Lars Tobias Gorissen hat das Down-Syndrom: Er wollte Schütze werden. Für den ASV kein Problem.

Brauchtum
Mit Lars Tobias Gorissen (M.) freuen sich Markus Junker, Dirk Lamers, Toni Linden und Bernt Lücke (v.l.).

Mit Lars Tobias Gorissen (M.) freuen sich Markus Junker, Dirk Lamers, Toni Linden und Bernt Lücke (v.l.).

Kurt Lübke

Mit Lars Tobias Gorissen (M.) freuen sich Markus Junker, Dirk Lamers, Toni Linden und Bernt Lücke (v.l.).

Willich/St. Tönis. Lars Tobias Gorissen weiß, was er will: Er hat eine Arbeit, eine Freundin, engagiert sich im Brauchtum. Unlängst schrieb er einen Brief an den Allgemeinen Schützenverein (ASV), den Geschäftsführer Michael Tenberken auf der Mitgliederversammlung vorlas. Der 31-Jährige möchte Schütze werden.

Dieser Wunsch ging jetzt in Erfüllung. Alles nichts Besonderes? Doch: Lars Tobias Gorissen hat das Down-Syndrom, seit sechs Jahren lebt der St. Töniser im Haus der Lebenshilfe an der Hülsdonkstraße in Willich.

Der „Neu-Schütze“ hat nun 1000 Brüder

Der Schützenzug „Jut drop“ entschied spontan: Lars Tobias gehört zu uns! Sein neuestes Kleidungsstück ist ein dunkelgrünes Shirt, auf dem „Lars“ steht und der Name des Zuges. Der 31-Jährige ist ein Einzelkind, was er schade findet. „Du hast ab heute 1000 Brüder – Schützenbrüder“, sagte ihm Toni Linden, Zugführer von „Jut drop“.

Ein Kind von Traurigkeit war Lars Tobias noch nie. Rheinischen Frohsinn haben ihm seine Eltern Marlies und Wolfgang, die im Jahr 2007 Prinzenpaar der Stadt Krefeld waren, in die Wiege gelegt.

Das Brauchtum hat der Sohn ganz allein entdeckt. Vor zwei Jahren war er beim Röschendrehen mit dabei, und wenn am Schützenfest-Montag die Bewohner vom Haus der Lebenshilfe wieder eingeladen werden, wird der neue Schütze nicht mehr bei ihnen sitzen, sondern am Tisch des Jägerzuges „Jut drop“.

Auch die Mutter freut sich über das Entgegenkommen

Seine Freundin Janina Lill, die er bei der Lebenshilfe kennen und lieben gelernt hat, dürfte dafür Verständnis haben, ist doch ihr Vater Helmut Zugführer bei den „Schürzenjägern“. Lars’ Mutter Marlies Gorissen war sichtlich gerührt: „Das ist ein besonderes Entgegenkommen.“

Bernt Lücke, stellvertretender Vorsitzender des ASV, strahlte ebenfalls: „Wir finden es klasse, dass Lars Tobias jetzt zu uns gehört.“

Zu den Hobbys des 13. Mannes im Jägerzug gehört das Fotografieren. Stolz präsentierte er jetzt drei Bücher mit Urlaubsfotos. Toni Linden lacht: „Nicht, dass Lars Tobias der Paparazzo in unserem Zug wird.“

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