Eine ungewöhnliche Fahrschule mit der beliebten Gehhilfe gab es am Mittwochmorgen auf dem Willicher Kasierplatz.

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Vor der Begegnungsstätte am Willicher Kaiserplatz haben sich die Senioren zur Rollator-Fahrschule formiert.

Vor der Begegnungsstätte am Willicher Kaiserplatz haben sich die Senioren zur Rollator-Fahrschule formiert.

Kurt Lübke

Vor der Begegnungsstätte am Willicher Kaiserplatz haben sich die Senioren zur Rollator-Fahrschule formiert.

Willich. „So richtig gewöhnt habe ich mich daran noch nicht“, bekennt der frühere CDU-Ratsherr Manfred Möller aus Anrath. Dabei hat sich der 86-Jährige gerade einen Rollator der Extraklasse, den „Troja“, zugelegt.

Mit seinen Problemen ist er offenbar nicht allein: Zehn Damen und Herren haben sich an diesem Morgen in der Willicher Begegnungsstätte am Kaiserplatz zu einer Rollator-Fahrschule getroffen.

Olga Stopka gibt praktische Tipps

Gertrud Spaan (77), die das rollende Hilfsmittel seit eineinhalb Jahren benutzt, ist davon begeistert: „Ich möchte ihn nicht missen“. Genau wie die 84-jährige Irma Stramka, die im fünften Jahr damit unfallfrei unterwegs ist und besonders schätzt, „dass ich mich darauf auf dem Weg zum Friedhof auch setzen und eine kleine Pause einlegen kann.“ Obwohl es ihr am Anfang etwas komisch vorkam, sich mit diesem Gefährt zu zeigen.

Beim Training in der Begegnungsstätte steht wie in der normalen Fahrschule zunächst einmal theoretischer Unterricht auf dem Lernprogramm. Dabei gibt Olga Stopka vom Krefelder „Reha Team West“ praktische Ratschläge: „Der Rollator muss richtig eingestellt sein. Sind die Griffe zu hoch, schlafen die Arme ein, sind sie zu tief, laufen sie krumm.“

Wichtig ist der Expertin auch, dass man immer zwischen dem Rollator gehen solle und nicht davor: „Nur dann sind sie immer bremsbereit.“ Nützlich sei eine Ablage sowie für den häuslichen Gebrauch.

Die 80-jährige Helga Brandt zeigt ihre neueste Errungenschaft, die sie gerade von ihrer Tochter zum Geburtstag bekommen hat: einen Regenschirm, dessen Griff am Rollator festgemacht wird. An ihrem Mobil sind ferner für ihre Spaziergänge in der Dunkelheit einige refklektierende Streifen angebracht.

„Es gibt schon spezielle Leuchten oder ziehen Sie sich eine Warnweste an“, rät ihr Olga Stopka. Noch ein Ratschlag: „Legen sie Geld oder Wertsachen nie in das Körbchen des Rollators oder befestigten sie die Handtasche daran, sondern tragen sie die Wertsachen immer am Körper.“

Nach der Theorie geht es zur Praxis nach draußen

Nach der Theorie geht es nach draußen zum praktischen Unterricht. Zwischen Willicher Rathaus und alter Feuerwache wird gezeigt, wie man hohe Bordsteinkanten bewältigt. Keine Probleme damit hat Hugo Frischemeier (84), dessen Frau Anna-Maria (beide sind fast 56 Jahre miteinander verheiratet) ihn im Juni 2010 zum Kauf eines Rollators „überredet“ hatte: „Ich habe das vor unserem Urlaub in Südtirol zur Bedingung gemacht“.

Darüber schmunzelt auch Gertrud Bläser. Die 97-Jährige ist seit 1989 mit der rollenden Gehhilfe unterwegs und hat schon einen Rollator „verschlissen“. Gertrud hat ihren Gehstock dabei, den sie im Korb des Rollators ablegte. Das gefällt der „Fahrlehrerin“ aber überhaupt nicht: „Sie brauchen unbedingt einen Stockhalter.“

„Das machen wir jetzt auch in den anderen Stadtteilen und Begegnungszentren,“ sagt zum Abschluss Hans-Peter Jansen vom Seniorenbeirat. Der hat die besondere Fahrschule gemeinsam mit der Leiterin der Begegnungsstätte, Renate Kirsch, und mit der Privaten Altenhilfe organisiert.

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