Der Flüsterer wirft einen Blick in die Zukunft. Und erspäht dabei durchaus Beachtliches.

An der Willicher Straße in St. Tönis wird die alte Telefonzelle abgebaut (oben). Die Männergruppe der Kolpingsfamilie Willich hatte Flüchtlinge zum gemeinsamen Kochen eingeladen (l.). Die Mitsommernacht feierte der Deutsch-Lettische Freundeskreis (r.).
An der Willicher Straße in St. Tönis wird die alte Telefonzelle abgebaut (oben). Die Männergruppe der Kolpingsfamilie Willich hatte Flüchtlinge zum gemeinsamen Kochen eingeladen (l.). Die Mitsommernacht feierte der Deutsch-Lettische Freundeskreis (r.).

An der Willicher Straße in St. Tönis wird die alte Telefonzelle abgebaut (oben). Die Männergruppe der Kolpingsfamilie Willich hatte Flüchtlinge zum gemeinsamen Kochen eingeladen (l.). Die Mitsommernacht feierte der Deutsch-Lettische Freundeskreis (r.).

Da gab es sie noch, die Kugelahorne am Willicher Markt (o.). Nach einer dritten Volksabstimmung wurden sie abgeholzt und eingelagert.

Da gab es sie noch, die Kugelahorne am Willicher Markt (o.). Nach einer dritten Volksabstimmung wurden sie abgeholzt und eingelagert.

Das war die alte Version des TKK-Wagens in St. Tönis. Für das Jahr 2022 wurde eine zweistöckige Variante entworfen, damit alle Platz finden.

Und alles ist wie immer: Der Schlosssturm zu Neersen wird auch im Jahr 2022 in der heutigen Form abgehalten.

Reimann (2); Malessa, Bild 1 von 5

An der Willicher Straße in St. Tönis wird die alte Telefonzelle abgebaut (oben). Die Männergruppe der Kolpingsfamilie Willich hatte Flüchtlinge zum gemeinsamen Kochen eingeladen (l.). Die Mitsommernacht feierte der Deutsch-Lettische Freundeskreis (r.).

Willich/Tönisvorst. Fast ist es mal wieder geschafft. Wenn’s nicht so despektierlich wäre, könnte man sagen: Die Narren liegen in den letzten Zügen. Aber Scherz beiseite, das Ganze ist eine ernste Angelegenheit – und das nicht nur wegen der vielen Zug-Absagen am Rosenmontag. Der Stadtflüsterer denkt schon an die Zukunft und damit an die nächsten Jahre. Wie wird der Karneval dann aussehen? Schauen wir in die Glaskugel und versuchen wir, ein Szenario zu entwerfen, indem wir uns, sagen wir, ins Jahr 2022 (wegen der schönen närrischen Zahl) beamen. Kommen Sie mit auf karnevalistisch-satirischen Reise in die Zukunft.

Wie die Stadtoberen künftig am Tulpensonntag ziehen

Tönisvorst: Der Wagen für die Offiziellen der Stadt ist nie repariert worden, einen Ersatz gab’s nie. Wir erinnern uns: Wegen der defekten Bremsen wurde das Gefährt Anfang 2016 aus dem Verkehr gezogen. Natürlich fiel eine Reparatur den Sparbestrebungen zum Opfer. Zwischenzeitlich gab’s aber im Jahr 2018 den Vorschlag, jeder Ratsvertreter solle seinen eigenen Bollerwagen mitbringen. Die Idee fiel auf fruchtbaren Boden, ein eingerichteter Arbeitskreis sollte die Angelegenheit für den Tulpensonntagszug 2022 umsetzen. Es gab aber noch weiteren Beratungsbedarf, weshalb man sich auf 2333 vertagt hat. Der Flüsterer wird das Thema begleiten.

Ein Wagen, auf dem Platz für alle Narren ist

Nochmal zurück in die Zukunft zum Zug in der Apfelstadt im Jahr 2022. Hier sorgt das Tönisvorster Karnevals Komitee (TKK) für Furore. Der neue Wagen des Komitees ist zweistöckig. Das wurde so gebaut, weil die Stadtoberen ja seit 2016 keinen eigenen Wagen mehr hatten und deshalb teilweise beim TKK mitfahren mussten. Dieser Missstand wurde nun dadurch behoben, dass der neue Wagen zweistöckig ist. Eine richtig klasse Idee.

