Die St. Johannes Schützen in Clörath-Vennheide haben zum ersten Mal ein rein weibliches Königshaus.

Alles läuft prächtig, die Musketiere verstehen sich privat bestens, von Zickenalarm keine Spur.
Alles läuft prächtig, die Musketiere verstehen sich privat bestens, von Zickenalarm keine Spur.

Alles läuft prächtig, die Musketiere verstehen sich privat bestens, von Zickenalarm keine Spur.

Alles läuft prächtig, die Musketiere verstehen sich privat bestens, von Zickenalarm keine Spur.

Anrath. "Einer für alle, alle für einen!" Wer den Schwur des neuen Königshauses wörtlich nimmt, ist in Clörath-Vennheide auf dem Holzweg. Nein, Zweifel am außerordentlichen Zusammenhalt der verschworenen Gemeinschaft gibt’s nicht.

Aber hier sind doch zwei Buchstaben zu viel! Also, ein R gestrichen und ein N. Jetzt stimmt’s: "Eine für alle, alle für eine!" Die St. Johannes Schützengesellschaft Clörath-Vennheide 1662 hat schließlich erstmalig seit Bestehen ein rein weibliches Königshaus. Unübersehbar weiblich.

Melanie Breuer (25) schaut irritiert, gerade so, als habe die Reporterin sie gerade gebeten, ihr das ABC zu erklären. Am Motto der Königin und ihrer Musketiere wird nichts gestrichen.

Noch nie hat die Mädchengruppe offenbar auch nur einen Gedanken daran verschwendet, das Weibliche besonders herauszustellen. "Wir wollten einfach nur beim Schützenfest dabei sein", sagt Andrea Ditzen (34), vor 15 Jahren Gründungsmitglied der Musketiere und in diesem Jahr Königsoffizier an der Seite von Melanie Breuer.

Nah dran waren sie beim Schützenfest zwar schon immer, aber eher Zaungäste als Zugbegleiter. "Es waren unsere Väter und Brüder, die marschierten. Das wollten wird auch." 1994 fassten sich sechs junge Frauen ein Herz und sprachen beim damaligen Präsidenten Karl-Heinz Thivessen vor. Der zeigte sich aufgeschlossen, wollte aber erst den Uniformvorschlag der Neuen sehen.

"Das Beste, was mir je passiert ist."

Königin Melanie Breuer über ihren entscheidenden Treffer

Andrea Ditzen: "Klar war für uns: Keine grüne Jägerjacke. Keine Lackschuhe." Die Uniform der Musketiere kam gerade recht - und an. 1995 lief die junge Schützengruppe in Clörath-Vennheide zum ersten Mal mit und fiel auf. "Uns wurde applaudiert", erinnert sich Susanne Berger, wie ihre Freundin Andrea Musketier der ersten Stunde.

Nur mitmarschieren wurde den Mädchen mit den Jahren dann zu wenig. "Wir sind eine starke Gruppe und haben dafür gekämpft, dass wir auch auf den großen Vogel schießen dürfen", sagt Melanie. Die Satzungs-Änderung machte den Weg für die Frauen schließlich frei.

Beim Gedanken an den Vogelschuss 2008, früher nur männlichen Mitgliedern ab 21 Jahren vorbehalten, überkommt Melanie immer noch das große Kribbeln: "Erst wollten wir noch warten, aber dann sind wir angetreten. Das war einmalig. Das Beste, was mir je passiert ist", sagt sie, grinst und genießt sichtlich die Vorbereitung fürs große Fest im Juni.

Alles läuft prächtig, die Musketiere verstehen sich privat bestens, von Zickenalarm keine Spur.

Vater und Mutter Breuer sind mit Herzblut dabei, unterstützen ihre Königin-Tochter mit Rat und Tat.

Verschlossen zeigt sich Majestät bei einer Frage, die bei einem männlichen Königshaus keine Rolle spielen würde. Bei der Königin-Garderobe hüllen sich die Musketiere in Schweigen. Königsoffizier Andrea Ditzen verrät nur: "Unsere Uniform wird dabei sein."

Melanie Breuer hat Spaß: "Vielen fragen sich: Wie machen die Mädels das, gehen sie alleine oder haben sie Partner, mit Uniform oder Kleider?" Antworten darauf geben die Musketiere erst zum Fest. Solange halten sie zusammen dicht: Eine für alle, und alle für eine!

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