Das Hilfswerk action medeor verzeichnet für die Flutkatastrophe in Pakistan nur geringe Spendenbereitschaft.

Tönisvorst/Pakistan. Schon die Zahlen sind unvorstellbar, das Elend erst recht: In Pakistan sind rund 20 Millionen Menschen von der schweren Flutkatastrophe betroffen, unzählige haben ihre Häuser und Äcker verloren - und damit ihre komplette Lebensgrundlage.

Und obwohl es den Menschen dort an allem fehlt - auch an medizinischer Versorgung - zeigen sich die sonst recht spendenfreudigen Deutschen verhalten.

Das Medikamentenhilfswerk action medeor in Tönisvorst etwa verzeichnet in Bezug auf Pakistan eine nur geringe Spendenbereitschaft: "Im Verhältnis zur Not, die im Land herrscht, gehen sehr wenig Spenden bei uns ein", sagt Vorstand Bernd Pastors.

"Nur weil die Männer Bärte tragen, sind sie keine Terroristen."

Bernd Pastors, medeor-Vorstand

In Zahlen: "Bisher haben wir etwa 50 000 Euro erhalten", sagt er. "Das ist erheblich weniger als nach dem Erdbeben in Haiti - in einem ähnlichen Zeitraum." Er führt das darauf zurück, dass Pakistan hierzulande negativ besetzt sei, vor allem durch die Taliban, die auch dort aktiv sind.

"Aber es geht um die Menschen", sagt er. "Nur weil die Männer Bärte tragen, sind sie keine Terroristen - sondern Familienväter."

Action medeor gehört zum Bündnis "Aktion Deutschland hilft", einem Zusammenschluss von zehn Hilfsorganisationen. Im Katastrophenfall werden so Kräfte gebündelt.

Wer an das Medikamentenhilfswerk spenden möchte, kann einen beliebigen Betrag auf dieses Konto einzahlen: Sparkasse Krefeld, BLZ 320 500 00, Kontonummer 9993, Verwendungszweck "Pakistan".

Im Land kommen gleich mehrere Probleme zusammen. Viele Krankenhäuser und Medikamentenlager sind selbst von der Flut betroffen. Zudem wächst durch die verschmutzten Wassermassen die Seuchengefahr.

"Wir haben gerade eine riesige Lieferung mit Medikamenten losgeschickt", sagt Pastors. Dabei waren auch Tabletten zur Wasserentkeimung, denn es wurden schon erste Fälle von Cholera gemeldet.

Hilfreich seien Sachspenden aus dem pharmazeutischen Bereich gewesen - doch es fehle trotzdem an allen Ecken und Enden. "Es ist seltsam, denn wir haben gerade eines der besten Quartale der vergangenen Jahre abgeschlossen", sagt Pastors.

Der Transport der Medikamente verschlingt große Summen.

Ausgerechnet jetzt, im Angesicht der riesigen Katastrophe, laufe es schleppend. Er appelliert an die Menschen, Vorbehalte abzubauen, damit durch Spenden die Versorgung mit Medikamenten in Pakistan sichergestellt werden könne.

Spendengelder würden im Übrigen nicht nur für die Präparate selbst gebraucht: Auch der Transport verschlinge große Summen, die von action medeor getragen werden müssten.

In Pakistan selbst hat das Hilfswerk einen Partner in Peschawar. Zudem gibt es eine Kooperation mit der Weltgesundheitsorganisation, die die Medikamente vor Ort verteilt.

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