Die gestoppte Aufarbeitung wundert Johannes Heibel nicht. Er vertritt die Initiative gegen sexuellen Missbrauch.

Missbrauch
Johannes Heibel von der Initiative gegen sexuellen Missbrauch.

Johannes Heibel von der Initiative gegen sexuellen Missbrauch.

NN

Johannes Heibel von der Initiative gegen sexuellen Missbrauch.

Willich. Dass die katholische Kirche den Vertrag zur Erforschung der Missbrauchsfälle mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer gekündigt hat, stößt an vielen Stellen auf. Allerdings war das Zerwürfnis nicht für alle eine Überraschung.

„Ich war von Anfang an gespannt, ob das gutgeht“, erklärt Johannes Heibel von der Initiative gegen sexuellen Missbrauch. Heibel ist Spezialist auf diesem Sektor, er verfolgt den Fall des gebürtigen Willicher Pfarrers Georg K. bereits seit Jahren.

Losung lautete zunächst: Aufklärung um jeden Preis

„Die Kirche hat die Losung ausgegeben: Aufklärung um jeden Preis. Als sie nun merkte, dass Christian Pfeiffer nach überall hin seine Kontakte hat, lief die Sache aus Kirchensicht aus dem Ruder.“ Eine Größe wie Pfeiffer könne man nicht einfach „umpolen“. „Man wollte ihn vor den Karren spannen“, sagt Heibel.

Unbestritten ist aus seiner Sicht aber auch: Pfeiffer sei sehr geschickt darin, andere Organisationen ins Boot zu holen. „Er ist auch sehr präsent in den Medien.“ Das Zerwürfnis zeige nun sehr klar, woran man mit der Kirche sei.

„Man wollte ihn vor den Karren spannen.“

Johannes Heibel über den Kriminologen Christian Pfeiffer

Aus Heibels Sicht war auch der Ansatz, Fälle bis ins Jahr 1945 zurückzuverfolgen, nicht ganz richtig. „Wir können doch viel mehr lernen, wenn wir auf aktuelle Fälle schauen. Oder solche, bei denen die Beteiligten noch leben.“ Nur so könne man künftig Missbrauch verhindern.

Eines sei aber auch klar: „Man muss versuchen, Missbräuche auch dann aufzuklären, wenn sie verjährt sind.“ Und wenn ein Fall nicht hundertprozentig aufzuarbeiten sei, müsse man gegebenenfalls einen Priester aus seiner Funktion holen und ihn versetzen. „Im Zweifel für das Opfer“, so Heibel. Hoffnung, dass die Entwicklung in eine solche Richtung laufen könne, hat er indes nicht. „So wie es jetzt ist, kann man die Kirche nicht ernst nehmen.“

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