Um die Sprache zu lernen, hat eine junge Frau aus St.Tönis mehrere Monate in China verbracht. Hier ihr Bericht.

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Acelya Bakir gut gelaunt bei einem Ausflug unter den Lampions der Straßen von Shanghai.

Acelya Bakir gut gelaunt bei einem Ausflug unter den Lampions der Straßen von Shanghai.

privat

Acelya Bakir gut gelaunt bei einem Ausflug unter den Lampions der Straßen von Shanghai.

St.Tönis/Peking. Nein, was diese fünf Schriftzeichen zu bedeuteten hatten, die mich da von einem Plakat neben der Passkontrolle am Pekinger Flughafen im vergangenen September anstarrten, wusste ich nicht. Daneben waren zwei junge Chinesen zusehen, die mich freudestrahlend anblickten.

Das passte so gar nicht zu den Gedanken, die ich mir da in der großen Halle mit zwei unerlaubt schweren Gepäckstücken in der Hand machte. Denn eine genaue Vorstellung von dem, was in einem Semester Chinesisch Sprachunterricht an der Peking Universität auf mich zukommen würde, hatte ich nicht.

Nun, zunächst einmal bedeutete es: chinesisches Wohnheim. Obwohl ich mit vielem gerechnet hatte, übertraf dessen Zustand meine Vorstellungskraft. Ein verfallener Gebäudekomplex, in dem ich mir ein etwa 15 Quadratmeter großes Zimmer mit einer Mitbewohnerin teilte und gemeinschaftlich genutzte Sanitäranlagen, die dem Namen nicht gerecht wurden. Neben uns Studenten beherbergte es auch so allerlei Tierarten - oder sollte ich besser sagen: Insektenarten...

"Was mache ich hier überhaupt?"

Frage der verzweifelten Acelya Bakir nach den ersten Peking-Tagen.

Doch wie schlimm die Wohnverhältnisse auch waren, gewöhnen tat ich mich schnell und (fast) problemlos an mein Zimmer und die Plumpstoilette mit schweren Rohr-Verstopfungs-Problemen. Das aber erst nach den obligatorischen Fragen, etwas "Was mache ich hier überhaupt?" und "Wie viel es wohl kostet, das Rückflugticket auf morgen umzubuchen?"

Die größte Herausforderung bestand in der Sprache. Chinesisch hatte ich zwar fünf Semester zu Hause gelernt, doch das bedeutete nicht das Geringste, wie sich sehr schnell - nämlich nach dem Verlassen des Flugzeuges - herausstellte.

Im Unterricht verstand ich gar nichts. An meinem verzweifelten Gesichtsausdruck erkannten das wohl die Lehrer, die dann erstmal keine geistreichen Antworten erwarteten. Zum Unterhalten und zu guten Noten hat es aber schon bald gereicht.

Anders verhielt es sich mit den Speisekarten. Meine Vermutung: Aus einer rätselhaften Parallelwelt sind sie auf China gefallen. Selbst wenn man die komplizierten Zeichen lesen kann (was eine große Leistung ist), heißt das noch lange nicht, dass man weiß, was einem vorgesetzt wird. Trotzdem: Das als chinesische Delikatesse bekannte Katzenfleisch habe ich nicht gegessen - oder habe es jedenfalls nicht bestellt!

Stattdessen gab es von Nudeln über Reis viele Köstlichkeiten zu probieren. Denn keinesfalls ist chinesisches Essen gleich chinesisches Essen. Das unterscheidet sich je nach Region erheblich. Im Norden mehr Nudeln als Reis und das schön fettig. Das Rätsel um die gleichzeitige Schlankheit der meisten Chinesen konnte ich trotz intensiver Recherche nicht lösen. Sicher ist: Es hat etwas mit dem heißen Tee zu tun, den sie zu jeder Zeit mit sich tragen und schlürfend zu den Lippen führen.

Nicht nur in seinen Speisen wird Chinas Vielfältigkeit deutlich, sondern auch in seinen Menschen: Im "Land der Mitte" leben über 50 ethnische Minderheiten zusammen. Das wird ganz selbstverständlich und auch mit Stolz erzählt und weitergegeben. In das im "Westen" vorherrschende Bild über die Volksrepublik passt das nicht so ganz.

Ach ja, die fünf Schriftzeichen vom Anfang: "Peking heißt dich willkommen" stand auf dem Plakat geschrieben. Na, hätt’ ich das damals doch auch gewusst!

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