Die belastete Erde ist entsorgt, doch im Grundwasser werden noch erhöhte Aethylacrylat-Werte gemessen.

Nichts erinnert mehr an früher: Für drei Millionen Euro ist die alte Fabrik abgerissen und der belastete Boden entsorgt worden.
Nichts erinnert mehr an früher: Für drei Millionen Euro ist die alte Fabrik abgerissen und der belastete Boden entsorgt worden.

Nichts erinnert mehr an früher: Für drei Millionen Euro ist die alte Fabrik abgerissen und der belastete Boden entsorgt worden.

Reimann

Nichts erinnert mehr an früher: Für drei Millionen Euro ist die alte Fabrik abgerissen und der belastete Boden entsorgt worden.

St. Tönis. "Die Sanierung ist jetzt abgeschlossen", verkündete Jacques Migniot, Geschäftsführer von Cray Valley. Entstanden ist das teuerste Matschfeld in St. Tönis: Drei Millionen Euro hat sich die Firma Cray Valley die Entgiftung ihres alten Geländes an der Mühlenstraße kosten lassen - eine Million davon haben allein die zahlreichen Gutachten und Messungen gekostet, die nötig waren, um die Sicherheit von Arbeitern und Anwohnern jederzeit zu gewährleisten.

16000 Tonnen kontaminierten Bodens wurden entsorgt

Nicht nur die kompletten Fabrikgebäude waren abgerissen worden. Um die in der alten Kunstharz-Fabrik verwendeten Schadstoffe zu entfernen, wurden 16000 Tonnen kontaminierter Boden vier, zum Teil sogar acht Meter tief ausgehoben und entsorgt. Auch schon durchgefaulte, löchrige Tanks mit Resten des Schadstoffs Aethylacrylat mussten entfernt werden. Sie waren in den 50er Jahren auf dem Firmengelände vergraben worden und hatten während der Entsorgungsarbeiten einen unangenehmen Geruch freigesetzt.

Das alles ist nun Geschichte. "Jetzt könnte hier baurechtlich auch ein Kindergarten drauf stehen", sagt Andreas Pauwelen, Sprecher von Cray Valley.

Doch völlig abgeschlossen ist die Entgiftung noch nicht: Denn in den Erdschichten weiter unten, wo sich das Grundwasser befindet, gibt es noch Rückstände der Chemikalien. 300 bis 400 Nanogramm Aethylacrylat werden nach fünf Jahren Reinigung durch eine Grundwassersanierungsanlage noch immer pro Liter Grundwasser gemessen.

Das Problem: Es gibt keine eindeutigen Vorschriften, wie viel von diesem Schadstoff im Grundwasser unbedenklich ist. 0,3 Nanogramm pro Liter - also ein Tausendstel der gemessenen Menge - sind im Trinkwasser erlaubt. Darüber hinaus ist die Grundwassersanierungsanlage an einem Punkt angelangt, an dem nicht mehr allzu große Verbesserungssprünge in den Messwerten zu erwarten sind - einerseits.

Andererseits "kommt es auch auf die Interpretation der Ergebnisse an", erklärt Gutachter Stefan Grothaus. Denn es werden immer noch Giftstoffe aus dem Boden im Umfeld des Grundwassers gelöst, die beim Abfließen des Wassers von der Anlage herausgefiltert werden. Will heißen: Auch, wenn der Messwert nur noch leicht sinkt, ist es durchaus möglich, dass die Anlage die Wasserqualität weiter nachhaltig verbessert.

Silke Kircheisen, Umweltbeauftragte von Cray Valley, würde die Grundwassersanierungsanlage am liebsten bald abstellen. "Das oberste Gebot unseres Unternehmens ist aber, dass wir das Grundstück einwandfrei übergeben", betont ihr Chef Migniot.

Was aus dem Gelände wird, ist noch ungewiss

Wann das der Fall ist, ist noch unklar. "Denn im Gegensatz zum Boden kann man beim Grundwasser nicht vorhersehen, wie lange die Sanierung noch dauert", so Rainer Röder vom Amt für Technischen Umweltschutz des Kreises Viersen.

Doch auch, während die Anlage das Wasser noch filtert, könne der sanierte Boden schon genutzt werden, sagt Grothaus: "Grundwassersanierung und Bauplanung schließen sich nicht aus." So gäbe es viele Beispiele, wo ein Wohngebiet in einem Bereich entstanden sei, in dem eine solche Anlage noch laufe.

Eine Entscheidung über die weitere Nutzung des Grundstücks ist noch nicht gefallen: "Die Gespräche mit der Stadt laufen noch", so Migniot, denn letztendlich entscheidet die Stadt, wie die Fläche genutzt werden kann.

Während die Anlage noch filtert, wird das Gelände erst einmal mit einem Zaun geschützt, der um das Südgrundstück errichtet wird. Das Nordgrundstück soll weiter frei zugänglich bleiben.

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