Vier Frauen helfen im Hubertusstift bei der sozialen Betreuung stark pflegebedürftiger alter Menschen.

Das Team der Sozialen Betreuung im Schiefbahner Hubertusstift kümmert sich intensiv um die Senioren. Auf dem Bild fehlt nur Angelika Lennertz.
Das Team der Sozialen Betreuung im Schiefbahner Hubertusstift kümmert sich intensiv um die Senioren. Auf dem Bild fehlt nur Angelika Lennertz.

Das Team der Sozialen Betreuung im Schiefbahner Hubertusstift kümmert sich intensiv um die Senioren. Auf dem Bild fehlt nur Angelika Lennertz.

Friedhelm Reimann

Das Team der Sozialen Betreuung im Schiefbahner Hubertusstift kümmert sich intensiv um die Senioren. Auf dem Bild fehlt nur Angelika Lennertz.

Schiefbahn. Ute Feld (33) ist gelernte Arzthelferin und hat in der ambulanten Krankenpflege gearbeitet. Doch seit sie im Vorjahr ihre neue Stelle im Hubertusstift angetreten hat, hat sich ihr Berufsalltag völlig gewandelt: "Einfach mal Zeit zu haben, eine Bewohnerin in den Arm zu nehmen und länger auf sie einzugehen, das finde ich unheimlich schön."

Pflegekräfte haben in ihrem anstrengenden Alltag oft keine Gelegenheit, sich länger mit den Menschen zu beschäftigen: Dringend notwendige Aufgaben wie zum Beispiel Waschen, Anziehen und Essen vorbereiten stehen im Vordergrund des vollgepackten Tagesplans. Der Soziale Dienst im Schiefbahner Altenheim nutzt deshalb eine Gesetzesänderung, wonach die Betreuung von erheblich pflegebedürftigen, oft demenzkranken Bewohnern ausgebaut werden darf. Vier zusätzliche Betreuerinnen mit einer Wochenarbeitszeit von jeweils 23Stunden arbeiten seit etwa einem halben Jahr im Haus an der Königsheide.

Bewohner erhalten Sicherheit und Orientierung

Neben Ute Feld gehören Edith Sander, Petra Krause und Ulla Berg zum Team. Gemeinsam sind sie für die Betreuung von etwa 60 stark pflegebedürftigen Heimbewohnern zuständig. Hinzu kommen die drei Mitarbeiterinnen des Sozialen Dienstes, nämlich Leiterin Stephanie Becker-Vieten, Hannelore Bröcker und Angelika Lennertz.

"Die Bewohner werden durch die erweiterte Zuwendung emotional und psychisch gestärkt, ihnen werden Ängste genommen und sie erhalten mehr Sicherheit und Orientierung", erläutert Stephanie Becker-Vieten die theoretische Zielsetzung.

In der Praxis sieht das so aus, dass jede Betreuungskraft sich um etwa 15 Heimbewohner kümmert. Sie führen Gespräche mit ihnen, lesen etwas vor, hören gemeinsam Musik, machen kleinere hauswirtschaftliche Tätigkeiten oder massieren ihnen die Hände mit besonderen Ölen.

Nach Paragraph 87b des Sozialgesetzbuches haben vollstationäre Pflegeeinrichtungen für die zusätzliche Betreuung und Aktivierung der erheblich pflegebedürftigen Heimbewohner Anspruch auf Vereinbarung leistungsgerechter Zuschläge zur Pflegevergütung. Der Vergütungszuschlag für die Betreuung ist von der Pflegekasse zu tragen.

Im Hubertusstift sind etwa 60 von 118 Heimbewohnern besonders pflegebedürftig, etwa wegen Demenzerkrankungen.

Für einige Bewohner wurden spezielle Erinnerungskisten mit Fotos und Gegenständen aus dem Alltag zusammengestellt. Damit gelingt es, sie wieder an ihre eigene Lebensgeschichte heranzuführen. Mittwochs steht - wenn es denn das Winterwetter zulässt - ein Marktspaziergang auf dem Programm. Jede Betreuungskraft begleitet dabei ein bis zwei Bewohnerinnen. "Alleine können sie diesen Gang nicht machen", sagt Becker-Vieten. Zusätzlich hilft Christoph, der sein Freiwilliges Soziales Jahr im Hubertusstift leistet, bei dem kleinen Ausflug. Auch der Diepeshof oder der Tiergarten in Odenkirchen sind schon gemeinsam besucht worden.

Welche beruflichen Voraussetzungen haben die vier Betreurinnen mitgebracht? Völlig unterschiedliche: Neben der Arzthelferin sind eine Lehrerin und Industriekauffrau (Ulla Berg), eine Krankenschwester und Tagesmutter (Petra Krause) sowie eine Bürokauffrau, die zuletzt in einem Lotto-Laden gearbeitet hat (Edith Sander) im Team. In einer speziellen Qualifizierungsmaßnahme an der Volkshochschule wurden sie auf ihre Aufgabe vorbereitet. "Vor allem kommt es aber auf die persönliche Kompetenz an, auf Menschen zugehen und sie begleiten zu können", betont Becker-Vieten.

Der Alltag ist nicht einfach. So haben die Betreuerinnen die Erfahrung gemacht, wie schwer es ist, wenn ein Heimbewohner stirbt, den sie vorher über Monate intensiv betreut haben. Auch sind Demenzkranke oft schwierige Patienten: Den anklagenden Satz "Ihr lasst mich hier verhungern" haben eigentlich alle schon gehört, weil die Bewohner sich nicht mehr an das gerade eingenommene Mittagessen erinnern können.

Viel Herzblut investieren die Betreuungskräfte in ihre Arbeit, die "nicht gut bezahlt ist", wie Stephanie Becker-Vieten einräumt. Auf der anderen Seite sehen sie oft die Freude in den Augen der Bewohner oder hören Sätze wie: "Schön, dass Du heute Dienst hast." Und das, so sagen Ute Feld, Edith Sander, Petra Krause und Ulla Berg einmütig, macht alles andere wieder wett.

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