Am späten Nachmittag erklärte Bürgermeister Josef Heyes dann, dass man das Urteil so nicht akzeptieren werde.

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Bisher gibt es auf dem künftigen Golfplatz nur ein kleines Übungsgelände.

Bisher gibt es auf dem künftigen Golfplatz nur ein kleines Übungsgelände.

Andreas Bischof

Bisher gibt es auf dem künftigen Golfplatz nur ein kleines Übungsgelände.

Anrath. Das Bauschild steht schon seit über zwei Monaten. Doch bevor der erste Golfball am Renneshof zwischen Anrath und Forstwald fliegt, wird noch viel Zeit vergehen. Gestern hat das Düsseldorfer Verwaltungsgericht nämlich entschieden, dass der von der Stadt aufgestellte Bebauungsplan unwirksam ist. Damit kann der Golfplatz vorerst nicht gebaut werden.

Ein Landwirt, der sich um die Zukunft seines Hofes sorgt, hatte gegen die Baugenehmigung geklagt - und Recht bekommen. "Bei der Aufstellung des B-Plans wurden die Emissionen, die von dem nahen Schweinezuchtbetrieb ausgehen, nicht in die Abwägungen einbezogen", erläuterte eine Sprecherin des Verwaltungsgerichts auf Anfrage unserer Redaktion.

Geruchsbelästigungen nicht ausreichend berücksichtigt

Im Klartext: Die Geruchsbelästigungen, die von den über 1000 Mastschweinen ausgehen könnten, hatte die Stadt nach Ansicht der Richter ignoriert. Es sei lediglich geprüft worden, ob die Gäste im geplanten Renneshof-Restaurant vom Gestank betroffen sein könnten.

Da mehrere hundert Meter Abstand zwischen Schweinestall und Küche liegen, hatte die Stadt dies jedoch per Gutachten ausgeschlossen. Ob aber die Golfer unter den wabernden Düften leiden, schien deren Problem zu sein. "So einfach darf es sich die Stadt aber nicht machen", kritisierte das Gericht.

Die Stadtverwaltung ist von dem Urteil offenbar böse überrascht worden. Auf Anfrage unserer Redaktion hieß es zunächst: "Heute gibt es zu diesem Thema keine Auskunft." Erst müsse der Verwaltungsvorstand die Sache diskutieren. Am späten Nachmittag erklärte Bürgermeister Josef Heyes dann, dass man das Urteil so nicht akzeptieren werde. Der B-Plan sei sehr sorgfältig aufgestellt worden.

Die Krefelder Ingeborg und Dieter Witt sind Investoren des neuen Golfplatzes. Sie hatten zuvor bereits versucht, in Krefeld-Forstwald einen Golfplatz zu bauen, waren dort aber am Widerstand der Anwohner gescheitert.

Die Investitionskosten für den Golfpark Renneshof liegen bei 3,7 Millionen Euro. Geplant ist eine 18-Loch-Anlage mit einer Größe von 55 Hektar, deren Kern der denkmalgeschützte Renneshof werden soll.

Pläne für den Golfplatz liegen bereits seit 2006 auf dem Tisch. Immer wieder gab es aber Probleme und Verzögerungen. Landwirte brachten große Bedenken vor - vor allem der Schweinehalter, der nun auch Klage eingereicht hatte. Der Kreisagrar-Ausschuss der CDU forderte deshalb Planungsausschuss und Bürgermeister vor zwei Jahren auf, besagter Landwirt dürfe zu keiner Zeit Nachteile durch das Freizeitgelände haben, er müsse seinen Betrieb jederzeit vergrößern können. Als der B-Plan im März 2009 verabschiedet wurde, erklärte dann Jochen Kock als Vorsitzender des Planungsausschusses: "Wir sind sehr sorgfältig mit dieser nicht konfliktfreien Sache umgegangen."

Für David Haggart, Geschäftsführer des Golfparks Renneshof, war gestern schon klar: "Bis zum Baubeginn werden wir leider noch etwas warten müssen." Die Baugenehmigung von der Stadt hat er zwar schon seit Januar in der Tasche. Da aber das Urteil noch ausstand, habe man bisher die Bagger noch nicht anrollen lassen, um jedes Risiko auszuschließen. Offenkundig eine weise Entscheidung.

"Drei Jahre habe ich um die Baugenehmigung gekämpft, jetzt habe ich sie, kann aber immer noch nichts tun", sagt David Haggart frustriert. Hunderte Golfer warteten auf den neuen Platz, doch leider habe ein Nachbar etwas dagegen.

Noch im März hatte Haggart fest damit gerechnet, im Herbst die ersten neun Bahnen spielfertig zu haben - jetzt ist nicht einmal klar, ob bis dahin gebaut werden kann. Von der Stadt gab es auch dazu keine Auskünfte.

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