Planung: Ein St. Töniser Unternehmer möchte ökologischen Strom erzeugen. Seit Monaten wird das Thema aufgeschoben.

Tönisvorst. Günter Luppertz aus St. Tönis versteht die Welt nicht mehr. Er würde gern einen weiteren Betrieb gründen, von dem aus auch Steuern ins Stadtsäckel fließen würden, allein: Man lässt ihn nicht. Seit fast einem Dreiviertel Jahr lässt die Politik ihn zappeln, diskutiert über sein Anliegen, vertagt sich aufs nächste Mal.

Der Reihe nach. Hinter seinem Haus an der Benrader Straße hat der 47-jährige Bauschlosser ein Grundstück. Eine Wiese, auf der in den letzten Jahren die Pferde eines Nachbarn standen. Bauen darf man dort nichts, das Gelände liegt unmittelbar unter einer großen Hochspannungsleitung. "Ich habe mir überlegt, eine ebenerdige Photovoltaik-Anlage zu errichten", sagt der Selbstständige. So etwas gebe es in Tönisvorst noch nicht, die vorhandenen Flächen befinden sich alle auf Dächern.

Er wandte sich an die Stadtverwaltung, die Sache landete im Planungsausschuss. Der entschied: Bevor wir den Bebauungsplan ändern, soll Luppertz seine Nachbarn fragen. Zur Erklärung: Wenn man eine Dachgaube in sein Haus baut, muss man so vorgehen. Bei der geplanten Photovoltaik-Anlage weiß das niemand so genau.

Wie auch immer, Luppertz wandte sich an seine Nachbarn, bekam auch die Zusagen, Von drei Anwohnern hört er nichts. Er traf sie nie an, schrieb schließlich. "Sie haben einfach nicht reagiert", sagt er. Was er auch nicht für schlimm hielt, schließlich könne sich jeder einfach enthalten. Streit hat es im Übrigen nie gegeben.

"Ich müsste die Anlage als Gewerbe anmelden und würde sogar Steuern zahlen. Die will man anscheinend nicht."

Günter Luppertz, potenzieller Investor

Weil mittlerweile die Herstellerfirma der Photovoltaik-Anlage bestätigt hat, dass von den Platten keinerlei Blendwirkung ausgeht, ging Luppertz nun davon aus, dass man ihm sein Vorhaben genehmigen würde. Nebenbei: Die mögliche Blendwirkung war als Hemmnis im Planungsausschuss genannt worden.

Jetzt will’s die Verwaltung nochmal probieren

Das Grundstück an der Benrader Straße ist 3000 Quadratmeter groß.

Die Photovoltaik-Anlage soll eine Fläche von 2000 Quadratmetern bekommen.

Weil die Hochspannungsleitung über die Wiese verläuft, hat Günter Luppertz bereits die Betreiberfirma angeschrieben. Die hat seinem Vorhaben zugestimmt, er musste lediglich bestätigen, dass er sie z.B. dann nicht haftbar macht, wenn mal ein Eiszapfen eine Platte beschädigt.

Der Planungsausschuss tagt wieder am 8. Dezember.

Erneut wurde die Sache beraten, das Ergebnis blieb gleich. Günter Luppertz habe noch nicht die Genehmigung aller Nachbarn. Jetzt soll die Verwaltung in Aktion treten und noch mal versuchen, Stimmen einzuholen. "Und das soll funktionieren?", fragt Luppertz. Für ihn stellt sich die Situation so dar, dass die Angelegenheit mal wieder aufgeschoben wurde. Als Bedenkenträger präsentierte sich die CDU, bisweilen flankiert von der FDP. Auf die Frage von Johannes Funck (SPD), was sie gegen die Photolvoltaik-Anlage habe, hatte allerdings CDU-Politikerin Christiane Tille-Gander betont: "nichts".

Der St. Töniser Bauschlosser versteht das Ganze trotzdem nicht. "Ich müsste doch die Anlage als Gewerbebetrieb anmelden und würde sogar Steuern dafür zahlen. Die will man anscheinend nicht." Was er zudem komisch findet: Ein Gewächshaus mit einer Firsthöhe könnte man auf der Wiese sofort bauen. Das könne niemand verhindern.

Die Zuschüsse werden immer geringer

Und dass der benachbarte Gewerbebetrieb das Dach voll Voltaik-Platten hat, nehme offenbar niemand zur Kenntnis. Und weil die Zuschüsse für Photovoltaik immer geringer würden, rechne sich das für ihn irgendwann auch nicht mehr. Vom Ärger und Stress mal ganz abgesehen.

Luppertz hat die Befürchtung, es könne ihm so ergehen, wie seinem Vater. Der hatte seinerzeit dort gebaut. Weil das Haus in der so genannten Hochspannungsschutzzone liegen sollte, zogen sich die Genehmigungen - es dauerte fast zehn Jahre, bis der Grundstein gelegt war.

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