Ein Neersener soll versucht haben, einen Anhänger zu verkaufen, der ihm nicht (mehr) gehörte. Seit Dienstag steht er vor Gericht.

Neersen. Kann man etwas stehlen, was einem gehört? Schwerlich. Was ist mit Dingen, von denen man sicher ist, dass man Besitzer ist, es aber dann doch nicht ist? Mit solchen Fragen muss sich seit Dienstag das Krefelder Amtsgericht beschäftigen. Dort muss sich Jo M. (Name geändert) aus Neersen verantworten. Er soll versucht haben, einen Sattelauflieger zu verkaufen, der ihm nicht gehörte.

Der heute 68-Jährige war Transportunternehmer. Zu Beginn des Jahrtausends kaufte er einen Sattelauflieger. Die dazu gehörige Transportmaschine leaste er bei einer Firma in Duisburg. Die wiederum wollte sicher gehen, dass der Neersener die Raten auch bezahlt.

Deshalb wollte sie im Notfall auf den Auflieger zurückgreifen können. "Als nun die Raten nicht bezahlt wurden, zogen wir diese Option", schilderte der Junior-Chef des Leasing-Unternehmens die Situation aus seiner Sicht. Der Schritt sei logisch gewesen, zumal M. auch die fällige Kaution für die Zugmaschine nicht bezahlt habe.

Das sahen M. und sein Anwalt anders: Er habe die Kaution in Raten bezahlt, dann auch angemahnt, dass die Leasing-Firma ihm den Fahrzeug-Brief für den Auflieger wieder aushändigen müsse. Allerdings räumte er Probleme mit der Ratenzahlung ein.

Was M. als "Zahlung der Kaution in Raten" bezeichnet, sah das Leasing-Unternehmen lediglich als Bedienung der laufenden Raten für die Zugmaschine. Weswegen es den Fahrzeugbrief auch nicht rausrückte. In einem Zivilverfahren wurde inzwischen festgestellt, dass M. dem Unternehmen noch 9.000 Euro schuldet.

Trotzdem sah sich M. offenbar im Recht. Er bot den Auflieger einem Bekannten an, der ihn sowieso schon von ihm gemietet hatte. 6.000 Euro wollte er dafür haben. Der Fahrzeugbrief sei in seiner Firma weggekommen, erklärte er dem Käufer. Der wiederum erzählte der Duisburger Leasing-Firma von dem Angebot.

Die sicherte sich daraufhin den Auflieger und gab ihn nicht wieder heraus. Einzelheiten zu der Übergabe des Aufliegers gab’s am Dienstag nicht. Der Bekannte von M. war nicht erschienen. Dafür muss er eine Strafe zahlen und soll zusätzlich beim nächsten Mal vorgeführt werden.

Bei dieser Gelegenheit soll dann auch die Frau des Angeklagten gehört werden. Diese könne belegen, dass die Kaution für die Zugmaschine bezahlt worden sei, argumentierte die Verteidigung. Der Prozess wird fortgesetzt, das Gericht wird einen weiteren Termin ansetzen.

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