Wie man mit Integration Nachwuchssorgen behebt

Das Jahr 2022, die sogenannte Flüchtlingskrise, ist sechs Jahre her. Was wurde damals über die Integration der vielen Flüchtlinge nicht alles sinniert. Und darüber, dass sie mit dem rheinischen Brauchtum so gar nichts anzufangen wüssten. Doch das ist lange vorbei. Der Schlosssturm zu Altweiber in Neersen zeigt, dass hier das Nachwuchs-Problem bei den Fach-Narren dank auswärtiger Hilfe behoben werden konnte. Die Beteiligung der „Eingeborenen“ an dem Sturm ist zwar weiter gebröckelte, dagegen sind diesmal richtig viele Neu-Narren aus den Häusern am Niersweg erschienen. He-Lau.

Von einem Sturm, der gar nicht kläglich scheiterte

Mit einem ganz ungewöhnlichen Rathaus-Sturm macht die Apfelstadt Furore. Die Veranstaltung findet nach längerer Pause wieder am Alten Rathaus statt. Die Narren rennen sich einen Wolf, um die Stadtspitze – an deren vorderster Front immer noch Thomas Goßen kämpft – von der Macht zu vertreiben. Das Unglaubliche gechieht: Der Sturm scheitert. Und weil die Kollegen von Funk und Fernsehen Wind davon bekommen haben, geht die Sache bundesweit rum.

Wie die Narren dann trotzdem noch an die Macht kamen

Jetzt bleibt natürlich die Frage: Haben die Jecken in Tönisvorst nach dem gescheiterten Sturm denn die Macht trotzdem noch übernommen? Oder hat die Stadtspitze den Karneval als Geschäft der laufenden Verwaltung einfach mitverwaltet? Natürlich nicht. Bürgermeister Thomas Goßen hat Urlaub genommen, Kämmerin Nicole Waßen ist kurzfristig krank geworden und auch sonst ist niemand aus der Verwaltung da, der den Vorsitz machen möchte. Was die Idee hervorgebracht hat: Wer am nächsten Tag – völlig zufällig – gegen 11.11. Uhr die Räume des Alten Rathauses betritt, wird Notbürgermeister und damit bis Aschermittwoch Ober-Narr. Das Unglaubliche geschieht: Ex-Prinz Karl-Heinz Lessenich wollte sich eigentlich nur im Trockenen den Schuhriemen binden. Weil das zur fraglichen Uhrzeit geschah, wird er flugs zum närrischen Oberhaupt ernannt. Jetzt alles zusammen: Klapper-tüüüt!

Von Menschen im Amt und Kandidaten für ein Amt

Ein Blick nach Anrath im Jahr 2022: Mit Wohlwollen wird dort natürlich der Zug auch von der Stadtspitze begleitet. Nachdem Kämmerer Willy Kerbusch sich doch entschieden hatte, die volle achtjährige Amtszeit zu machen (angelegt war das 2016 bekanntlich anders), hat Bürgermeister Josef Heyes nachgelegt, sich 2020 erneut zur Wahl gestellt und ist, klar, ins Amt gekommen. Beim aktuellen Zug 2022 nun laufen sich die potenziellen Nachfolger warm und treten als Dreigestirn auf. Das besteht aus dem unvergleichlichen Dieter Lambertz als Bauer, dem unantastbaren Guido Görtz als Jungfrau und dem umtriebigen Markus Gather als Prinzen.

Von einem Hauptsponsor, der am Zugweg liegen wollte

Eine Änderung gibt’s in Anrath in Sachen Zugweg: Der närrische Lindwurm macht eine X-Kurve und schlängelt sich an der Alleeschule vorbei. Das hat einen konkreten Hintergrund: Das dort ansässige Unternehmen ist zum Hauptsponsor aufgestiegen. Weshalb dessen Vorstand darum gebeten hat, doch bitte am Zugweg feiern zu dürfen. Wunsch erfüllt – Helau.

Von einem ökologisch wirklich einwandfreien Zug

Die Ökologie wird immer wichtiger. Es sollen für den Anrather Zug 2022 bitte kein Tropenholz und keine Kunststoffe verwendet werden. Auf der Suche nach heimischem Holz wurden die Wagenbaugruppen schließlich in Willich fündig. In einer Halle im Stahlwerk Becker waren Kugelahorne trocken gelagert worden. Nachdem der Bürgerentscheid zweimal wiederholt worden war, wurden sie nämlich vor zwei Jahren – trotz massiven Protestes – doch noch gefällt. Die Erbauer der Mottowagen loben die hohe Festigkeit des Materials.

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