Dieter Nuhr spricht es aus: Wir sind zu hektisch, zu nörglerisch, depressiv.

Dieter Nuhr in Willich.
Dieter Nuhr in Willich.

Dieter Nuhr in Willich.

Dieter Nuhr in Willich.

Willich. Donnerstagabend zur Spielfilmzeit: Die Parkplätze rund ums Schwimmbad sind belegt, 1200 Zuschauer erleben in der Jakob-Frantzen-Halle "Nuhr die Ruhe". "Immer noch der gleiche Charme", lobt Dieter Nuhr das Ambiente der Mehrzweckhalle und freut sich des Lebens: "Wir sind ja die letzten Überlebenden der Schweinegrippe." Es hätte ja auch anders sein können: "Der Tod kommt rosa und borstig."

Auch mit seinem neuen Programm beweist Dieter Nuhr, dass Intelligenz und Witz sich nicht ausschließen. Suspekt sind ihm Eltern, die ihre Kinder für die künftigen Nobelpreisträger halten. "Wo sind die Dummen? Haben wir sie ertränkt?" Menschen mit einer Intelligenz zwischen Nobelpreisträger und Vollkornbrot beschäftigen den Träger des IQ-Preises, der glaubt: "Die Zeit der Macher ist vorbei." Männer, "diese niedere Samen streuende Lebensform", setzen plumpe Zeichen. Der Turm der Commerzbank in Frankfurt spricht für den Kabarettisten eine deutliche Sprache: "Wir können nicht rechnen, aber wir haben den Längsten."

Wichtig sei Mundhygiene: "In der Geschichte der Menschheit ist so manch guter Gedanke verlustig gegangen, weil er mit faulem Wind das Gehirn des Adressaten vernebelt hat." Auf Gott könne man sich auch nicht mehr verlassen. "Wenn der Papst in seinem Papamobil liegen bleibt, kann er sich ’nen Wolf beten, Benzin kriegt er trotzdem nicht." Allerdings fahre der Papst ja auch nicht selbst, "in dem Alter kann man vielleicht eine Kirche lenken, aber kein Fahrzeug".

Das strahlend weiße Licht der Nah-Tod-Erfahrungen ist für ihn "Gottes letzter Spaß", nämlich in Wahrheit ein "riesiger Insektenvernichter. Die, die ihn überwunden haben, sind nie mehr zurückgekehrt." Eskimos haben viele Namen für Schnee und wir haben genauso viele für Angst. "Woher kommen Ängste?" Nuhr macht die Flut an Informationen dafür verantwortlich. Dauernd sei die Rede von Krise und Untergangs-gefühlen. "Seit der Trümmerphase herrscht in Deutschland kein Optimismus mehr", vermisst er die gute Laune hierzulande, und fügt hinzu: "wenn man von den vier Wochen in 2006 einmal absieht", als die Welt zu Gast bei Fußballfreunden war.

Vermutlich sei man gestresst, weil André Rieu, "ein dem Borkenkäfer nicht unähnlicher" Musiker uns den Jahresanfang vergeigt hat. Dabei könnte alles so einfach sein: "Nuhr die Ruhe", empfiehlt da Nuhr, "entspannen Sie sich."

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