Antrag aus Unterschelthof war im Ausschuss kein Thema.

Tönisvorst. Nach dem Starkregen vom 3. Juli mit Überschwemmungen in St. Tönis haben Stadt und Behörden an Möglichkeiten gearbeitet, die Folgen solcher Wassermassen zu begrenzen. Das war Thema im Ausschuss für den städtischen Abwasserbetrieb.

Unter den Zuhörern waren auch betroffene Anwohner vom Unterschelthof. Die hatten drei Tage nach dem Gewitter einen Bürgerantrag an die Stadt gerichtet: Die Nachbarn um Karin Engelhart fordern eine Aktualisierung der Kapazität der Rückhalteflächen und Pumpstationen. Schon bei mittelstarken Regenfällen, argumentieren sie, werde der Fliethgraben benötigt. Besonders ärgerlich für die Betroffenen: Im gefluteten Gebiet mischt sich Abwasser mit Regenwasser.

Der Bürgerantrag sollte jetzt erörtert werden. Er lag aber im Ausschuss nicht vor. Karin Engelhart ist wie ihre Nachbarn enttäuscht: "Die Stadt nimmt unsere Interessen nicht wahr."

Vor Ort waren Experten. Dietmar Schitthelm, Geschäftsführer des Niersverbandes und sein Mitarbeiter Joachim Reichert. Auch dabei: Jörg Langner, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes der Mittleren Niers, und Heinz Barth vom Ingenieurbüro Angenvoort und Barth. Das Büro hat den Generalentwässerungsplan für Tönisvorst entwickelt.

Fazit der Experten: Das Abwasser- und Regenwasserableitungssystem ist groß genug für den Normalfall, entspricht den Vorschriften. Die Pumpstation Unterschelthof (Niersverband) hat einwandfrei und ohne Pumpenausfall funktioniert. Das Versickerungsbecken in Kamperlings (Wasser- und Bodenverband) hat die Massen verarbeitet. In keiner Stadt sei ein System auf ein solches Starkregenereignis ausgelegt. Schitthelm: "Allein Gullys hätten eine Größe von zwei mal zwei Meter haben müssen, um das Wasser von Straßen und Dächern aufzunehmen."

Stadt sprach mit Feuerwehr und Technischem Hilfswerk

Ein Problempunkt zeige sich im Fliethgraben, so Langner: Die Durchlässe unter den Zufahrten der Häuser, die an den Graben grenzen, reichen für normale Wassermengen aus, aber nicht für die Mengen, die aus Unterschelthof heraus zur Versickerungsanlage gepumpt worden waren. Daher sei es zu Überschwemmungen gekommen.

Jörg Friedenberg (stellv. technischer Leiter des Tönisvorster Abwasserbetriebs), sagte, die Stadt habe mit Feuerwehr und THW den Einsatz besprochen und werde Optimierungsideen umsetzen.

Verbesserungen erarbeiten auch der Niers- und der Wasser- und Bodenverband: Der Niersverband will in die Anlage Unterschelthof eine größere Drosselklappe einbauen, um Wasser schneller aus dem Regenrückhaltebecken abzulassen. Das muss mit der Bezirksregierung abgestimmt werden. Als Folge der größeren Klappe müssten die Durchlässe im Fliethgraben vergrößert werden.

Die Anwohner vom Unterschelthof haben die Sitzung höchst unzufrieden verlassen. Sie fühlen sich nicht ernst genommen. Engelhart: "Die Stadt kann bei solchen Regenfällen nicht alles auf einen Punkt, also in den Fliethgraben, leiten. Dadurch werden wir gefährdet." Man werde juristische Schritte prüfen, einen Anwalt für Verwaltungsrecht einschalten und mit der Bezirksregierung sprechen.

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