Günter Rund fertigt Uhren und Wandverkleidungen aus Zirbenholz. Vor 25 Jahren hat er das Schnitzen gelernt.

Konzentriert und ausdauernd schnitzt der Schiefbahner Günter Rund an der Uhr aus Zirbenholz.
Konzentriert und ausdauernd schnitzt der Schiefbahner Günter Rund an der Uhr aus Zirbenholz.

Konzentriert und ausdauernd schnitzt der Schiefbahner Günter Rund an der Uhr aus Zirbenholz.

Stefan Finger

Konzentriert und ausdauernd schnitzt der Schiefbahner Günter Rund an der Uhr aus Zirbenholz.

Schiefbahn. Joggen, Tennis spielen, Briefmarken sammeln - es gibt viele Möglichkeiten, seine Freizeit sinnvoll zu nutzen. Besonders kreativ sind diese Beschäftigungen aber nicht. Günter Rund aus Schiefbahn dagegen vertreibt sich seine Zeit ganz anders: er schnitzt Stand-Uhren, Decken-Wandverkleidungen und Türschilder.

Es ist ein kalter Tag Ende Januar. Während die Welt draußen in Finsternis versinkt, sitzt der ehemalige Lehrer für Veredelungstechnik unter seiner Lampe am massiven Arbeitstisch. Das Licht ist schwach, doch leuchtet der Schein alles Wichtige aus.

"An so einer hölzernen Uhr sitze ich rund 100 Stunden."

Günter Rund, Schnitzer

"An so einer hölzernen Uhr sitze ich rund 100 Stunden." Günter Rund unterbricht kurz seine Arbeit. Vor ihm liegt ein flacher Holzblock, 60x60 Zentimeter groß und vier Zentimeter dick, der mit Stechbeitel und Schnitzwerkzeug bearbeitet wird. Konzentration, Präzision, Kraft, eine ruhige Hand, viel Zeit und nicht zuletzt gute Nerven sind gefragt, um eine originelle und vor allem individuelle Uhr schaffen zu können. Der Mit-Sechziger erzählt: "Meine Arbeit ist teilweise vom Jugendstil beeinflusst. Mir macht es große Freude, aufwändige und detailreiche Verzierungen ins Holz einzuarbeiten."

Vor mehr als 25 Jahren lernte der Schiefbahner das Kerbschnitz-Handwerk in Österreich. "Verrechnen darf man sich da nicht. Dann kannst du das Holz nur in den Kamin werfen. Das wäre teures Brennholz." Die Muster für seine Kunstwerke paust er ab, zeichnen kann Rund nicht: "Eigentlich eine Schande."

Der ehemalige Lehrer schnitzt ausdauernd. Als die Konzentration ein wenig nachlässt, ist es Zeit für einen Kaffee am frühen Abend. "Das Holz kommt aus dem Stamm der Zirbe", sinniert Günter Rund über seiner dampfenden Tasse. "Auf der einen Seite ist das Holz fester, andererseits kann da auch leichter was abbrechen - und du hast so gut wie verloren." Den Duft mag er besonders, weshalb er seine Werke auch niemals nachbehandelt.

Günter Rund benutzt vor allem das Holz der Zirbe. Der Nadelbaum wächst im Gebirge ab einer Höhe von 2000 Metern. Sein duftendes Holz ist leicht zu schneiden und zu trocken, da es nicht zu Rissbildung neigt.

Weitere Informationen zu den Arbeiten von Günter Rund gibt es auf seiner Homepage: www.holz-schnitzkunst.de

Das Licht in der Küche erlischt - den Künstler zieht es zurück an seine Arbeit. Künstler? "Nein, ich bin Handwerker", sagt der Rentner. Wenn die Uhr einmal fertig ist, wird ein gekauftes Uhrwerk eingesetzt. Heutzutage werde so etwas kaum noch von Hand gemacht. "Viel zu teuer", weiß Rund.

Die Uhren sind seine größte Leidenschaft, doch das Element Holz hat Rund schon immer in den Bann gezogen: "Wenn draußen interessantes Holz rumliegt, muss ich es einfach mitnehmen. Ich habe mir mal eine Truhe aus einer alten Holztreppe gebaut."

Während der Tüftler erzählt, wandert der Blick durch sein Zuhause. Regale, Schachteln, Schränke - alles selbst bearbeitet. Schilder über jeder Tür beschreiben, was sich dahinter verbirgt. Über dem Badezimmer hängt ein Holzschild mit Toilettenrolle.

Nach drei Stunden macht Rund Schluss für heute. Was mit der Uhr passiert, wenn sie fertig ist, weiß er noch nicht. Er würde seine Kunst gerne auch mal verkaufen. Doch Kreativität komme nur schwer an gegen die Fließbanduhren vom Möbeldiscounter.

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