Im Sommer gibt es die 30. Festspiele. Über die Geschichte ihrer Entstehung droht nun ein Streit.

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Horst Gurski als „tapferes Schneiderlein“ in der ersten Spielzeit...

Horst Gurski als „tapferes Schneiderlein“ in der ersten Spielzeit...

...und das Sams im Sommer 2012.

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Horst Gurski als „tapferes Schneiderlein“ in der ersten Spielzeit...

Willich. Im kommenden Sommer gehen die Schlossfestspiele in ihre 30. Spielzeit. Eine Festschrift fürs Jubiläum ist schon in Vorbereitung, außerdem hat sich Intendantin Astrid Jacob ein besonders schönes Programm für die Spielzeit ausgedacht – mit dem „Eingebildeten Kranken“ von Molière sowie „Peter Pan“ als Höhepunkte. So weit, so gut.

Ein wenig Wasser in den Wein gießt aber der Neersener Ulrich Mischke. Er wirft in einem Brief an die WZ „einflussreichen Vertretern der Willicher CDU“ (namentlich nennt er Josef Heyes, Hans Kothen und Joachim Spalleck) vor, aus „parteipolitischen Gründen“ seit Jahrzehnten zu verschweigen, dass die FDP schon 1979 Festspiele beantragt habe.

Schon 1979 beantragte die FDP-Fraktion eine Freilichtbühne

Mischke, ehemaliger Ratsherr der Liberalen und selbst Mitglied des Trägervereins der Freilichtbühne, hat auch eine mehrseitige Dokumentation an Stadtarchivar Udo Holzenthal geschickt. Der bereitet im Moment die Jubiläumsfestschrift vor und soll einige Informationen Mischkes darin einfließen lassen.

Danach hatte die FDP im April 1979 den Antrag gestellt, das Schloss als Theaterkulisse zu nutzen. „Ich war damals Vorsitzender des FDP-Stadtverbandes und hatte den Antrag selbst formuliert“, so Mischke. Weder der damalige Kulturdezernent Joachim Spalleck noch Käthe Franke als Vorsitzende des Kulturausschusses hätten dies aber unterstützt. Auch CDU und SPD hätten den Vorstoß abgelehnt.

Der ehemalige FDP-Ratsherr belegt seine Aussagen mit mehreren Zeitungsartikeln. So berichtete die WZ am 23. April 1979: „Freilichttheater soll im Schlosspark zu sehen sein – Die Willicher FDP stellte jetzt den Antrag“. Im Juni des gleichen Jahres war zu lesen, dass sich CDU und SPD gegen den Antrag ausgesprochen hatten. „Die Neersener brauchen zunächst ein Bürgerhaus“, erklärte damals Karl-Günter Klücken (CDU).

Horst Gurski und Gerhard Ernst rannten anfangs gegen Mauern

Die 30. Festspiele sollen mit einigen Sonderveranstaltungen gefeiert werden. Einzelheiten dazu will der Festspielverein in Kürze festlegen. „Und es ist Ehrensache, dass wir alle noch lebenden Intendanten einladen werden“, kündigt Hans Kothen, Vorsitzender des Trägervereins, an.

Die Finanzierung der Jubiläumsspielezeit ist gesichert. An 2014 hat Kämmerer Willy Kerbusch eine Kürzung des Etats um 20 000 Euro vorgesehen. Aus Kreisen der CDU war aber auch schon von möglichen Kooperationen mit Tourneetheatern die Rede. Bislang haben die Festspiele ein eigenes Ensemble, das Jahr für Jahr etwa 20 000 Menschen anlockt.

Veranstalter ist der Verein Festspiele Schloss Neersen. Dessen Vorsitzender ist Hans Kothen, sein Stellvertreter Joachim Spalleck.

1983 wurde die Idee von anderer Seite neu vorgebracht: Die Schauspieler Gerhard Ernst und Horst Gurski vom Theater Krefeld-Mönchengladbach machten sich bei der Willicher Stadtverwaltung für eine Freilichtbühne stark. „Wir mussten damals gegen Mauern anrennen“, erinnerte sich Gurski 2008 im WZ-Interview an diese Zeit.

Das „Anrennen“ hatte Erfolg: Im August 1983 stellte der Hauptausschuss mit den Stimmen von CDU und FDP die Weichen für die Freilichtbühne „Zweifellos haben sich auch Käthe Franke und Joachim Spalleck um die Festspiele verdient gemacht“, so Mischke.

Aber „Vater und Mutter“ der Bühne, wie dies immer wieder dargestellt werde, seien sie nicht gewesen. Und auch die Legende von der Radtour, bei der Ernst und Gurski die Schlosskulisse angeblich fürs Theater entdeckt hätten, stimme nicht. Zum Beweis zitiert er die WZ. Dort hatte Gurski 2008 erklärt: „Ich fahre Motorrad. Auf die Idee mit der Radtour wäre ich nie gekommen.“

Hans Kothen, Vorsitzender des Festspielvereins, wundert sich darüber, dass Mischke ihm nun vorwirft, etwas aus parteipolitischen Gründen verschwiegen zu haben: „Da ist nichts dran.“ An der Entstehung der Festspiele seien viele Seiten beteiligt gewesen – auch die FDP. Das werde in der Festschrift objektiv dargestellt.

Wirklich wichtig ist Kothen etwas ganz anderes: „Wir müssen die Bedeutung der Festspiele festigen und ihre Zukunft über das Jubiläumsjahr hinaus sichern.“

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