Bei der Grünen Woche in Berlin haben Schafzüchter aus Kempen und Vorst ganz groß abgeräumt.

Schafzüchter mit Auszeichnungen der Grünen Woche in Berlin (v.l.): Dirk Wolter aus Kempen (Coburger Fuchsschaf), Peter Adams aus Tönisberg (Graue gehörnte Heidschnucke) und Dirk Pricken aus Vorst (Coburger Fuchsschaf).
Schafzüchter mit Auszeichnungen der Grünen Woche in Berlin (v.l.): Dirk Wolter aus Kempen (Coburger Fuchsschaf), Peter Adams aus Tönisberg (Graue gehörnte Heidschnucke) und Dirk Pricken aus Vorst (Coburger Fuchsschaf).

Schafzüchter mit Auszeichnungen der Grünen Woche in Berlin (v.l.): Dirk Wolter aus Kempen (Coburger Fuchsschaf), Peter Adams aus Tönisberg (Graue gehörnte Heidschnucke) und Dirk Pricken aus Vorst (Coburger Fuchsschaf).

Kurt Lübke

Schafzüchter mit Auszeichnungen der Grünen Woche in Berlin (v.l.): Dirk Wolter aus Kempen (Coburger Fuchsschaf), Peter Adams aus Tönisberg (Graue gehörnte Heidschnucke) und Dirk Pricken aus Vorst (Coburger Fuchsschaf).

Vorst/Kempen. Ein Bild von einem Bock! Und gehörnt ist er auch noch. Schließlich gehört das auf der Grünen Woche in Berlin ausgezeichnete Tier zur Rasse der gehörnten Heidschnucken. Es errang den Titel Bundessieger und Bundeswollsieger und wurde das zweitbeste Schaf der Ausstellung.

"Donnerstag sind wir angekommen", beschreibt Züchter und Besitzer Peter Adams die Zeit in der Bundeshauptstadt. "Und ab 10.30Uhr am Freitag haben wir gefeiert", sagt der Tönisberger. Dazu gab es allen Grund, denn auch die Böcke von Dirk Pricken aus Vorst und Dirk Wolter aus Kempen wurden mit Bundespreisen ausgezeichnet. Die Tiere gehören zur Rasse der Coburger Fuchsschafe.

"So einen Erfolg hatte der Landesverband der Schafzüchter noch nie!" sagt Adams mit leuchtenden Augen. Sein Erfolg wiegt besonders schwer, denn die Heidschnucken sind in der Lüneburger Heide beheimatet. "Bisher habe ich meine Zuchttiere dort gekauft, jetzt kommt man zu mir", sagt er stolz. "Das ist ein Erfolg, den hat man als Züchter nur einmal im Leben", benennt der 54-Jährige die persönliche Bedeutung der Auszeichnung. Nur alle vier Jahre sind die Landschaf-Rassen auf der Grünen Woche vertreten.

Züchter leben von Küchenstudio und Versicherungen

Diese Rassen erfordern von ihren Züchtern viel Enthusiasmus - leben können sie davon nicht. Deshalb hat Adams ein Küchenstudio in Tönisberg, Pricken ist Versicherungskaufmann. An den Landschafen ist auch sonst nicht viel dran. "Dafür müsste man Fleischschaf-Rassen halten", sagt Wolter.

Mit der Wolle ist es das gleiche Problem. Die Tiere müssen jedes Frühjahr geschoren werden. "Wir haben noch Glück" sagt Pricken. "Wir können unsere Wolle zur Wollfabrik nach Gladbach bringen." Das bringt zwar weniger ein, als das Scheren kostet. Aber Adams muss die Wolle sogar entsorgen, denn die ist bei Heidschnucken sehr hart. Selbst ein Einsatz als ökologischer Dämmstoff lohnt nicht. Die Wolle der Fuchsschafe dagegen werden als zarte Vliese zum Filzen oder als Kammzüge zum Spinnen verkauft.

Fuchsschafe gehören zu den bedrohten Rassen

Die Coburger Fuchsschafe, deren Wollvlies eine leicht goldene Färbung hat, gehören zu den bedrohten Rassen. Sie vor dem Aussterben zu bewahren, ist durchaus sinnvoll. Schließlich sind sie an deutsche Witterungsverhältnisse besonders gut angepasst und können extensiv, ohne intensive Betreuung, gehalten werden. Eigenschaften, die genetisch verankert sind und irgendwann wieder an Bedeutung gewinnen können.

Doch das Verständnis für die Arbeit der Züchter und die Bedeutung und Bedürfnisse der Schafe sinkt. Alle drei Männer berichten einhellig von Menschen, die nicht begreifen, dass Schafe nicht von Hunden gejagt werden wollen. ",Mein Hund muss doch spielen’, hat mir mal eine Frau gesagt", erinnert sich Pricken. "Dann kann ich mir ja gleich einen Fuchs holen und ihn zum Spielen in den Hühnerstall setzen." Eines seiner wertvollen Zuchttiere fand auf diese Art den Tod.

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