Obwohl es an der Abfahrt von der Autobahn immer wieder scheppert, ist das laut Polizei kein Unfall-Schwerpunkt.

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Am vergangenen Mittwoch war ein Schulbus in einen Unfall an der Autobahn-Abfahrt verwickelt.

Am vergangenen Mittwoch war ein Schulbus in einen Unfall an der Autobahn-Abfahrt verwickelt.

Kurt Lübke

Am vergangenen Mittwoch war ein Schulbus in einen Unfall an der Autobahn-Abfahrt verwickelt.

Neersen. Ungeduldig trommelt der Fahrer mit den Fingern auf dem Lenkrad herum. Geht da wieder gar nichts? Im nachmittäglichen Berufsverkehr in Neersen die A44 zu verlassen und irgendwie auf die Landstraße zu kommen, ist manchmal ein ziemliches Geduldsspiel. Immer wieder kracht es dort auch.

In dieser Woche meldet die Polizei einen schweren Unfall mit zwei Schwer- und einem Leichtverletzten sowie einem Sachschaden von mehreren zehntausend Euro am Montag, und den Schulbusunfall vorgestern, bei dem ein PKW-Fahrer schwer und zwei Schülerinnen leicht verletzt wurden. Dazu hat es am Mittwochmorgen vor dem Busunfall nach einen Unfall mit Blechschaden gegeben.

Unfälle werden in vier Kategorien eingeteilt

Ein Blechschaden aber ist nicht entscheidend bei der Klärung der Frage, ob diese Ecke eine "Unfallhäufungsstelle" im Sinne des entsprechenden Landes-Erlasses ist. "Ich scheue mich immer, von Bagatellschäden zu sprechen", sagt Joachim Schückes von der Direktion Verkehr bei der Kreispolizei. "Wer einmal einen solchen vermeintlichen Bagatellschaden gehabt hat, wird hinterher sagen, dass das alles andere als eine Bagatelle war."

Der Erlass teilt Verkehrsunfälle in vier Kategorien: solche mit Leichtverletzten, Schwerverletzten, Toten oder schwerwiegendem Sachschaden. Um als Unfallhäufungsstelle zu gelten, so Schückes weiter, müssen sich an einem Ort innerhalb eines Kalenderjahres vier Unfälle gleichen Unfalltyps ereignet haben. Und: Die Unfallursache muss gleich sein - z.B. eine Vorfahrtverletzung oder ein Abbiegefehler.

"Wer einmal einen vermeintlichen Bagatellschaden gehabt hat, wird hinterher sagen, dass das alles andere war als eine Bagatelle."

Joachim Schückes, Verkehrs-Experte der Kreispolizei

Problematisch an der Lage der Ausfahrt in Neersen ist zudem, "dass es ja zwei Ausfahrten sind, die eigentlich auch getrennt betrachtet werden müssen", sagt der Fachmann. Und die Zahlen, die ihm vorliegen, sprechen eine deutliche Sprache. Schückes zieht Bilanz von Januar 2008 bis Ende April 2009. An der näher nach Schiefbahn gelegenen Ausfahrt gab es nach Polizeiunterlagen dreimal Blechschaden und einmal schwerwiegenden Sachschaden in dieser Zeit. An der näher nach Neersen gelegenen Abfahrt krachte es sieben Mal, einmal wurden dabei zwei Menschen verletzt.

"Damit sind wir von den Richtwerten für eine Unfallhäufungsstelle noch weit entfernt", sagt Schückes. Trotzdem ist der Polizei das hohe Verkehrsaufkommen mit den dadurch entstehenden Problemen bekannt. Vor allem nachmittags, wenn die Pendler aus Düsseldorf und Krefeld zurückkehrten, müssten dort oft längere Wartezeiten in Kauf genommen werden.

"Wir beobachten das kritisch", erklärt der Polizist. Bei denjenigen, die mit den Wartezeiten und oft Beinahe-Unfällen leben müssen, hört sich das anders an. "Dann hat sich der ganze teure Umbau des Neersener Kreuzes doch nicht gelohnt, wenn man nicht da noch in eine Ampelanlage oder wenigstens in einen Kreisverkehr investieren will", sagt eine Busfahrerin, die täglich dort vorbei muss.

Die Statistik für dieses Jahr wird vielleicht neue Ergebnisse bringen. Denn auch wenn die Ermittlungen der Polizei für die beiden schweren Unfälle dieser Woche noch nicht abgeschlossen sind, zeichnet sich ab, dass wohl in beiden Fällen ein Vorfahrtverstoß vorgelegen hat. Damit ist die Hälfte des Jahres noch nicht um, die Hälfte der Unfälle auf dem Weg zur Häufungsstelle aber schon erreicht.

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