem Rat der Schule zu folgen, setzten sich Chef, Eltern und Azubi in Vorst zusammen und überlegten, was zu machen sei. "Ich fand es schade, die Lehre einfach so wegzuwerfen. Flügel hängen lassen gibt es bei mir nicht", betont Menzel. Gemeinsam fand man eine Lösung und die hieß: verlängerte Lehrzeit.

Aus dreieinhalb wurden viereinhalb Jahre. Menzel setzte sich für seinen Lehrling ein und dieser ging ins erste Lehrjahr zurück. "Mein schlechter Ruf an der Schule war leider da und dagegen musste ich hart arbeiten. Ich habe Nachhilfe bei der Kreishandwerkerschaft genommen, und in der Firma waren immer alle da, wenn ich mal eine Frage hatte."

Nicht nur in einem solchen Fall macht sich Menzel für seine Auszubildenden stark. Bei Dominic Jost war es genau umgekehrt. Hier setzte der Firmeninhaber alle Hebel in Bewegung, damit der 27-jährige Azubi, der zuvor neun Semester Elektrotechnik studiert hat, die Lehre auf zwei Jahre verkürzen kann. "Das ist gar nicht so einfach. Trotz phantastischer Noten muss man erst einmal grünes Licht bekommen", berichtet Menzel. Es hat funktioniert. Jost hat seine Zwischenprüfung abgelegt und macht im Sommer seinen Abschluss.

Zurzeit sind vier junge Leute in der Ausbildung

Derzeit lernen insgesamt vier Azubis bei Elektro Baumanns. "Wir bauen auf junge Leute. Sie sind unsere Zukunft. Draußen bekommt man doch fast keine vernünftigen Facharbeiter mehr", sagt Menzel. Er ziehe sich seinen eigenen Fachnachwuchs selbst heran und gehe dafür auch gerne auf Elternsprechtage in die Berufsschule, um zu erfahren, wo Probleme liegen. Bei Mitarbeiterschulungen sind die Azubis dabei, und auch bei den regelmäßigen Treffen untereinander fehlen die Lehrlinge nicht.

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